„Das al­les tut mir leid“

Ehe­ma­li­ge Stadt­spit­ze äu­ßert sich im De­ri­va­te-Pro­zess

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Ca­ro­lin Frey­tag

Es reg­net in Strö­men am zwei­ten Ver­hand­lungs­tag des De­ri­va­te-Pro­zes­ses. Der dun­kel­graue Him­mel passt zur Stim­mung im Saal des Mann­hei­mer Land­ge­richts. Mit Schirm, da­für dies­mal oh­ne Ka­me­ras, sind die An­ge­klag­ten und ih­re An­wäl­te hier an­ge­kom­men. Am Di­ens­tag muss­ten sich die ehe­ma­li­ge Ober­bür­ger­meis­te­rin Chris­tel Au­gen­stein, ih­re da­ma­li­ge Käm­me­rin Su­san­ne Weis­haar so­wie de­ren Stell­ver­tre­ter Konrad We­ber und die bei­den Mit­ar­bei­ter von J.P. Mor­gan die Vor­wür­fe der Staats­an­walt­schaft an­hö­ren. Ges­tern ka­men sie nun selbst zu Wort.

Mit Un­treue oder Bei­hil­fe zu die­ser will nie­mand et­was zu tun ha­ben. Weis­haar schil­dert, wie sie bei ih­rem Amts­an­tritt mit mil­lio­nen­schwe­ren Ge­wer­be­steu­er­ein­brü­chen kon­fron­tiert war. Die Zins­last der Stadt sei hoch ge­we­sen. „Die Stadt­käm­me­rei soll Kre­di­te best­mög­lich be­wirt­schaf­ten“, er­klärt Weis­haar. Das ha­be sie mit den De­ri­va­ten tun wol­len. „Der Ge­mein­de­rat ist re­gel­mä­ßig in­for­miert wor­den“, ver­si­chert sie, er­klärt aber auch, dass es da­bei vor al­lem um die Ent­wick­lung der Zins­zah­lun­gen der Stadt ging, we­ni­ger um den Markt­wert der De­ri­va­te. „Bei ei­nem Fuß­ball­spie­ler geht es ja auch nur beim Kauf oder Ver­kauf um den Preis. An­sons­ten ist vor al­lem wich­tig, was er leis­tet“, sagt Weis­haar. Rich­ter Andre­as Lin­den­thal brach­te das zum Schmun­zeln: „Mit dem Bild ren­nen sie bei mir of­fe­ne Tü­ren ein, da kom­men wir noch mal drauf zu­rück.“Der Ge­mein­de­prüf­an­stalt warf Weis­haar vor, falsch ge­rech­net zu ha­ben. Nur so sei man dort zu dem Er­geb­nis ge­kom­men, es han­de­le sich um ver­bo­te­ne Spe­ku­la­ti­on. „Die Zeit lässt sich lei­der nicht zu­rück­dre­hen. Heu­te wünsch­te ich, ich hät­te die­ses Tä­tig­keits­feld um­gan­gen. Das Er­mitt­lungs­ver­fah­ren hat un­ser al­ler Le­ben lan­ge und schwer be­las­tet“, be­en­det die ehe­ma­li­ge Käm­me­rin ih­re Aus­sa­ge.

Auch Au­gen­stein er­klärt an­schlie­ßend, es sei bei all­dem nur dar­um ge­gan­gen, der de­so­la­ten Haus­halts­la­ge Herr zu wer­den. Nie ha­be sie Pforz­heim ei­nen Scha­den zu­fü­gen wol­len. „Ich ha­be die Käm­me­rei da­mals be­voll­mäch­tigt, selbst über die Zins­op­ti­mie­run­gen zu ent­schei­den“, sagt Au­gen­stein. „Mir selbst fehl­te das fi­nanz­tech­ni­sche Fach­wis­sen.“Der Käm­me­rei ha­be sie stets ver­traut. Zum Schluss wol­le sie aber noch an­mer­ken: „Die De­ri­va­te wur­den 2010 gan­ze sie­ben Jah­re vor ih­rer ei­gent­li­chen Fäl­lig­keit ab­ge­löst.“Am ers­ten Ver­hand­lungs­tag hat­te Au­gen­steins Ver­tei­di­ger Wolf­gang Ku­bi­cki dem spä­te­ren Ober­bür­ger­meis­ter Gert Ha­ger vor­ge­wor­fen, über­stürzt ge­han­delt zu ha­ben.

Weis­haars frü­he­rer Stell­ver­tre­ter We­ber sagt aus, er ha­be bei vie­lem zu­ge­ar­bei­tet, sei aber oft selbst nicht aus­rei­chend in­for­miert wor­den. Beim Kauf der De­ri­va­te von der Deut­schen Bank sei er et­wa gar nicht be­tei­ligt ge­we­sen. Den De­ri­va­te-Käu­fen ha­be er be­reits am An­fang skep­tisch ge­gen­über ge­stan­den. „Die Ver­zin­sung der städ­ti­schen Kre­di­te war mei­ner Mei­nung nach da­mals recht güns­tig“, er­klärt We­ber. „Frau Weis­haar sah das an­ders. Auf­grund ih­rer Kom­pe­tenz und Qua­li­fi­ka­ti­on hat­te ich dar­an kei­nen Zwei­fel.“Das al­les tue ihm Leid. „Ich selbst wä­re da­mals aber gar nicht in der La­ge ge­we­sen, et­was zu ver­än­dern“, sagt We­ber. Süd­west­echo

UM DIE AUS­SA­GEN DER AN­GE­KLAG­TEN dreh­te sich ges­tern der zwei­te Ver­hand­lungs­tag am Mann­hei­mer Land­ge­richt im Straf­ver­fah­ren nach dem De­ri­va­te-Skan­dal. Fo­to: Roth

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