„Schmu­ckel­heim“zum Glän­zen ge­bracht

150 Kin­der ge­stal­te­ten ih­re Stadt in der Stadt

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Ina Zan­tow

Der Kin­der­spiel­stadt droht das Aus. Ein ge­heim­nis­vol­ler In­ves­tor will das Ge­län­de kau­fen und in ei­ne Müll­ver­bren­nungs­an­la­ge um­wan­deln. Der Ge­mein­de­rat hat ein­stim­mig be­schlos­sen, die Be­woh­ner von „Schmu­ckel­heim“bei ei­ner Bür­ger­ver­samm­lung, die am gest­ri­gen Tag statt­fand, auf den ak­tu­el­len In­for­ma­ti­ons­stand zu brin­gen. Bür­ger­meis­ter Le­on Mey­er mach­te ei­ne kla­re An­sa­ge: „Ich stim­me nicht zu!“

Die vom Stadt­ju­gend­ring (SJR) ge­tra­ge­ne zwei­wö­chi­ge Fe­ri­en­ak­ti­on en­det am heu­ti­gen Tag. 150 Kin­der im Al­ter von sechs bis 13 Jah­ren ge­stal­te­ten ih­re ei­ge­ne Stadt, ganz im Sin­ne des Pforz­hei­mer Ju­bi­lä­ums­jah­res. Je­doch als Müll­ver­bren­nungs­an­la­ge wol­len die Be­woh­ner ih­re Stadt nicht zu­rück­las­sen.

Dies geht deut­lich aus dem Brief her­vor, den Bür­ger­meis­ter Mey­er ei­gen­hän­dig ge­schrie­ben und sei­nen Bür­gern vor­ge­le­sen hat. Hie­rin äu­ßert er sich ne­ga­tiv über­rascht über das Vor­ha­ben ei­nes omi­nö­sen Herrn na­mens Zieg­ler. Die­sen bit­tet er, sich schnellst­mög­lich im Rat­haus zu mel­den, wo man ihm ei­ne Stadt­füh­rung vor­schla­gen will. „Wir wol­len Herrn Zieg­ler be­wei­sen, wie wohl wir uns al­le in Schmu­ckel­heim füh­len“, be­ton­te Mey­er und spricht von ei­ner Lie­bes­er­klä­rung der Bür­ger und Be­treu­er an ih­re Stadt.

So ha­ben sich 158 Bür­ger und Be­treu­er an ei­ner Un­ter­schrif­ten­samm­lung be­tei­ligt, die ei­gent­lich Be­weis ge­nug sein soll­te. Denn wo lässt es sich bes­ser Le­ben als in ei­ner Stadt, in der je­der­mann krea­tiv tä­tig sein darf, sich wei­ter­ent­wi­ckeln kann und noch da­zu Spaß hat. Aber um­sonst ge­be es nichts, weiß Mey­er. Ar­bei­ten müs­se je­der und es sei auch toll, dass je­der bei uns schaf­fen kann. Bei­spiels­wei­se in der Schmuck­in­dus­trie, im Mu­se­um, im Me­dien­be­reich oder in der Spar­kas­se.

In ins­ge­samt 25 Be­rei­chen brach­ten sich die Kin­der schöp­fe­risch ein, wo­bei das The­ma Schmuck vor­ran­gig war. Es wur­den Edel­stei­ne ge­schürft, Mün­zen ge­an­gelt, Ket­ten und Rin­ge her­ge­stellt oder Fos­si­li­en frei­ge­klopft.

Das Pro­jekt star­te­te als „Puz­zle­heim“im Jahr 2006. Die dies­jäh­ri­ge Ak­ti­on sei ei­ne Prä­mie­re, sa­gen Ide­en­ge­ber Ro­bin Schnei­der vom Stadt­ju­gend­ring und Mu­se­ums­lei­te­rin Cor­ne­lie Holz­ach. Man ha­be das Kon­zept re­du­zie­ren und es auf die Rä­um­lich­kei­ten des Schmuck­mu­se­ums im Reuch­lin­haus an­pas­sen müs­sen, aber die Mü­hen wa­ren al­ler Eh­ren wert. „So vie­le ge­schäf­ti­ge Kin­der im Haus zu ha­ben ist ein­fach wun­der­schön“, freut sich Holz­ach, die mit ih­rem Team Mu­se­um ein­mal et­was ganz an­de­res mög­lich ge­macht hat. Ent­spre­chend po­si­tiv kam „Schmu­ckel­heim“auch bei Be­su­chern an, die ein­fach nur das Mu­se­um ge­nie­ßen woll­ten. Dass sie dar­über hin­aus von ei­nem Bür­ger­meis­ter will­kom­men ge­hei­ßen und zu ei­ner Stadt­füh­rung ein­ge­la­den wur­den, mag dem ei­nen oder an­de­ren noch lan­ge in Er­in­ne­rung blei­ben.

Die klei­nen Stadt­füh­rer selbst hat­ten je­den­falls in ins­ge­samt 200 Füh­run­gen so man­ches In­ter­es­san­te zu be­rich­ten und zu zei­gen.

Klei­ne Stadt­füh­rer wir­beln durchs Schmuck­mu­se­um

AN DER SAFTBAR in „Schmu­ckel­heim“konn­ten sich die Ar­beit­neh­mer der Kin­der­stadt bei ei­ner Er­fri­schung stär­ken. Fo­to: Wa­cker

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.