Tä­ter ver­gießt reich­lich Trä­nen

Raub­über­fall en­det für 28-Jäh­ri­gen mit Haft­stra­fe / Gu­te So­zi­al­pro­gno­se

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Achim Kei­per

Zu ei­ner Haft­stra­fe von ei­nem Jahr und acht Mo­na­ten ist ein 28-Jäh­ri­ger ver­ur­teilt wor­den, der an ei­nem Raub­über­fall be­tei­ligt war.

Ges­tern wur­de der knapp zwei Jah­re zu­rück­lie­gen­de Raub­über­fall am Pforz­hei­mer Amts­ge­richt ver­han­delt. Dem 28-jäh­ri­gen An­ge­klag­ten wur­de zur Last ge­legt, im Ok­to­ber 2015 ge­mein­sam mit ei­nem Be­kann­ten im al­ko­ho­li­sier­ten Zu­stand ei­nen Mann in ei­ne Un­ter­füh­rung na­he der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr Bröt­zin­gen ge­lotst und die­sen dort be­droht, ge­nö­tigt, und aus­ge­raubt zu ha­ben. Mut­maß­li­cher Haupt­tä­ter war der Be­kann­te, der we­gen sei­nes ei­ge­nen Ver­fah­rens die Aus­sa­ge ver­wei­ger­te.

Das ge­sam­te Vor­stra­fen-Re­gis­ter zu le­sen, wä­re zu um­fang­reich ge­we­sen. Al­lein aus elf ver­schie­de­nen Sach­be­schä­di­gun­gen wird der­zeit ge­gen den bis En­de nächs­ten Jah­res in Bruch­sal Ein­sit­zen­den voll­streckt, drei wei­te­re ste­hen noch aus, hin­zu kom­men Vor­fäl­le in de­nen der An­ge­klag­te zu­ge­schla­gen hat­te.

Op­fer und Tä­ter kann­ten sich. Es sei um ei­ne Miet­schuld in Hö­he von 200 Eu­ro ge­gen­über dem Haupt­tä­ter ge­gan­gen, so Staats­an­walt Phil­ipp Karl. Der Be­kann­te ha­be das Op­fer ge­zwun­gen, sich an die Wand zu stel­len und die­ses an­schlie­ßend durch­sucht. Als Pfand für die Miet­schuld, so Karl, hät­te er ein Han­dy, ei­ne Do­se Pfef­fer­spray und ein Feu­er­zeug an sich ge­nom­men.

Letz­te­re bei­den Ge­gen­stän­de ha­be der da­ne­ben ste­hen­de An­ge­klag­te für sich be­an­sprucht so­wie zu­sätz­li­che 50 Eu­ro, die zu­sam­men mit dem rest­li­chen Geld ei­ne Wo­che spä­ter zur glei­chen Zeit zum glei­chen Ort ge­bracht wer­den soll­ten. Zu die­sem Tref­fen kam es nicht, statt­des­sen wand­te das Op­fer sich an die Po­li­zei.

Rich­ter Oli­ver Weik ließ nicht zu, dass al­le Schuld dem Haupt­tä­ter an­ge­las­tet wer­den soll­te: „Spä­tes­tens als Sie das Feu­er­zeug und das Pfef­fer­spray ein­steck­ten, wa­ren Sie mit­ten drin und da­bei“. Ins­be­son­de­re aber die For­de­rung nach 50 Eu­ro lie­ße dem An­ge­klag­ten ei­ne be­trächt­li­che Mit-Schuld zu­wach­sen, sag­te Karl.

Auch die Do­se Pfef­fer­spray als Waf­fe in sei­ner Hand wür­de laut Staats­an­walt ei­nen min­der­schwe­ren Fall aus­schlie­ßen: Er for­der­te drei Jah­re Haft. Für ei­ne gu­te Pro­gno­se sprach, dass die ver­han­del­te Tat die letz­te des An­ge­klag­ten ge­blie­ben ist. Sein letz­ter Ar­beit­ge­ber, so Rechts­an­wäl­tin Jo­han­na Mai­er, wür­de ihn um­ge­hend wie­der ein­stel­len, vor­aus­ge­setzt das Al­ko­hol-Pro­blem sei ge­löst.

Das mit der Ge­walt ha­be er in­zwi­schen „teil­wei­se“im Griff, so der An­ge­klag­te auf den von Rich­ter Weik mehr­fach vor­ge­brach­ten The­ra­pie-Vor­schlag. Al­ko­hol sei seit der Tat kein Pro­blem mehr, vor al­lem aber wür­den sei­ne jüngs­ten fa­mi­liä­ren Um­stän­de ei­nen Rück­fall aus­schlie­ßen.

Mit im Saal: Die Freun­din des De­lin­quen­ten. Hoch­schwan­ger, En­de Sep­tem­ber soll das Er­eig­nis statt­fin­den. Sie hält zu dem An­ge­klag­ten, will auf ihn war­ten. Reich­lich Trä­nen flos­sen von Sei­ten des wer­den­den Va­ters an­ge­sichts der Aus­sicht, ei­nen Teil der Ent­wick­lung sei­nes Nach­wuch­ses nicht mit­er­le­ben zu dür­fen.

Die Fra­ge, ob min­der­schwer oder nicht, ent­schied das Ge­richt zu­guns­ten des An­ge­klag­ten. Das Pfef­fer­spray sei nicht wirk­lich als Waf­fe zu wer­ten, da es ihm eher zu­fäl­lig in die Hän­de ge­ra­ten war, auch hät­te es sich nicht um ei­ne ge­plan­te, son­dern um ei­ne spon­ta­ne Tat ge­han­delt.

„Sie wa­ren mit­ten­drin und da­bei“

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