Ei­ne saf­ti­ge Ohr­fei­ge für Saf­tig

Als die Pforz­hei­mer Ama­teu­re den VfL Bochum aus dem DFB-Po­kal war­fen

Pforzheimer Kurier - - SPORT -

Wenn Fuß­ball-Ober­li­gist FC Nöt­tin­gen am Sonn­tag (15.30 Uhr) im Karls­ru­her Wild­park­sta­di­on beim DFB-Po­kal­match ge­gen Zweit­li­gist VfL Bochum wie­der ein­mal vor ei­ner epo­cha­len Groß­auf­ga­be in sei­ner 60-jäh­ri­gen Ver­eins­his­to­rie steht, so wer­den Er­in­ne­run­gen an Auf­se­hen er­re­gen­de Mat­ches wach, in de­nen die „Li­la­hem­den“aus Rem­chin­gen be­reits in ver­gan­ge­nen Jah­ren ge­gen re­nom­mier­te Clubs wie FC Bay­ern Mün­chen, Han­no­ver 96 oder FC Schal­ke 04 beim na­tio­na­len Cup-Wett­be­werb ins Ram­pen­licht tra­ten. Mit dem Na­men des künf­ti­gen Kon­tra­hen­ten VfL Bochum ver­bin­den Fuß­ball­fans der hie­si­gen Re­gi­on frei­lich eben­so ein Sch­man­kerl, das der sei­ner­zeit noch be­ste­hen­de Ober­li­gist 1. FC Pforz­heim am 23. Sep­tem­ber 1989 im Bröt­zin­ger Tal zu bie­ten hat­te: Vor 5 500 be­geis­ter­ten Be­su­chern ke­gel­te der von Trai­ner „Bob­by“Jo­va­nic trai­nier­te, füh­ren­de Ama­teur­club im Länd­le die sei­ner­zeit in der deut­schen Eli­te­li­ga spie­len­den West­fa­len als kras­ser Au­ßen­sei­ter per 1:0-Tri­umph aus dem Po­kal­ren­nen. Jürgen Pfirr­mann hieß der um­ju­bel­te Tor­schüt­ze der Haus­her­ren, wel­cher VfL-Kee­per Ralf Zum­dick in der 76. Mi­nu­te mit dem ent­schei­den­den Ein­schuss über­wand.

„Das Er­rei­chen der nächs­ten Run­de ist für uns Pflicht“, hat­te Boch­ums Coach Rein­hard Saf­tig vor dem miss­glück­ten Auf­tritt an der Enz für sei­ne Trup­pe ge­for­dert. Als der da­ma­li­ge Bun­des­li­gist frei­lich nach 90 Mi­nu­ten in ei­ne Bla­ma­ge ge­tau­melt war, kam zu­gleich das Aus für Saf­tig: Der VfL-Trai­ner wur­de we­nig spä­ter sei­nes Am­tes ent­ho­ben. Als „Bochu­mer Of­fen­ba­rungs­eid“hat­te die „Süd­deut­sche Zei­tung“die Vor­stel­lung der West­fa­len be­zeich­net, die sich in der „Al­ten Müh­le“in Neu­en­bürg auf die ver­meint­li­che Pflicht­auf­ga­be ge­gen den „Club“vor­be­rei­tet hat­ten. Und „Bild“ woll­te gar er­kannt ha­ben: „Bochum wur­de in Pforz­heim aus­ge­lacht“.

Die Ent­schei­dung am 23. Sep­tem­ber 1989 lei­te­te Pforz­heims An­grei­fer Wolf­gang Fi­sel ein, der Boch­ums Li­be­ro Gerrit Plomp die Ku­gel weg­schnapp­te, da­nach sei­nem Te­am­ge­fähr­ten Jürgen Pfirr­mann auf­leg­te, der aus et­wa zehn Me­tern den Knock-out des Bun­des­li­gis­ten be­sorg­te. Nach dem Ab­pfiff stürm­ten zahl­rei­che be­geis­ter­te Fans aufs Spiel­feld. „Ich ha­be noch nie so vie­le Knob­lauch­küs­se be­kom­men“, re­flek­tier­te der Tor­schüt­ze. Die Pro­mi­nenz auf der Tri­bü­ne war eben­so hin­ge­ris­sen von der his­to­ri­schen Groß­tat der Pforz­hei­mer Ama­teu­re. „Ich bin be­geis­tert von der gro­ßen kämp­fe­ri­schen Ein­stel­lung Pforz­heims“, lob­te Staats­mi­nis­ter Lutz Sta­ven­ha­gen (CDU) sei­ne Elf, der­weil SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter Wolf­gang Roth von sich gab: „Der FCP ver­kör­per­te ei­ne un­glaub­lich mo­ti­vier­te Mann­schaft.“

Be­son­de­re fuß­bal­le­ri­sche Ak­tiv­pos­ten des da­ma­li­gen Sie­gers wa­ren ein – kürz­lich ver­stor­be­ner – Kee­per Ro­ger Es­sig so­wie Mann­de­cker Ema­nu­el Gün­ther, der Boch­ums Go­al­get­ter Uwe Lei­feld eng an die Ket­te leg­te, so­wie die Treff­si­cher­heit des Pfäl­zers Pfirr­mann bei der ent­schei­den­den Ak­ti­on. Vor der Po­kal­sen­sa­ti­on hat­te der „Club“noch ei­ne 2:3-Nie­der­la­ge im Punk­te­ren­nen ge­gen den VfR Mann­heim kas­siert. Dass sich her­nach die Aus­spra­che der Ki­cker – oh­ne Trai­ner Jo­va­nic – aus­zahl­te, be­wies die über­zeu­gen­de Leis­tung vor 5 500 Zu­schau­ern. Ein ent­täusch­ter Gäs­te­coach Saf­tig in­des be­fand al­lein die Vor­stel­lung sei­nes Ab­wehr­re­cken Rob Ree­kers für taug­lich an je­nem schwar­zen Tag des VfL Bochum.

Für den 1. FC Pforz­heim be­deu­te­te da­nach in­des­sen die Ach­tel­fi­nal-Par­tie am 11. No­vem­ber ge­gen Fortuna Düs­sel­dorf die End­sta­ti­on im DFB-Po­kal, als er mit 1:3 un­ter­lag. Ger­not Ot­to

Drei Hau­de­gen er­in­nern sich an Tri­umph

Wim­pel­tausch vor der Par­tie vor­nahm. Im Match selbst hat­te denn Gäs­te-Go­al­get­ter Lei­feld ge­gen den re­ak­ti­vier­ten Gün­ther nichts zu be­stel­len. „Das Ri­si­ko, dass ich wie­der ein­ge­stie­gen bin, hat sich be­zahlt ge­macht“, re­sü­mier­te ExPro­fi Gün­ther, der zu­vor beim Karls­ru­her SC als ge­fürch­te­ter Tor­jä­ger ge­glänzt hat­te.

Ei­ne per­so­ni­fi­zier­te Ver­bin­dung von Fuß­ball-Pforz­heim zu Bochum stell­te nach dem Po­kal­match von 1989 auch noch der einst bis 1988 im Bröt­zin­ger Tal ak­tiv ge­we­se­ne Di­mi­tri­os Mou­tas her, der 1992/93 bei den West­fa­len ak­tiv war. VfL-Ma­na­ger Klaus Hil­pert in­des­sen hat­te den Grie­chen in ei­ner Plau­der­stun­de 1993 auf dem Bil­fin­ger Schal­ken­berg ab­wer­tend als „Sen­si­bel­chen“be­zeich­net.

Frank Misztl wie­der­um, der 1989 mit Gün­ther die In­nen­ver­tei­di­gung beim sieg­rei­chen FCP bil­de­te, traf vor zwei Wo­chen in Bochum an­läss­lich ei­ner A-Li­zenz-Trai­ner-Fort­bil­dungs­maß­nah­me un­ter an­de­rem solch pro­mi­nen­te Hau­de­gen wie Her­mann Ger­land, Horst Hru­besch und Ralf Rang­nick. go

BE­GEIS­TER­TE FANS stürm­ten nach dem über­ra­schen­den 1:0-Sieg ge­gen den VfL Bochum den Platz in Pforz­heim. Tor­wart Ro­ger Es­sig war ei­ner der um­ju­bel­ten Po­kal­hel­den. Fo­to: Archiv Pforz­hei­mer Ku­ri­er

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.