16 Zy­lin­der-Mo­tor ist das Herz der An­la­ge

Bio-Heiz­kraft­werk ges­tern in Be­trieb ge­nom­men

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Jürgen Pe­che

Im Som­mer, ge­nau­er in den Mo­na­ten Mai bis Sep­tem­ber, ist im Heiz­kraft­werk (HKW) nur ei­ne An­la­ge zur Her­stel­lung von Fern­wär­me in Be­trieb – das reicht, weil in die­ser Zeit fast nur Warm­was­ser ge­fragt ist. Al­so läuft der­zeit nur das Bio­mas­se-Heiz­kraft­werk, das ne­ben Wär­me auch rund 100 Mil­lio­nen Ki­lo­watt­stun­den Strom im Jahr lie­fert. „Hoch­sub­ven­tio­nier­ten Strom“, wie HKW-Ge­schäfts­füh­rer Mar­tin Seitz er­klärt, und des­halb zu scha­de, um zehn Pro­zent da­von für den Ei­gen­be­darf des HKW zu nut­zen. Al­so hat der Auf­sichts­rat im Ok­to­ber 2016 be­schlos­sen, ein Block­heiz­kraft­werk (BHKW)für 1,5 Mil­lio­nen Eu­ro an­zu­schaf­fen, das un­ter an­de­rem die­sen Ei­gen­be­darf deckt, um den güns­ti­gen Bio­mas­se-Strom zu 100 Pro­zent zu ver­kau­fen.

Das BHKW wur­de ges­tern ein­ge­weiht und fei­er­lich in Be­trieb ge­nom­men. Um die ge­kap­sel­te und ge­kühl­te An­la­ge ver­sam­mel­ten sich da­zu ne­ben Seitz un­ter an­de­rem SWP-Ge­schäfts­füh­rer Thomas En­gel­hard, Ers­ter Bür­ger­meis­ter und HKW-Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­der Dirk Bü­scher, so­wie die Auf­sichts­rä­te Hel­ge Hut­ma­cher und Wolf­gang Schulz zu Füh­rung und an­schlie­ßen­dem Im­biss. Kern­stück der An­la­ge, die mit­ten im HKW an­stel­le der al­ten Dampf­tur­bi­ne von 1969 auf­ge­baut wur­de, ist ein erd­gas­be­trie­be­ner 16-Zy­lin­der-Mo­tor mit et­wa zwei Me­ga­watt Leis­tung.

Ne­ben der Ei­gen­strom­ver­sor­gung im Som­mer dient der Mo­tor, den die ame­ri­ka­ni­sche Fir­ma Ca­ter­pil­lar lie­fer­te, im Win­ter zur Ab­de­ckung von Wär­me­spit­zen und als Aus­fall­re­ser­ve. Der 2 600 PS star­ke Gas­mo­tor gilt als mo­derns­te An­la­ge sei­ner Art und be­dient sich ei­ner Ab­gas­rei­ni­gung, ähn­lich der ei­nes mo­der­nen Die­sel­mo­tors. Die­ser „SCR-Ka­ta­ly­sa­tor“soll die Stick­oxi­de aus dem Rauch­gas ent­fer­nen, in dem Harn­stoff ein­ge­düst wird, der das NOx zu harm­lo­sem Was­ser­dampf und Stick­stoff auf­spal­tet. „Mit die­ser Rei­ni­gungs­an­la­ge hal­ten wir lo­cker den erst am 2018 gül­ti­gen Grenz­wert von 100 Mil­li­gramm NOx pro Ku­bik­me­ter Luft ein“, be­ton­te Mar­tin Seitz.

Ers­ter Bür­ger­meis­ter Dirk Bü­scher äu­ßer­te sich bei der Ein­wei­hung sehr po­si­tiv über die neue An­la­ge: „Das Ei­gen­strom-BHKW ar­bei­tet nach dem mo­derns­ten Stan­dard, der über die kon­ven­tio­nell ein­ge­setz­te Tech­nik weit hin­aus­geht“, sag­te er.

Da­mit er­fül­le sie be­reits jetzt die künf­ti­gen Emis­si­ons­grenz­wer­te der TA Luft.

„Pforz­heim Vor­rei­ter für Öko­lo­gie und Kli­ma­schutz“

„Pforz­heim ist wie­der ein­mal Vor­rei­ter für Öko­lo­gie und Kli­ma­schutz“, stell­te Bü­scher her­aus. Als es dann dar­um ging, das BHKW in Be­trieb zu neh­men, klapp­te es nicht gleich: Bü­scher drück­te hef­tig den Start­knopf, oh­ne Er­folg. „Vor­führef­fekt“kom­men­tier­te Seitz. Doch we­nig spä­ter lief sie schließ­lich an, die 2600 PS star­ke Ma­schi­ne mit AdBlue-Rei­ni­gung – die na­tür­lich rund um die Uhr für sau­be­re Ab­luft sorgt, ne­ben Strom und Wär­me.

DAS NEUE BLOCK­HEIZ­KRAFT­WERK zur Ei­gen­strom­ver­sor­gung er­klärt Mar­tin Seitz (Zwei­ter von rechts) den Be­su­chern. Es wur­de ges­tern in Be­trieb ge­nom­men. Fo­to: Pe­che

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