Wenn sich zwei strei­ten, lei­det der Drit­te

Die Dro­hun­gen Nord­ko­reas ha­ben die Be­woh­ner Guams in Alarm­be­reit­schaft ver­setzt

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Mar­tin Biale­cki

Wa­shing­ton/Ha­gat­na. Was für ein Auf­tritt. Die Welt am Ran­de des Ner­ven­zu­sam­men­bruchs, der US-Prä­si­dent ganz ent­spannt. Im Som­mer­ur­laub in Bed­mins­ter, nach dem Gol­fen, er­hält Do­nald Trump ein Si­cher­heits­brie­fing. Und wäh­rend die USA am Ran­de ei­nes erns­ten, ge­wal­ti­gen Kon­flikts mit Nord­ko­rea ste­hen, be­ginnt er zu re­den. Zwei Mal. Ein­mal vor dem Brie­fing, un­gleich mehr noch da­nach. Of­fen­sicht­lich hat­te sich ei­ni­ges auf­ge­staut.

Dass Trump am Stück Fra­gen von Re­por­tern be­ant­wor­tet, ist in sei­ner Prä­si­dent­schaft ei­ne ech­te Ra­ri­tät. In Sa­chen Nord­ko­rea bleibt er die­ses Mal in der Spur – zu­nächst. Er warnt Staats­chef Kim Jong Un, der sol­le bloß nicht auf die Idee kom­men, dum­mes Zeug zu ma­chen, furcht­bar wür­den die Fol­gen für des­sen Land sein. Die Ar­me be­quem auf dem Tisch ver­schränkt, das Sie­gel des Prä­si­den­ten im Kreuz, lässt Trump läs­sig das Sze­na­rio ei­ner nu­klea­ren Apo­ka­lyp­se ent­ste­hen. Was er denn Nord­ko­rea noch Schlim­me­res an­dro­hen wol­le als „Feu­er und Wut“? „Sie wer­den schon se­hen“, sagt Trump, und legt den Kopf et­was schräg. „Sie wer­den schon se­hen.“Bei Twit­ter schreibt er spä­ter: „Mi­li­tä­ri­sche Lö­sun­gen sind nun voll ein­satz­fä­hig, wir ste­hen Ge­wehr bei Fuß, soll­te Nord­ko­rea un­klug han­deln.“Und: „Hof­fent­lich fin­det Kim Jong Un ei­nen an­de­ren Weg.“In Berlin kri­ti­siert Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) die schar­fe Rhe­to­rik in der Nord­ko­rea-Kri­se. „Es­ka­la­ti­on der Spra­che hal­te ich für die fal­sche Ant­wort.“Zu­dem ruft sie da­zu auf, die Be­mü­hun­gen um ei­ne fried­li­che Lö­sung zu ver­stär­ken.

Trotz der Dro­hun­gen aus Nord­ko­rea ge­ben sich die Be­hör­den der Pa­zi­fik­in­sel Guam bis­lang ge­las­sen. Sie hof­fen so­gar auf mehr Tou­ris­ten. „Die Um­stän­de sind zwar un­glück­lich, aber dies ist ei­ne gu­te Ge­le­gen­heit, die Welt über Guam und un­se­re Kul­tur zu in­for­mie­ren“, sagt der Mar­ke­ting­di­rek­tor der ört­li­chen Tou­ris­mus­be­hör­de, Josh Tyqui­en­g­co. „Guam ist mehr als ei­ne Mi­li­tär­ba­sis“der USA, be­tont er. „Wir sind ein si­che­res Ur­laubs­ziel für Fa­mi­li­en.“

Die Dro­hun­gen aus Pjöng­jang, Guam „in Feu­er zu hül­len“, schreck­ten Tou­ris­ten bis­her nicht ab, sagt Tyqui­en­g­co. Und Gou­ver­neur Ed­die Cal­vo be­tont, die größ­te Ge­fahr für Guam sei­en nicht Ra­ke­ten, son­dern Wir­bel­stür­me. Und soll­te doch ei­ne nord­ko­rea­ni­sche Ra­ke­te Kurs auf die In­sel neh­men, ge­be es ein aus­ge­klü­gel­tes Alarm­sys­tem, be­tont ei­ne Spre­che­rin des US-Hei­mat­schutz­mi­nis­te­ri­ums. Die rund 160 000 Ein­woh­ner Guams sind Dro­hun­gen aus Nord­ko­rea ge­wohnt. Den­noch sind vie­le be­un­ru­higt. „Das ist schon ziem­lich ver­rückt“, sagt In­sel­be­woh­ner Vic­tor Bi­lon im TV. „Ich se­he mir die Leu­te hier an, die so tun, als sei es kein Pro­blem. Aber ich den­ke, es ist ein wirk­lich gro­ßes Pro­blem für uns.“

Be­hör­den ge­ben sich bis­lang ge­las­sen

URLAUBSFEELING ADE?: Im es­ka­lie­ren­den Kon­flikt zwi­schen Nord­ko­rea und den USA ist die Pa­zi­fik­in­sel Guam in den Fo­kus der Auf­merk­sam­keit ge­rückt. Pjöng­jang droht mit ei­nem Mi­li­tär­schlag auf das US-Ge­biet. Der Gou­ver­neur ver­sucht, die In­sel­be­woh­ner zu be­ru­hi­gen. Fo­to: AFP

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