Ge­frag­ter Mann auf dem Fuß­ball­platz

Aus Sy­ri­en stam­men­der Leh­rer Mo­ham­mad Diab hilft bei Gold­ader Som­mer­camp

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM -

Es gibt kür­ze­re Ar­beits­we­ge als den vom Mühl­acker Orts­teil Lo­mers­heim auf den Pforz­hei­mer Bu­cken­berg. Dies gilt um­so mehr, wenn man die Stre­cke mit öf­fent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln zu­rück­le­gen muss. Um sei­nem Eh­ren­amt als Hel­fer im „Gold­ader Som­mer Camp“nach­zu­ge­hen, ist Mo­ham­mad Diab je­doch kein Weg zu weit.

Diab, der im No­vem­ber 2015 als sy­ri­scher Flücht­ling nach Deutsch­land ge­kom­men ist, ist ei­ner von vier Prak­ti­kan­ten im Camp und un­ter­stützt tat­kräf­tig die zehn haupt­amt­li­chen päd­ago­gi­schen Kräf­te. „In Sy­ri­en ha­be ich vier Jah­re lang Li­te­ra­tur­wis­sen­schaf­ten stu­diert und da­nach als Leh­rer ge­ar­bei­tet“, er­zählt der 27-Jäh­ri­ge in sehr gu­tem Deutsch.

Die Mitarbeit im Gold­ader Camp und der Kon­takt zu den 45 Kin­dern aus zehn Na­tio­nen ma­che ihm viel Spaß: „Ich ler­ne hier wich­ti­ge deut­sche Be­grif­fe, die mir im spä­te­ren Be­rufs­le­ben wei­ter­hel­fen wer­den. Gleich­zei­tig kann ich un­ter­stüt­zen, wenn bei Ge­sprä­chen mit El­tern ein Über­set­zer be­nö­tigt wird.“Zu­dem spie­le er viel mit den Kin­dern und sei ein ge­frag­ter Part­ner auf dem Fuß­ball­platz.

Zu sei­nem Eh­ren­amt kam Mo­ham­mad Diab über die Ver­mitt­lung der Frei­wil­li­genagen­tur Mühl­acker/Öst­li­cher Enz­kreis (FRAG), die un­ter der Trä­ger­schaft des Ver­eins „mit­ein­an­der­le­ben“steht. „Herrn Diab war es wich­tig, zu­sätz­lich zu sei­nen Sprach­kur­sen im prak­ti­schen Ar­beits­all­tag Deutsch zu ler­nen“, be­rich­tet Syl­via Schwarz-Her­big von der FRAG.

„Für mich ist er ein In­be­griff ge­lun­ge­ner In­te­gra­ti­on.“Zu­dem sei Diab ein Bei­spiel für ihr An­lie­gen, eh­ren­amt­li­ches En­ga­ge­ment zu­neh­mend auch in der Ziel­grup­pe der Flücht­lin­ge und bei jün­ge­ren Men­schen zu eta­blie­ren. Dass ein sol­cher Ein­satz sich aus­zahlt, ver­deut­li­chen Hu­bert und Ga­bi Theil­mann vom Gold­ader Camp: „Herr Diab ist als aus­ge­bil­de­ter Leh­rer ei­ne ech­te Be­rei­che­rung für uns. Er hat ei­nen tol­len Um­gang mit den Kin­dern und strahlt Er­fah­rung und Si­cher­heit aus.“

Cam­plei­te­rin Ul­ri­ke Ger­weck wür­de sich wün­schen, „dass sol­che Ju­we­len wie Herr Diab schon frü­her im nor­ma­len Schul­un­ter­richt ein­ge­setzt wer­den kön­nen.“

Bis­lang sei­en die bü­ro­kra­ti­schen Hür­den hier­für sehr hoch. Sei­nen Traum auf ei­ne sei­ner Aus­bil­dung ent­spre­chen­de Tä­tig­keit in Deutsch­land möch­te Mo­ham­mad Diab so schnell nicht auf­ge­ben; „Ich hof­fe, dass ich ir­gend­wann ein­mal als Leh­rer oder in so­zia­len Be­reich ar­bei­ten kann.“

Brit­ta Bi­sch­off i Kon­takt Frei­wil­li­genagen­tur Pforz­heim-Enz­kreis, www.frag-pf-enz­kreis.de

„Ein In­be­griff ge­lun­ge­ner In­te­gra­ti­on“

BEIM GOLD­ADER SOM­MER­CAMP en­ga­giert sich der aus Sy­ri­en stam­men­de Leh­rer Mo­ham­mad Diab eh­ren­amt­lich (hin­te­re Rei­he, Zwei­ter von links). Für die Teil­neh­mer des Camps ist er ein ge­frag­ter Fuß­ball­part­ner. Das Fo­to zeigt ihn mit Da­vid, Fab­jan, Amir, Mi­ra­cle, Nai­ma (hin­te­re Rei­he von links) so­wie Re­za, Bushra und Ya­zan (vor­ne, von links). Fo­to: Bi­sch­off

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