Erst muss Gut­ach­ten her

Ge­richt ver­tagt Ent­schei­dung über jun­gen An­ge­klag­ten

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM -

vie. We­gen räu­be­ri­scher Er­pres­sung soll­te sich ges­tern ein jun­ger Mann vor dem Schöf­fen­ge­richt ver­ant­wor­ten. Aber zu ei­ner Ver­hand­lung im ei­gent­li­chen Sin­ne kam es gar nicht. Ei­ne knap­pe St­un­de nach dem of­fi­zi­el­len Ver­hand­lungs­be­ginn und Be­spre­chun­gen hin­ter ver­schlos­se­nen Tü­ren wa­ren die Rich­ter un­ter Vor­sitz von Amts­ge­richts­di­rek­tor Oli­ver Weik, Staats­an­walt Karl­heinz Karl und Ver­tei­di­ger Ma­thi­as Bürck­le zu dem Schluss ge­kom­men, dass man ein Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten be­nö­tigt. Denn der jun­ge Mann, der jetzt in der Un­ter­su­chungs­haft ge­pflegt und be­herrscht wirk­te, hat­te zur Tat­zeit er­heb­li­che Men­gen an Al­ko­hol kon­su­miert.

Er­in­nern konn­te er sich an die Nacht je­doch durch­aus, wie er sag­te: In ei­nem Ho­tel ha­be er ein we­nig jon­gliert, ant­wor­te­te er auf die Fra­ge des Vor­sit­zen­den. Dann ha­be er Durst ge­habt und an ei­ner Tür ge­klopft. Fest ge­klopft. Als ihm auf­ge­macht wur­de, ha­be er um ei­ne Fla­sche Bier ge­be­ten, die er auch be­kom­men ha­be.

„Sie wis­sen schon, dass der Zeu­ge ei­ne an­de­re Er­in­ne­rung hat?“be­zwei­fel­te Rich­ter Weik die Darstel­lung et­was. Der jun­ge Mann zuck­te die Ach­seln.

Vor dem Schöf­fen­ge­richt geht es vor­nehm­lich um die Fra­ge, ob der An­ge­klag­te in ei­ne Ent­zie­hungs­kli­nik ein­ge­wie­sen wer­den muss. Ei­ne Maß­nah­me, die die­sem sicht­lich un­recht war. Ei­ne Ent­schei­dung nach Pa­ra­graph 35 sei ihm lie­ber, mein­te er. Die­ser Pa­ra­graph be­sagt ei­ne Rück­stel­lung der Stra­fe zu­guns­ten ei­ner The­ra­pie. Ei­ne sol­che schlug er, in Rechts­fra­gen of­fen­bar be­schla­gen, vor. Die Ent­schei­dung soll erst nach dem Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten fal­len; sie könn­te sich bis Sep­tem­ber Ok­to­ber hin­zie­hen.

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