Blu­ti­ge Tra­di­ti­on

In Groß­bri­tan­ni­en be­ginnt heu­te wie­der die um­strit­te­ne Moor­huhn­jagd

Pforzheimer Kurier - - POLITIK -

Lon­don. Jagd­schüt­zen fie­bern dem heu­ti­gen Tag schon lan­ge ent­ge­gen. Am so­ge­nann­ten „Glo­rious Twelth“be­ginnt in Groß­bri­tan­ni­en die Sai­son für die Moor­huhn­jagd. Sie ist ein ex­klu­si­ver Sport, den es nur im Kö­nig­reich gibt, weil nir­gend­wo sonst auf der Welt und nur in den für Nord­eng­land und Schottland so ty­pi­schen Hei­de­moo­ren, La­go­pus la­go­pus sco­ti­cus, oder: das schot­ti­sche Moor­huhn, zu fin­den ist. Die Moor­huhn­jagd gilt als „das feins­te Schie­ßen in der Welt“, weil die Hüh­ner so schnell flie­gen und in un­be­re­chen­ba­rem Zick­zack zu ent­kom­men ver­su­chen. Und zu­dem schmeckt der Vo­gel, da er sich aus­schließ­lich auf wür­zi­ger Hei­de er­nährt, auch aus­ge­spro­chen gut. Trotz­dem: Das Tra­di­ti­ons­schie­ßen ist nicht un­um­strit­ten. Wie in je­dem Jahr bre­chen auch dies­mal wie­der die Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen Jä­gern und Tier­schüt­zern aus, die den „Blut­sport“am liebs­ten ver­bie­ten wol­len.

Der „Glo­rious Twelth“ist ein zen­tra­ler Tag im Ka­len­der der bri­ti­schen Aris­to­kra­tie und in­ter­na­tio­na­len Hoch­fi­nanz. Jagd­gäs­te aus der gan­zen Welt ha­ben sich an­ge­mel­det. Fi­nanz­star­ke Hed­ge­fonds-Ma­na­ger hof­fen durch ei­nen er­folg­rei­chen „shoot“den ge­sell­schaft­li­chen Auf­stieg. Rus­si­sche Olig­ar­chen ha­ben schot­ti­sche Schlös­ser auf­ge­kauft, um sich ein Re­vier zu si­chern. Seit 1831 ist das Da­tum für den Be­ginn der Knal­le­rei ge­setz­lich fest­ge­legt. Ein bil­li­ges Ver­gnü­gen ist die Moor­huhn­jagd al­ler­dings nicht. Schon die Aus­rüs­tung kos­tet ein klei­nes Ver­mö­gen. Und dann wird rund 150 Pfund für den Ab­schuss ei­nes Moor­huhn­paars be­rech­net. Für ei­ne ty­pi­sche Jagd­ge­sell­schaft von acht Schüt­zen kommt ein Tag Bal­le­rei leicht auf rund 20 000 Pfund, um­ge­rech­net 22 000 Eu­ro.

Frei­lich ver­mei­det man heu­te die Ex­zes­se frü­he­rer En­thu­si­as­ten. Lord Wal­sin­g­ham stellt bis heu­te den Re­kord. Er schoss im Jah­re 1888 auf Blub­ber­hou­se Moor in der Graf­schaft York­shire an ei­nem ein­zi­gen Tag 1 070 Hüh­ner. Für die rund 800 Jagd­re­vie­re im Kö­nig­reich ist die Moor­huhn­jagd ei­ne nicht zu un­ter­schät­zen­de Ein­nah­me­quel­le. Der Sport spült, wie der bri­ti­sche Schüt­zen­ver­band Basc un­ter­streicht, rund 100 Mil­lio­nen Pfund in die Volks­wirt­schaft der struk­tur­schwa­chen Re­gio­nen und un­ter­hält Tau­sen­de von Ar­beits­plät­zen.

An­ders als bei Fa­sa­nen, die spe­zi­ell für die Jagd­sai­son ge­züch­tet wer­den, ist das beim Moor­huhn, das in Ge­fan­gen­schaft nicht über­le­ben kann, nicht mög­lich. Man kann nur auf gu­tes Wet­ter hof­fen und die na­tür­li­chen Fein­de des Moor­huhns kurz hal­ten. Was letz­te­re an­geht, war man wohl zu er­folg­reich. Die He­ge­meis­ter auf den pri­va­ten Moor-Län­de­rei­en sol­len der Korn­wei­he, ei­nem Raub­vo­gel, der­art zu­ge­setzt ha­ben, dass der Be­stand in den ver­gan­ge­nen zwölf Jah­ren um 39 Pro­zent de­zi­miert wur­de. Auch der Kö­nigs­ad­ler hat ge­lit­ten: Rund ein Drit­tel der haupt­säch­lich in Schottland vor­kom­men­den Greif­vö­gel wer­den il­le­gal ge­tö­tet. Der Vo­gel­schutz­ver­band RSPB ruft da­her nach ei­ner Li­zen­zie­rung der Moor­huhn­jagd, Tier­schutz­ver­bän­de gar nach ih­rer Ab­schaf­fung. Die Jagd-Lob­by hält da­ge­gen und hat in die­sem Jahr ei­nen Pro­pa­gan­da-Feld­zug ge­star­tet, der be­le­gen soll, dass durch das Ma­nage­ment der Moo­re ein vi­ta­ler Schutz für bo­den­brü­ten­des Fe­der­vieh ge­leis­tet wird. Jo­chen Witt­mann

Lord Wal­sin­g­ham hält den Re­kord

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