„Er macht uns al­le stolz“

Tür­kei fei­ert 200-Me­ter-Welt­meis­ter Gu­liyev

Pforzheimer Kurier - - LEICHTATHLETIK-WM IN LONDON - Andre­as Schir­mer GOLDJUNGE: Ra­mil Gu­liyev aus der Tür­kei. Fo­to: AFP

Der tür­ki­sche Staats­prä­si­dent war be­geis­tert nach dem Sen­sa­ti­ons­sieg sei­nes erst vor we­ni­gen Jah­ren ein­ge­bür­ger­ten Lands­man­nes Ra­mil Gu­liyev im 200-Me­ter-Fi­na­le der Leicht­ath­le­ti­kWM in Lon­don. „Er macht uns al­le stolz“, twit­ter­te Re­cep Tay­yip Er­do­gan kurz nach dem Ren­nen. Gu­liyev ist der ers­te männ­li­che Leicht­ath­le­tik-Welt­meis­ter in der Ge­schich­te der Tür­kei.

Den 27 Jah­re al­ten ge­bür­ti­gen Aser­bai­dscha­ner, der seit 2013 das Start­recht für die Tür­kei be­sitzt und der das WM-Ren­nen mit 20,09 Se­kun­den ge­wann, hat­te kei­ner auf der Rech­nung. Top­fa­vo­rit war der Süd­afri­ka­ner Way­de van Nie­kerk. Er kam nach Fo­to-Fi­nish in 20,11 Se­kun­den um Haa­res­brei­te vor Je­reem Richards (Tri­ni­dad und To­ba­go) als Zwei­ter ins Ziel. „Die­ser Wett­be­werb war ei­ne mas- si­ve Ach­ter­bahn­fahrt für mich“, mein­te van Nie- kerk, ver­si­cher­te aber: „Ich den­ke, das war erst der der An­fang von dem, zu was ich in mei­ner Kar­rie­re noch fä­hig sein kann.“Nach sei­nem 400-Me­ter-Tri­umph hat­te er auch über 200 Me­ter auf den Sieg ge­hofft.

Ei­ni­ge sa­hen van Nie­kerk schon als den neu­en Usain Bolt. Doch auf dem Weg da­hin hat ihn nun Gu­liyev erst ein­mal ge­stoppt. Mit ei­ner wei­te­ren Gold­me­dail­le wä­re van Nie­kerk der ers­te Ath­let seit 22 Jah­ren ge­we­sen, der wie­der ein Gold-Dou­ble auf die­sen bei­den WM-Stre­cken ge­schafft hät­te.

„Es war kein Schock für mich, es fühl­te sich aber auch nicht re­al an“, sag­te Gu­liyev über den Mo­ment des Sie­ges. „Das ist der bes­te Augenblick mei­ner Kar­rie­re.“Die Lauf­bahn Gu­liyevs war stets im Schat­ten von Bolt ver­lau­fen. Als Ju­ni­or im Al­ter von 19 Jah­ren war er mit 20,04 Se­kun­den zweit­schnells­ter Sprin­ter nach dem Ja­mai­ka­ner (19,93). Bei Olym­pia 2016 in Rio be­leg­te er im Fi­na­le Platz acht. Bei der EM 2016 hol­te er die Sil­ber­me­dail­le.

Doch gab es nach sei­nem Sturm­lauf von Lon­don ei­ni­ge, die Gu­liyev skep­tisch be­trach­te­ten. Denn: Zwei Jah­re nach sei­ner Start­ge­neh­mi­gung für die Tür­kei lief er im Sep­tem­ber 2015 sei­ne Best­zeit von 19,88 Se­kun­den. Bei den Rio-Spie­len ge­lang­ten neun Tür­ken in Fi­nals, vier von ih­nen wur­de da­nach des Do­pings über­führt. „Ich ma­che so et­was nicht“, sag­te Gu­liyev auf ent­spre­chen­de Fra­gen. „Ich ha­be auch ein Le­ben, wenn ich ver­lie­re.“

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