„Ei­ne Ver­si­che­rung zum Selbst­kos­ten­preis“

„Feu­er­kas­se“ist fast so alt wie ih­re Mut­ter BBBank – die­se hat auch oh­ne Pro­fit­ziel et­was von ihr

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Dirk Neu­bau­er G. Kel­ler­mann

Karls­ru­he. Ei­ne Ver­si­che­rung, die kei­nen Ge­winn er­zie­len will? Gibt’s ja gar nicht? Doch, bei der BBBank. Das sagt Ga­b­rie­le Kel­ler­mann. Sie ist in Per­so­nal­uni­on Vor­stands­mit­glied der gro­ßen Karls­ru­her Ge­nos­sen­schafts­bank und Vor­stands­vor­sit­zen­de der „Feu­er- und Ein­bruch­scha­den­kas­se der BBBank in Karls­ru­he VVaG“.

Schon der sper­ri­ge Na­me deu­tet an, dass es ei­ne un­ge­wöhn­li­che Haus­rat­ver­si­che­rung ist. Die BBBan­ker nen­nen sie da­her lie­be­voll ein­fach nur: Feu­er­kas­se. „Sie ist ein­zig­ar­tig in der deut­schen Ver­si­che­rungs­bran­che“, sagt Kel­ler­mann im BNN-Ge­spräch. „Sie ver­folgt kei­ne Ge­winn­erzie­lungs­ab­sicht. Sie muss kei­ne Ren­di­te­an­sprü­che von Ka­pi­tal­ge­bern be­die­nen. Es wer­den kei­ne Ge­win­ne an­ge­häuft. Und es wer­den kei­ne über­flüs­si­gen Aus­ga­ben ge­tä­tigt“, ver­deut­licht sie. Ist der Scha­den­ver­lauf güns­ti­ger, pro­fi­tie­re da­von aus­schließ­lich die Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft. „Im Grun­de bie­ten wir die Haus­rat­ver­si­che­rung zum Selbst­kos­ten­preis an.“

Den Mit­glie­dern ge­hört die­ser „klei­ne Ver­si­che­rungs­ver­ein auf Ge­gen­sei­tig­keit“, so die Rechts­form. Das Ge­schäfts­mo­dell: Nur Mit­glie­der der BBBank kön­nen sich bei die­ser ge­gen Feu­er ein­schließ­lich Blitz­schlag und Ein­bruch ver­si­chern. Sie be­zah­len ein ein­ma­li­gen Ein­tritts­geld. Au­ßer­dem über­weist je­des Mit­glied in ge­wis­sen Zeit­ab­stän­den ei­ne Um­la­ge, zahlt al­so in ei­nen Topf ein, zu­letzt 2015. Ist die­ser leer, muss wie­der ein­be­zahlt wer­den – laut Kel­ler­mann vor­aus­sicht­lich im Früh­jahr 2019. „Bei uns fällt kei­ne jähr­li­che Ver­si­che­rungs­prä­mie an.“

Der Scha­den­ver­lauf der ge­nann­ten Ri­si­ken sei re­la­tiv gut pro­gnos­ti­zier­bar. Bei Groß­schä­den, die auf ei­ne Ur­sa­che zu­rück­zu­füh­ren sind, si­che­re man sich zu­dem bei ei­nem Rück­ver­si­che­rer ab. Und die BBBank ver­wal­tet die Feu­er­kas­se mit. „Ver­gü­tet wer­den die in An­spruch ge­nom­me­nen Leis­tun­gen“, so Kel­ler­mann. Die Kas­se sei schlank und – da obend­rein klein – bei­spiels­wei­se auch auf­sichts­recht­lich nicht so re­gle­men­tiert wie gro­ße As­se­ku­ran­zen. Zu­dem ha­be man „gu­te Kun­den und so­mit gu­te Ri­si­ken“.

Die Fra­ge al­ler Fra­gen? War­um leis­tet sich ei­ne Bank in die­sen für Kre­dit­in­sti­tu­te wirt­schaft­lich schwie­ri­gen Zei­ten ei­ne sol­che Ver­si­che­rung – sie könn­te statt­des­sen ge­gen Pro­vi­si­on auch klas­si­sche Ver­si­che­run­gen ver­mit­teln. Kel­ler­mann er­in­nert dar­an, dass die Feu­er­kas­se be­reits 1925 von den BBBank-Grün­der­vä­ter eta­bliert wur­de. Sie spricht von ei­nem „An­ker­pro­dukt“. „Sie ist ein be­deu­ten­des Kun­den­bin­dungs­in­stru­ment.“Heut­zu­ta­ge, in der viel von ab­neh­men­der Kun­den­loya­li­tät die Re­de sei, „ist das von be­son­de­rer Be­deu­tung“. Al­ler­dings steht auch die Feu­er­kas­se vor Her­aus­for­de­run­gen: Die BBBank als Mut­ter ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ra­sant ge­wach­sen und wird in die­sem Jahr mit Saar­brü­cken auch in der letz­ten Lan­des­haupt­stadt mit ei­ner Fi­lia­le prä­sent sein. Sie hat mitt­ler­wei­le rund 470 000 Mit­glie­der. Die Feu­er­kas­se hat im ver­gan­ge­nen Jahr net­to 985 Mit­glie­der ver­lo­ren und kommt auf 95 657 Ver­trä­ge. 37 Pro­zent der Mit­glie­der sei­en über 70 Jah­re alt – ei­ne de­mo­gra­fi­sche Her­aus­for­de­rung al­so. Kel­ler­manns Ziel ist, dass ein Vier­tel der BBBank-Mit­glie­der ih­re Haus­rat­ver­si­che­rung bei der Feu­er­kas­se ab­schließt. „Für die Feu­er­kas­se ist die Neu­kun­den­ge­win­nung wich­tig für Er­halt, Ver­jün­gung und Stär­kung des Ver­si­cher­ten­kol­lek­tivs.“

Ge­zielt spre­che man in Be­ra­tungs­ge­sprä­chen das An­ge­bot an. Auch On­li­ne kön­nen Mit­glie­der sich ver­si­chern las­sen – und ne­ben den klas­si­schen We­gen auch im In­ter­net Schä­den mel­den. We­gen ih­res un­ge­wöhn­li­chen Ge­schäfts­mo­dells sei die Feu­er­kas­se in In­ter­ne­tKun­den­por­ta­len bis­her aber schwer mit klas­si­schen An­ge­bo­ten ver­gleich­bar.

2016 ist die Ge­samt­ver­si­che­rungs­sum­me mit 8,4 Mil­li­ar­den Eu­ro kon­stant ge­blie­ben. Die Scha­dens­ent­wick­lung lag, so Kel­ler­mann wei­ter, mit 1 192 Fäl­len leicht un­ter Vor­jah­res­ni­veau. Die Auf­wen­dun­gen für Ver­si­che­rungs­fäl­le be­tru­gen 2,4 Mil­lio­nen Eu­ro, die für den Ver­si­che­rungs­be­trieb 560 000 Eu­ro.

Et­li­che Kun­den wol­len frei­lich mehr als den Ba­sis­schutz: Ele­men­tar­schä­den, Fahr­rad­dieb­stahl, Glas­bruch so­wie Lei­tungs­was­se­r­und Sturm­schä­den ver­mit­telt die BBBank an ih­ren Part­ner, die Ver­si­che­rung HDI. Die ent­spre­chen­den Pro­vi­sio­nen flie­ßen wie­der an die Feu­er­kas­se.

Die­se ver­zich­te be­wusst dar­auf, selbst das Leis­tungs­spek­trum zu er­wei­tern – we­gen der Kal­ku­lier­bar­keit der Ri­si­ken und so­mit auch we­gen der re­gu­la­to­ri­schen Er­for­der­nis­se, sagt Kel­ler­mann, die Bank- und Ver­si­che­rungs-Ma­na­ge­rin in Per­so­nal­uni­on.

WENN’S BRENNT oder Ein­bre­cher zu­ge­schla­gen ha­ben, dann hilft un­ter an­de­rem die so­ge­nann­te „Feu­er­kas­se“. Die­ser „klei­ne Ver­si­che­rungs­ver­ein auf Ge­gen­sei­tig­keit“ist in der deut­schen Ver­si­che­rungs­land­schaft un­ge­wöhn­lich. Fo­tos: dpa, pr

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