Tau­send­jäh­ri­ge von Bak­te­ri­um be­droht

Xy­lel­la be­fällt zu­neh­mend Apu­li­ens Oli­ven­bäu­me

Pforzheimer Kurier - - BLICK IN DIE WELT - Von un­se­rem Kor­re­spon­den­ten Thomas Mig­ge

Lec­ce. He­len Mir­ren schwitz­te, doch sie zeig­te sich ent­schie­den. „Ich bit­te euch al­le, helft dem Sa­len­to, die­se wun­der­ba­ren Bäu­me zu ret­ten“.

Die 72-jäh­ri­ge Schau­spie­le­rin, die für ih­re In­ter­pre­ta­ti­on von Kö­ni­gin Eliz­a­beth II. in dem Film „The Queen“ei­nen Os­car ge­wann, ad­op­tier­te ei­nen rund 2 000 Jah­re al­ten Oli­ven­baum, der „La Regina“, die Kö­ni­gin ge­nannt wird. „Zwei Kö­ni­gin­nen. Ja, ja ...“, sag­te die Schau­spie­le­rin sicht­lich ge­rührt, mit Trä­nen in den Au­gen. Um den Hals trug sie ein Tuch des Col­di­ret­ti, des ita­lie­ni­schen Bau­ern­ver­ban­des. „Ich ha­be die­sen wun­der­ba­ren Baum ad­op­tiert und for­de­re mei­ne Freun­de in und aus Hol­ly­wood da­zu auf, es mir gleich zu tun“, so Mir­ren. Zu ver­ge­ben für Bau­ma­d­op­tio­nen sind im Sa­len­to, ganz im Sü­den Apu­li­ens, noch vier wei­te­re Oli­ven­bäu­me, die eben­falls rund 2 000 Jah­re alt sind. In ganz Apu­li­en exis­tie­ren rund 500 000 Oli­ven­bäu­me, die meh­re­re Jahr­hun­der­te alt sind. „Ein Kul­tur­gut“, er­klär­te die Schau­spie­le­rin, die vom Prä­si­den­ten des Bau­ern­ver­ban­des be­glei­tet wur­de, „das un­ter un­se­ren Au­gen stirbt“. Die Re­de ist von Xy­lel­la. Die­ses Bak­te­ri­um ist ein ge­fähr­li­cher Pflan­zen­schäd­ling, der nicht nur Pfir­sich- und Zi­tro­nen­bäu­me be­fällt, son­dern eben auch Oli­ven­bäu­me. Fast die ge­sam­te Land­wirt­schaft der Re­gi­on stützt sich auf die Pro­duk­ti­on von Oli­ven­öl und Ver­zeh­roli­ven. Xy­lel­la be­droht nicht nur die Bäu­me, son­dern ei­nen der wich­tigs­ten Ein­nah­me­zwei­ge Apu­li­ens und das Bild der Re­gi­on. Das Bak­te­ri­um Xy­lel­la wird von In­sek­ten zu den Bäu­men ge­bracht. Sie sau­gen dann an dem Baum. Die Bak­te­ri­en ge­lan­gen in das so­ge­nann­te Xy­lem, das Leit­ge­we­be des Baums. Dar­in ver­klumpt sich das Bak­te­ri­um und schnürt dem Baum die ge­sam­te Was­ser­ver­sor­gung ab, er trock­net von in­nen aus. Seit 2013 ster­ben Apu­li­ens Oli­ven­bäu­me rei­hen­wei­se an die­sem Bak­te­ri­en­be­fall. Die EU for­dert die To­tal­ro­dung sämt­li­cher Fel­der, auf de­nen das Bak­te­ri­um ent­deckt wur­de. Doch Apu­li­ens Bau­ern wei­gern sich ent­schie­den, die kost­ba­ren Bäu­me ab­zu­hol­zen. „Es gibt ei­nen Hoff­nungs­schim­mer“, er­klär­te Gi­u­sep­pe Bril­lan­te vom Bau­ern­ver­band im Apu­li­schen Lec­ce, „durch das Pfrop­fen mit Xy­lel­la-re­sis­ten­ten Baum­ar­ten, doch die­se Vor­ge­hens­wei­se be­an­sprucht viel Zeit, die wir an­ge­sichts des Bak­te­ri­en­be­falls nicht ha­ben“.

In Apu­li­en gras­sie­ren Ver­schwö­rungs­theo­ri­en an­ge­sichts von Xy­lel­la. Die Ma­fia soll da­für ge­sorgt ha­ben, dass das Bak­te­ri­um aus Uni­ver­si­täts­la­bors ge­stoh­len und in Apu­li­en aus­ge­setzt wur­de, mit dem Ziel, aus land­wirt­schaft­li­cher Nut­zungs­flä­che lu­kra­ti­ves Bau­land zu ma­chen. „Durch Bau­ma­d­op­tio­nen kann das nö­ti­ge Geld zur Ret­tung auf­ge­bracht wer­den“, ap­pel­liert Mir­ren. Sie hofft, dass auf je­den Fall ih­re Kol­le­gen Brad Pitt und Richard Ge­re viel Geld lo­cker ma­chen. Bei­de be­sit­zen An­we­sen im Sa­len­to.

He­len Mir­ren wirbt für Ad­op­ti­on der Pflan­zen

KNORRIGE AL­TE OLI­VEN­BÄU­ME prä­gen das Bild der Re­gi­on Apu­li­en. Oli­ven­öl und Oli­ven­früch­te sind au­ßer­dem ei­ne der wich­tigs­ten Ein­nah­me­quel­len. Fo­to: dpa

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