Über­le­bens­chan­ce durch Spe­zia­li­sie­rung

Ste­fa­nie See­mann zeigt of­fe­nes Ohr fürs Eh­ren­amt / Mu­se­ums­lei­ter Jeff Klotz regt re­gio­na­le An­lauf­stel­le an

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS -

Rem­chin­gen (zac). Ob Sup­pen­kü­che, Na­tur­freun­de oder Ca­fé Asyl: Auf Ent­de­ckungs­tour durchs Eh­ren­amt in Pforz­heim und im Enz­kreis macht sich zur­zeit die Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Ste­fa­nie See­mann (Grü­nen). Als Zu­stän­di­ge ih­rer Frak­ti­on für den Be­reich Eh­ren­amt will sie im Ge­spräch mit en­ga­gier­ten Bür­ger­bus­fah­rern oder Krebs­hel­fern, Tier­heim­be­treu­ern oder Stadt­füh­rern her­aus­fin­den, wo ih­nen der Schuh drückt und wo sie Un­ter­stüt­zungs­mög­lich­kei­ten durch das Land se­hen. Ges­tern Mor­gen mach­te sie Halt im Rem­chin­ger Rö­mer­mu­se­um, wo sie zwi­schen his­to­ri­schen Gr­ab­fun­den und Ex­po­na­ten der re­gio­na­len Re­li­gi­ons­ge­schich­te den – wohl­ge­merkt eh­ren­amt­li­chen – Mu­se­ums­lei­ter Jeff Klotz traf.

21 000 Be­su­cher und 340 Füh­run­gen al­lein bei der zu­rück­lie­gen­den Son­der­aus­stel­lung „Frau­en im Auf­bruch“, rund 70 Eh­ren­amt­li­che, von de­nen et­wa die Hälf­te au­ßer­halb der Ge­mein­de­gren­zen lebt, und da­zu ein spen­den­freund­li­ches Pu­bli­kum so­wie ei­ne in vie­len Be­rei­chen äu­ßerst hilfs­be­rei­te Kom­mu­ne spre­chen für sich. Und den­noch macht sich Jeff Klotz recht­zei­tig Ge­dan­ken über die mit­tel­fris­ti­ge Zu­kunft des 2009 ge­grün­de­ten Mu­se­ums: „Ei­gent­lich geht es uns blen­dend, aber bei Neu­grün­dun­gen gibt es im­mer ei­ne gro­ße Eu­pho­rie. Vie­le Ar­bei­ten be­schrän­ken sich oft schon auf den har­ten Kern von acht, neun Per­so­nen. Das Team wird äl­ter und jun­ge Ge­sich­ter kom­men eher un­ste­tig.“Schon jetzt ma­che man sich Ge­dan­ken über ei­ne Art Bür­ger­stif­tung für je­nen Tag in zwan­zig, drei­ßig Jah­ren, an dem das Eh­ren­amt viel­leicht nicht mehr so funk­tio­nie­re: „Auch wenn es trau­rig ist, dass sich das Eh­ren­amt Ge­dan­ken ma­chen muss, wie es ir­gend­wann viel­leicht in ein Haupt­amt über­führt wer­den muss.“In der Spe­zia­li­sie­rung sieht Klotz die Über­le­bens­chan­ce auch für die vie­len wei­te­ren Mu­se­en im Um­kreis. So hat er selbst das Rem­chin­ger Mu­se­um ne­ben der all­ge­mei­nen Hei­mat­ge­schich­te ins­be­son­de­re auf die Rö­mer und die Re­li­gi­ons­ge­schich­te aus­ge­rich­tet. Ei­ne sol­che Um­wand­lungs­in­itia­ti­ve müs­se vor Ort statt­fin­den, von Lan­des­ebe­ne sei aber ei­ne Un­ter­stüt­zung bei der Lo­gis­tik und Kon­zept­ent­wick­lung hilf­reich. „Vor al­len Din­gen bräuch­ten wir mehr Zu­sam­men­ar­beit und de­zen­tra­le An­lauf­stel­len, da­mit eh­ren­amt­lich In­ter­es­sier­te über­haupt wis­sen, wo­hin man sich wen­det: Vie­le sit­zen zu Hau­se und wür­den sich ger­ne ein­brin­gen – wenn sie wüss­ten, wo.“Auf das ge­sam­te Eh­ren­amt be­zo­gen kön­ne sich Klotz ei­ne Platt­form pro Land­kreis oder Re­gi­on vor­stel­len, et­wa im Land­rats­amt. Spe­zi­ell im Be­reich der Kul­tur­schaf­fen­den kön­ne ei­ne ge­mein­sa­me Ver­ei­ni­gung den Aus­tausch för­dern und Ko­ope­ra­tio­nen in die We­ge lei­ten. Ei­ne re­gio­na­le Ak­ti­ons­wo­che, bei­spiels­wei­se als Kam­pa­gne vom Land, kön­ne die Viel­falt al­ler Ver­ei­ne so­wie de­ren Be­darf auf­zei­gen und wie­der Lust aufs Eh­ren­amt ma­chen, ist sich Klotz zu­sam­men mit See­mann ei­nig, die mit der Stär­kung des Eh­ren­amts auch an sei­nem so­zia­len Ef­fekt fest­hal­ten will: „Da kom­men Men­schen zu­sam­men, die sich sonst nie be­geg­net wä­ren.“

IM REM­CHIN­GER RÖ­MER­MU­SE­UM sprach die Grü­nen-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Ste­fa­nie See­mann auf ih­rer Som­mer­tour mit Mu­se­ums­lei­ter Jeff Klotz über die Her­aus­for­de­run­gen des Eh­ren­amts. Fo­to: Zach­mann

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