Fa­vo­ri­ten geht die Pus­te aus

Gu­liyev stiehlt van Nie­kerk und Mak­wa­la über 200 Me­ter die Show

Pforzheimer Kurier - - LEICHTATHLETIK-WM IN LONDON -

Way­de van Nie­kerk schlich be­dröp­pelt aus dem Sta­di­on, Isaac Mak­wa­la hat­te nicht den Hauch ei­ner Chan­ce: Über 200 Me­ter hat Ra­mil Gu­liyev den bei­den Top-Fa­vo­ri­ten völ­lig über­ra­schend die Show ge­stoh­len. Der Tür­ke ge­wann nach 20,09 Se­kun­den bei der Leicht­ath­le­tik-WM Gold über die hal­be Sta­di­on­run­de und ist da­mit Nach­fol­ger von Usain Bolt. Der Ja­mai­ka­ner hat­te auf ei­nen Start über sei­ne Lieb­lings­stre­cke ver­zich­tet. 48 St­un­den nach sei­nem Tri­umph über 400 Me­ter fehl­te van Nie­kerk die Po­wer ge­gen Gu­liyev, der das ers­te Gold für die Tür­kei bei ei­ner WM ge­wann. Van Nie­kerk hol­te mit 20,11 Sil­ber, Je­reem Richards (20,11/Tri­ni­dad und To­ba­go) muss­te sich nach ei­nem Fo­to-Fi­nish-Ent­scheid mit Bron­ze be­gnü­gen. Isaac Mak­wa­la (Bots­wa­na) wur­de 32 St­un­den nach Ablauf sei­ner Qua­ran­tä­ne we­gen des Ver­dachts auf ei­ne No­ro­vi­rus-Er­kran­kung in 20,44 Se­kun­den nur Sechs­ter. Der 30-Jäh­ri­ge hat­te we­gen der Ma­genDarm-Er­kran­kung das 400-Me­ter -Fi­na­le ver­passt, als van Nie­kerk Gold hol­te. Der Süd­afri­ka­ner woll­te 22 Jah­re nach Michael John­son (USA) ei­gent­lich un­be­dingt das ers­te Dou­ble über 200 und 400 Me­ter ho­len. Doch Gu­liyev war zu stark. „Es ist leich­ter ge­sagt als ge­tan“, hat­te van Nie­kerk schon vor dem gro­ßen Show­down über sei­ne Mis­si­on ge­sagt. Nach ei­nem wack­li­gen Halb­fi­na­le ahn­te er da wohl schon, dass ihm an­ge­sichts des Mam­mut­pro­gramms am En­de ein biss­chen die Kräf­te feh­len könn­ten. Da­bei war das per­fek­te vanNie­kerk-Dreh­buch doch schon ge­schrie­ben, Dop­pel-Gold soll­te der An­fang sei­nes Auf­stie­ges zum neu­en glo­ba­len Su­per­star der Leicht­ath­le­tik mar­kie­ren – als Nach­fol­ger von Bolt.

Die US-Ame­ri­ka­ne­rin Ko­ri Car­ter hol­te der­weil Gold über 400 Me­ter Hür­den. Die 25-Jäh­ri­ge setz­te sich in 53,07 Se­kun­den vor ih­rer fa­vo­ri­sier­ten Lands­frau Da­li­lah Mu­ham­mad (53,50) durch. Bron­ze ging an die Ja­mai­ka­ne­rin Ris­tan­an­na Tra­cey (53,74). Bei den Drei­sprin­gern flog Ti­tel­ver­tei­di­ger und Olym­pia­sie­ger Chris­ti­an Tay­lor mal wie­der am wei­tes­ten: Mit 17,68 Me­tern hol­te er sein drit­tes WM-Gold und über­flü­gel­te da­bei sei­nen Lands­mann Will Claye nur um fünf Zen­ti­me­ter. Eu­ro­pa­meis­ter Max Heß aus Chem­nitz hat­te sich beim Auf­wär­men für die Qua­li­fi­ka­ti­on ver­letzt. Wie das Trio um Vet­ter be­wies auch Ma­rie-Lau­rence Jung­fleisch gu­te Ner­ven. Die 26-jäh­ri­ge Hoch­sprin­ge­rin vom VfB Stutt­gart über­stand mit 1,92 Me­tern im drit­ten Ver­such die Aus­schei­dung. „Es war knapp, ich ha­be mich ge­freut, dass die Lat­te im drit­ten Ver­such oben ge­blie­ben ist“, sag­te sie. Kla­re Fa­vo­ri­tin ist ei­ne Rus­sin, die un­ter neu­tra­ler Flag­ge star­tet: Ti­tel­ver­tei­di­ge­rin Ma­ria La­siz­ke­ne. Hin­ge­gen schied Ali­na Reh über 5 000 Me­ter im Vor­lauf aus. Das 20 Jah­re al­te Ta­lent aus Ulm kam als Neun­te ih­res Ren­nen in 15:01,01 Mi­nu­ten ins Ziel – aber auch die­se per­sön­li­che Best­zeit reich­te nicht. Da­für steht Chris­ti­na He­ring aus Mün­chen im Halb­fi­na­le über 800 Me­ter. Timo Be­nitz von der LG Nord­schwarz­wald und Ho­miyu Tes­faye aus Frank­furt/Main schaff­ten es über 1 500 Me­ter eben­falls in die nächs­te Run­de. Sprin­te­rin Re­bek­ka Haa­se (LV Erz­ge­bir­ge) hat das Fi­na­le über 200 Me­ter da­ge­gen ver­passt.

Der­weil hat sich die La­ge nach den Aus­brü­chen von Ma­gen-Darm- Er­kran­kun­gen im Te­am­ho­tel der deut­schen Ath­le­ten et­was ent­spannt. „Im Mo­ment ha­ben wir kei­nen neu­en Fall“, sag­te Mann­schafts­arzt And­rew Lich­ten­thal. Nur noch ein Sport­ler sei we­gen der An­ste­ckungs­ge­fahr in der 48-St­un­denQua­ran­tä­ne. Et­wa 40 Men­schen sind der­zeit bei der WM da­von be­trof­fen. sid

JUBELSCHREI: Ra­mil Gu­liyev fei­ert das ers­te Gold für die Tür­kei bei ei­ner WM.

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