Gab es ei­ne „schwar­ze Kas­se“?

Tier­schutz­ver­ein: Ex-OB Sei­ler ficht Wahl an / Kla­ge­schrift prä­zi­siert „fi­nan­zi­el­le Prak­ti­ken“

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Kirs­ten Et­zold

Beim Tier­schutz­ver­ein Karls­ru­he und Um­ge­bung soll es in den Jah­ren 2011 bis 2015 ei­ne „schwar­ze Kas­se“ge­ge­ben ha­ben. Das er­klärt der ehe­ma­li­ge Karls­ru­her Ober­bür­ger­meis­ter Ger­hard Sei­ler. Seit Jahr­zehn­ten Mit­glied im Tier­schutz­ver­ein, ficht Sei­ler jetzt per Kla­ge beim Amts­ge­richt Karls­ru­he das Er­geb­nis der Vor­stands­wah­len an. Die Ver­eins­vor­sit­zen­de Hein­ke Sa­lisch, Karls­ru­her Ex-Bau­bür­ger­meis­te­rin, war über­ra­schend ab­ge­wählt wor­den, die Schatz­meis­te­rin und de­ren Stell­ver­tre­tung hat­ten dar­auf­hin nicht wie­der kan­di­diert. (Die BNN be­rich­te­ten.)

Be­grün­det wird die An­fech­tung des Wah­l­er­geb­nis­ses mit man­gel­haf­ter Ein­la­dung zur Ver­samm­lung, ekla­tan­ten Feh­lern der Wahl­lei­tung ein­schließ­lich un­kon­trol­lier­ter Aus­ga­be von Wahl­zet­teln so­wie der will­kür­li­chen Zu­las­sung oder Ab­leh­nung von Auf­nah­me­an­trä­gen. Vor al­lem aber legt die Kla­ge­schrift wei­te­re Hin­ter­grün­de dar – „ins­be­son­de­re die fi­nan­zi­el­len und sons­ti­gen Prak­ti­ken von Tei­len des al­ten und des jetzt wie­der im Amt be­find­li­chen Vor­stands“, wie der Ex-OB be­tont.

Was un­ter den „fi­nan­zi­el­len Prak­ti­ken“zu ver­ste­hen ist, prä­zi­sier­te Sei­ler ges­tern ge­gen­über den BNN erst­mals öf­fent­lich so weit: Der ehe­ma­li­ge Lei­ter des Tier­heims ha­be ei­ne „schwar­ze Kas­se“an­ge­legt, und zwar mit Wis­sen ge­ra­de der­je­ni­gen Vor­stands­mit­glie­der, die bei der jüngs­ten Mit­glie­der­ver­samm­lung er­neut in Vor­stands­äm­ter ge­wählt wur­den. Der Vor­sit­zen­den Hein­ke Sa­lisch hin­ge­gen so­wie der Schatz­meis­te­rin und de­ren Stell­ver­tre­tung sei die Exis­tenz die­ser Kas­se erst nach ei­nem Wech­sel in der Bü­ro­lei­tung En­de Ja­nu­ar 2017 be­kannt ge­wor­den, als sich ent­spre­chen­de Un­ter­la­gen ge­fun­den hät­ten, legt der Ex-Ober­bür­ger­meis­ter dar. Ihm zu­fol­ge streb­ten Sa­lisch und die Schatz­meis­te­rin an, die Vor­gän­ge mit­hil­fe ei­ner Schieds­kom­mis­si­on um­fas­send auf­zu­klä­ren. Für den Kom­mis­si­ons­vor­sitz sei er, Sei­ler, vor­ge­se­hen ge­we­sen.

Hei­ke Breh­ler war Mit­te der 1990er Jah­re Schrift­füh­re­rin des Tier­schutz­ver­eins und eh­ren­amt­li­che Hun­de­aus­füh­re­rin. Sie hat als Ver­eins­mit­glied ei­nen „mehr als un­se­riö­sen Ein­druck“von der Mit­glie­der­ver­samm­lung und den Wahl­gän­gen mit­ge­nom­men. Sie sei trotz über­ra­schen­der Ent­wick­lun­gen bei ih­rer Zu­sa­ge ge­blie­ben, als Wahl­hel­fe­rin zur Ver­fü­gung zu ste­hen, be­rich­tet Breh­ler. Die Ver­sam­mel­ten hät­ten nicht er­fah­ren, wel­che Kri­tik­punk­te ge­gen den bis­he­ri­gen Vor­stand vor­lä­gen. Der bis­he­ri­ge Vor­stand sei hin­ge­gen mit gro­ßer Mehr­heit ent­las­tet wor­den, nach­dem die Schatz­meis­te­rin im Re­chen­schafts­be­richt „ak­ten­kun­di­ge Miss­stän­de“an­ge­spro­chen ha­be.

Die In­for­ma­tio­nen, die Sei­ler der­zeit aus der Kla­ge­schrift öf­fent­lich macht, klä­ren längst nicht al­le heik­len Punk­te auf. Im Raum steht et­wa wei­ter, ob sich die „ak­ten­kun­di­gen Miss­stän­de“beim Tier­schutz­ver­ein Karls­ru­he al­lein auf die Exis­tenz ei­ner „schwar­zen Kas­se“bis zum Jahr 2015 be­schrän­ken, ob wei­te­re Miss­stän­de be­ste­hen oder be­stan­den und wel­che Ver­eins­vor­gän­ge ak­tu­ell amt­li­cher Prü­fung un­ter­zo­gen sind.

Die Stadt Karls­ru­he hat­te nach vor­sorg­lich ver­häng­tem, ein­tä­gi­gem Geld­stopp am Mitt­woch ent­schie­den, die mit dem Tier­schutz­ver­ein ver­ein­bar­ten Zah­lun­gen zu leis­ten. Dass die Stadt „im Sin­ne des Tier­wohls die Gel­der wie­der rasch frei­ge­ge­ben hat“, sei sehr zu be­grü­ßen, hieß es ges­tern von der Sei­te der Sa­lisch-Be­für­wor­ter.

„Die Wahr­heit ist ver­steckt, ich kann und will sie nicht auf­klä­ren“, sagt Sei­ler. Sei­ne Wahl­an­fech­tungs­kla­ge rich­te sich „in­di­rekt ge­gen die Ab­wahl von Frau Sa­lisch“und be­las­te klar „ih­re in­ter­nen Geg­ner“.

Dar­le­gung be­las­tet in­ter­ne Geg­ner von Sa­lisch

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