An man­chen Ta­gen ist tie­risch was los

Ei­dech­sen, Kän­gu­rus und Co. be­schäf­ti­gen Wis­sen­schaft­ler, Tier­pfle­ger und auch die Po­li­zei

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - MÖ­GEN KEI­NEN UM­ZUG: Zau­nei­dech­sen in Stutt­gart. Fo­to: Wai­de­lich

Karls­ru­he/Stutt­gart/Bret­ten (lsw/ kam). Er­in­nern Sie sich noch an den Kai­man Sam­my, der 1994 als „Bag­ger­see-Bes­tie“für Un­ru­he sorg­te? Oder an Hund Fle­cki, der vor zwei Jah­ren bei ei­ner Gas­si­pau­se an der A8 bei Ulm flüch­te­te und nach fast zwei Wo­chen zu sei­nen auf ihn war­ten­den Be­sit­zern zu­rück­kehr­te? Auch die bei Bret­ten ent­lau­fe­nen Kän­gu­rus ha­ben in un­zäh­li­gen Me­di­en für Schlag­zei­len ge­sorgt. An man­chen Ta­gen häu­fen sich tie­ri­sche Mel­dun­gen in der Re­dak­ti­on. Ges­tern war so ein Tag – mit ei­ner ganz un­ter­schied­li­chen The­men­band­brei­te.

Mil­lio­nen für Ei­dech­sen

Nicht nur Men­schen ha­ben ih­re fes­ten Ge­wohn­hei­ten: Die Um­sied­lung von Ei­dech­sen für das um­strit­te­ne Bahn­pro­jekt Stutt­gart 21 ist nach Ein­schät­zung ei­nes Ex­per­ten we­nig aus­sichts­reich. „Ei­dech­sen wol­len in ih­ren ur­sprüng­li­chen Le­bens­raum zu­rück“, sag­te der Of­fen­bur­ger Land­schafts­öko­lo­ge Hu­bert Lau­fer den „Stutt­gar­ter Nach­rich­ten“. Die meis­ten Um­sied­lun­gen die­ser Art funk­tio­nier­ten da­her nur schlecht. „Im nächs­ten Jahr wird meist nur noch ein klei­ner Pro­zent­satz der um­ge­sie­del­ten Tie­re da sein.“Die Bahn hat für die Um­sied­lung von Ei­dech­sen ent­lang des Mil­li­ar­den­pro­jekts Stutt­gart 21 und der ICE-Neu­bau­stre­cke Stutt­gart-Ulm ins­ge­samt rund 15 Mil­lio­nen Eu­ro ein­ge­plant. Al­lein in Stutt­gart-Un­ter­türk­heim müs­sen gut 6 000 Maue­rei­dech­sen um­ge­sie­delt wer­den. Nach ei­nem Be­richt der Zei­tung wer­den die Wie­sen am Stutt­gar­ter Kil­les­berg der­zeit in ein Ha­bi­tat für die streng ge­schütz­te Maue­rei­dech­se um­ge­wan­delt. Das sor­ge bei An­woh­nern aber für Un­mut. Die be­kla­gen, der Land­schafts­schutz wer­de dem Ar­ten­schutz ge­op­fert.

Stin­ken­der Gruß

Zum Schmun­zeln ist auf je­den Fall die­se Nach­richt: Ein Ze­bu-Rind hat sich beim Zu­sam­men­stoß mit ei­nem Au­to kur­zer­hand auf die Mo­tor­hau­be ge­setzt – und ei­nen stin­ken­den Gruß hin­ter­las­sen. Wie die Po­li­zei mit­teil­te, war das Tier von ei­ner Wei­de aus­ge­ris­sen und ei­nem 20-Jäh­ri­gen bei Hardthausen (Kreis Heil­bronn) vors Au­to ge­lau­fen. Er konn­te trotz Voll­brem­sung den Zu­sam­men­stoß nicht ver­hin­dern. Dar­auf­hin setz­te sich das Tier erst auf die Mo­tor­hau­be, hin­ter­ließ ei­nen Fla­den – und lief an­schlie­ßend zu­rück zu sei­nen Art­ge­nos­sen auf die Wei­de. Nach An­ga­ben ei­nes Po­li­zei­spre­chers war der Zaun be­schä­digt ge­we­sen. An dem Au­to ent­stand ein Scha­den von 2000 Eu­ro. Das Rind blieb dem Spre­cher zu­fol­ge aber weit­ge­hend un­be­scha­det.

Du­ell im Wohn­ge­biet

Auch bei Tie­ren gibt es mal Streit: Zwei Reh­bö­cke ha­ben sich in der Nacht zum Frei­tag mit­ten in ei­nen Wohn­ge­biet in Lör­rach du­el­liert – und die Po­li­zei auf den Plan ge­ru­fen. An­woh­ner hat­ten den Kampf in Wald­nä­he be­merkt und die Po­li­zei alar­miert, wie die Be­am­ten mit­teil­ten. Als ei­ne Strei­fe ein­traf, war der Kampf be­reits be­en­det. Der „Sie­ger“hat­te sich dem­nach vom Schau­platz ent­fernt, ein Jagd­päch­ter küm­mer­te sich um das un­ter­le­ge­ne Tier. Nach­dem sich der be­nom­me­ne Bock er­holt hat­te, wur­de er frei­ge­las­sen. Die Po­li­zei ver­mu­te­te, sein Kon­tra­hent ha­be sich in der Zwi­schen­zeit be­reits im Krei­se sei­ner Art­ge­nos­sin­nen ge­sonnt. Das Ur­teil der Ord­nungs­hü­ter im Po­li­zei­be­richt: „Tech­ni­scher K.o. und Ab­bruch des Kamp­fes.“

Aus­ge­büx­te Kän­gu­rus

Und der Stand zur Kän­gu­ru-Flucht: Ei­nes der in Bret­ten aus­ge­büx­ten Kän­gu­rus hat sich kurz beim Tier­park bli­cken las­sen – ist dann aber wie­der ent­wischt. Das Beu­tel­tier sei am Frei­tag­mor­gen wie­der ver­schwun­den, sag­te An­ni­ka Wil­lig aus der Be­trei­ber­fa­mi­lie. Man su­che der­zeit nach Mög­lich­kei­ten, wie die Tie­re ein­ge­fan­gen wer­den könn­ten. Neu auf­ge­bau­te Wän­de könn­ten bei­spiels­wei­se hel­fen, die Tie­re in ei­ne Ecke zu drän­gen. Am Di­ens­tag wa­ren zwei Kän­gu­rus und zwei Dam­hir­sche aus dem Tier­park im Kreis Karls­ru­he ent­lau­fen. Be­reits am Don­ners­tag hat­ten sich die Dam­hir­sche ge­zeigt, wa­ren aber kur­ze Zeit spä­ter wie­der ver­schwun­den. Die Be­trei­ber­fa­mi­lie ver­mu­tet al­le Tie­re in der Nä­he des Zoos.

Afri­ka­ni­sche Schwei­ne­pest

Jetzt ein erns­tes The­ma: Ent­lang der Au­to­bahn 6 in Ba­den-Würt­tem­berg sol­len künf­tig Hin­weis­schil­der vor der Afri­ka­ni­schen Schwei­ne­pest war­nen. „Un­se­re Ex­per­ten ge­hen da­von aus, dass die Rei­se­ak­ti­vi­tä­ten der Men­schen maß­geb­lich für das Fort­schrei­ten der Tier­seu­che ver­ant­wort­lich sind“, teil­te Agrar­mi­nis­ter Pe­ter Hauk (CDU) mit. Schuld sei­en vor al­lem weg­ge­wor­fe­ne Es­sens­res­te an Tank­stel­len oder Rast­stät­ten, die von Wild­schwei­nen ge­fres­sen wür­den. Auch in an­de­ren Bun­des­län­dern sol­len Schil­der vor der Schwei­ne­pest war­nen. Bis­her ist nach An­ga­ben des Stutt­gar­ter Mi­nis­te­ri­ums kein Aus­bruch in Deutsch­land be­kannt, al­ler­dings brei­tet sich die Afri­ka­ni­sche Schwei­ne­pest zu­neh­mend im Bal­ti­kum und Po­len aus, zu­letzt wur­den auch Fäl­le aus Tsche­chi­en und Ru­mä­ni­en ge­mel­det. Mit den stei­gen­den Fall­zah­len wächst das Ri­si­ko ei­ner Ver­schlep­pung der Krank­heit nach Deutsch­land. Die Seu­che ist zwar für Men­schen un­ge­fähr­lich, al­ler­dings bei Haus- und Wild­schwei­nen meist töd­lich.

Vi­rus bei Pfer­den

We­nig er­freu­lich ist auch die­se Nach­richt: Ein in meh­re­ren Ge­gen­den Deutsch­lands auf­ge­tre­te­nes ge­fähr­li­ches Tier­vi­rus ist jetzt bei zwei Pfer­den im Land­kreis Kon­stanz fest­ge­stellt wor­den. Um den be­trof­fe­nen Be­trieb in En­gen-An­sel­fin­gen sei ein Sperr­be­zirk ein­ge­rich­tet wor­den, teil­te das Land­rats­amt mit. Die Frei­zeit­pfer­de sei­en an der In­fek­tiö­sen Blut­ar­mut der Ein­hu­fer (EIA, Equi­ne In­fek­tiö­se An­ämie) er­krankt. Für Men­schen ist das Vi­rus nach Be­hör­den­an­ga­ben un­ge­fähr­lich. Bei Tie­ren sei ei­ne EIA-Er­kran­kung al­ler­dings un­heil­bar; ih­re Tö­tung ist laut Bun­des­amt für Tier­ge­sund­heit vor­ge­schrie­ben. An­fäl­lig für die Vi­rus­er­kran­kung sind dem­nach sämt­li­che Ein­hu­fer wie Pfer­de und Esel so­wie de­ren Kreu­zun­gen. Bei Seu­chen­ver­dacht sind Hal­ter ver­pflich­tet, das je­wei­li­ge Amt für Ver­brau­cher­schutz und Ve­te­ri­när­we­sen zu in­for­mie­ren.

AUS­REIS­SER: Ein Kän­gu­ru aus dem Tier­park in Bret­ten. Fo­to: dpa

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