Nöt­tin­gen er­laubt sich zu träu­men

Dorf­club wit­tert im DFB-Po­kal Au­ßen­sei­ter­chan­ce ge­gen VfL Bochum

Pforzheimer Kurier - - SPORT - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Re­né Ron­ge

Rem­chin­gen. Noch ein Traum­los wä­re des Gu­ten viel­leicht zu viel ge­we­sen. Für die Fuß­ball­ama­teu­re des FC Nöt­tin­gen hat­te sich bei ih­ren bis­he­ri­gen Auf­trit­ten im DFB-Po­kal das Los­glück im­mer wei­ter ge­stei­gert: Auf Han­no­ver 96 folg­te Schal­ke 04 folg­te der FC Bay­ern Mün­chen. Als fest­stand, dass es dies­mal in Run­de eins ge­gen den tra­di­ti­ons­rei­chen, aber we­ni­ger zug­kräf­ti­gen VfL Bochum ge­hen wür­de, nah­men sie das beim Re­gio­nal­li­ga-Ab­stei­ger

FCA Wall­dorf dient als Vor­bild

mit ei­ner gro­ßen Por­ti­on De­mut auf – und mit ei­nem Biss­chen Hoff­nung.

So groß wie dies­mal war die Chan­ce auf den Ein­zug in die zwei­te Run­de schließ­lich noch nie. Funk­tio­nä­re wie Ver­eins­boss Dirk Steidl und Spie­ler wie der tor­ge­fähr­li­che Links­fuß Ma­rio Bil­ger sag­ten uni­so­no, man wol­le die Sen­sa­ti­on ver­su­chen. Vor ei­nem Jahr mach­te es der FCA Wall­dorf, da­mals eben­falls als ba­di­scher Cup­sie­ger für den DFBPo­kal qua­li­fi­ziert, vor und warf die Bochu­mer Zweit­li­gis­ten in Run­de eins aus dem Wett­be­werb. Der Weg der Wall­dor­fer en­de­te erst im Ach­tel­fi­na­le.

Als ba­di­sche Po­k­al­ex­per­ten gel­ten frei­lich auch die Nöt­tin­ger. Seit 2010 stan­den sie mit ei­ner Aus­nah­me im­mer im ba­di­schen Cup­fi­na­le und ge­wan­nen den Wett­be­werb drei­mal. Bei Al­le­so­der-nichts-Spie­len trump­fen sie re­gel­mä­ßig auf. So auch vor zwei Jah­ren ge­gen die Bay­ern, als der in­zwi­schen zu den Ki­ckers Of­fen­bach ab­ge­wan­der­te „Nöt­tin­ger Jun­ge“Niklas Hecht-Zir­pel zwi­schen­zeit­lich das um­ju­bel­te 1:1 er­ziel­te (End­stand 1:3).

Weil das hei­mi­sche Pan­ora­ma­sta­di­on nicht po­kaltaug­lich ist, wei­chen die Nöt­tin­ger wie schon ge­gen Schal­ke und Bay­ern in den Wild­park aus. An­ders als ge­gen den Re­kord­meis­ter wird die Are­na am Sonn­tag (15.30 Uhr) in Karls­ru­he nicht mal an­nä­hernd aus­ver­kauft sein. Mit 4 000 Zu­schau­ern wä­re man schon zu­frie­den.

Ver­bin­dun­gen zwi­schen Karls­ru­he und Nöt­tin­gen gibt es reich­lich. Gleich sechs FCN-Stamm­spie­ler ha­ben ih­re fuß­bal­le­ri­sche Aus­bil­dung im Wild­park er­hal­ten. Trai­ner Du­brav­ko Ko­lin­ger de­bü­tier­te 1997 als Pro­fi für den KSC in der Bun­des­li­ga. Er ist ei­ner de­rer, die vor dem Po­kal­spiel auf die Eu­pho­rie­brem­se tre­ten. Das liest sich dann so: „Wir ha­ben nur ei­ne ganz, ganz, ganz, ganz klei­ne Chan­ce – viel­leicht.“

Der 41-Jäh­ri­ge geht in sein zwei­tes Jahr als Chef­trai­ner im Ak­ti­ven­be­reich. Vor­her hat­te er die Nöt­tin­ger A-Ju­nio­ren in die Ober­li­ga ge­führt. Als Dif­fe­ren­zen zwi­schen dem lang­jäh­ri­gen Trai­ner und Ex-KSC-Ver­tei­di­ger Michael Witt­wer und der Mann­schaft of­fen­bar wur­den, über­nahm zu­nächst Gerd Dais, der ak­tu­ell bei Wald­hof Mann­heim coacht. Da­nach wur­de Ko­lin­ger be­för­dert. Un­ter ihm wur­de der FCN mit dün­ner Per­so­nal­de­cke und ekla­tan­ter Stan­dard­schwä­che ab­ge­schla­gen Letz­ter der Re­gio­nal­li­ga. Im­mer­hin sta­bi­li­sier­te sich das Team ge­gen En­de der Run­de und fei­er­te den Po­kal­sieg ge­gen die SG HD-Kirchheim – der Lohn ist der vier­te Auf­tritt im DFB-Po­kal.

ZU­RÜCK IN DEN WILD­PARK geht es für die Nöt­tin­ger Ma­rio Bil­ger (vor­ne) und Leu­trim Ne­zi­raj, die ih­re fuß­bal­le­ri­sche Aus­bil­dung beim KSC er­hal­ten ha­ben. Fo­to: Rub­ner

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