„Ei­ni­ge kön­nen sich kei­nen Lap­top leis­ten“

Zwei Pforz­hei­mer Stu­den­ten spre­chen mit FDP-Kan­di­dat Wis­kand dar­über, was sie be­schäf­tigt

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM -

Im Wahl­pro­gramm der FDP zur Bun­des­tags­wahl fin­den sich auch Stu­den­ten wie­der: Mehr Sti­pen­di­en, nach­ge­la­ger­te Stu­di­en­ge­büh­ren, el­tern­un­ab­hän­gi­ge Aus­bil­dungs­för­de­rung oder Vor­le­sun­gen per Vi­deo­st­ream wün­schen sich die Li­be­ra­len. Aber was be­schäf­tigt ei­gent­lich die Pforz­hei­mer Stu­den­ten wirk­lich?

„Wenn sie Stu­di­en­ge­büh­ren nach dem Stu­di­um wol­len, sol­len die sich dann nach dem Ge­halt rich­ten?“, will Oli­ver Bos­sert wis­sen. „Da bin ich ehr­lich ge­sagt un­ent­schlos­sen. Das Ge­halt soll­te ja die Qua­li­tät der Aus­bil­dung wi­der­spie­geln“, sagt Ja­nis Wis­kandt. Von dem Geld, das die Ab­sol­ven­ten dann be­zah­len, wür­den sie zu­dem selbst pro­fi­tie­ren, er­klärt der Bun­des­tags­kan­di­dat – durch die bes­se­re Aus­stat­tung der Hoch­schu­le. „Von den Stu­di­en­ge­büh­ren, wie sie der­zeit Nicht-EU-Aus­län­der be­zah­len, kom­men aber jetzt schon nur 20 Pro­zent an den Hoch­schu­len an“, sagt Katrin Wa­ni­tschek. „Soll das dann an­ders wer­den?“Es sei na­tür­lich Schwach­sinn, wenn das Geld nicht dort an­kom­me, wo­für es ge­zahlt wird, so Wis­kandt. „Die Ju­lis fin­den, man soll­te den Hoch­schu­len frei­stel­len, ob sie Stu­di­en­ge­büh­ren ver­lan­gen. Se­hen Sie das auch so?“, fragt Katrin Wa­ni­tschek. „Das wä­re nicht sinn­voll. Wir ha­ben ja schon ge­se­hen, dass das nicht funk­tio­niert, als es das letz­te Mal Stu­di­en­ge­büh­ren gab. Är­me­re Län­der ha­ben kei­ne Stu­di­en­ge­büh­ren er­ho­ben, wäh­rend die Net­to­zah­ler beim Län­der­fi­nanz­aus­gleich das ge­macht ha­ben“, sagt Wis­kandt.

Das Geld aus Stu­di­en­ge­büh­ren soll der Aus­stat­tung der Hoch­schu­len zu­gu­te kom­men, meint der Bun­des­tags­kan­di­dat – auch der di­gi­ta­len. „Wie ste­hen Sie denn zum Mit­schnei­den von Vor­le­sun­gen?“, fragt Bos­sert. „Wenn es sich mit recht­li­chen Vor­ga­ben ver­ein­ba­ren lässt, fin­de ich das sehr gut. Auch dann wür­den Stu­den­ten noch zur Vor­le­sung ge­hen. Aber Fo­li­en, die kann ich mir auch zu Hau­se an­gu­cken“, sagt Wis­kandt. „Ich glau­be, wenn es so­weit kommt, dann gu­te Nacht um Sech­se. Dann kommt kei­ner mehr zur Vor­le­sung“, sagt Bos­sert. Wis­kandt glaubt das nicht: „Wir sind doch al­le in ei­nem Al­ter, in dem man Ei­gen­ver­ant­wor­tung hat. Und wenn man zwi­schen­durch et­wa mit Haus­ar­bei­ten nach­wei­sen muss, dass man am Ball bleibt, lernt man auch nicht erst kurz vor der Prü­fung.“

Die di­gi­ta­le Aus­stat­tung sei al­ler­dings – zu­min­dest an der Pforz­hei­mer Hoch­schu­le – aus­bau­fä­hig, merkt Wa­ni­tschek an: „Und dann gibt es auch Stu­den­ten, die kön­nen sich ein Ta­blet oder ei­nen Lap­top nicht ein­fach so leis­ten.“Das sieht Wis­kandt al­ler­dings we­ni­ger als Pro­blem: „Es gibt ja schon bil­li­ge Ge­rä­te. Für 150 Eu­ro be­kommt man schon et­was. Je­dem Stu­den­ten ei­nen Lap­top zu ge­ben, ist si­cher kaum mög­lich.“Die Un­ter­stüt­zung für Stu­den­ten müs­se je­doch aus­rei­chen, um sich die nö­ti­ge Aus­stat­tung leis­ten zu kön­nen.

„Mich stört au­ßer­dem, dass es bei Sti­pen­di­en im­mer nur um gu­te No­ten geht. Was ist mit so­zia­lem En­ga­ge­ment?“, fragt Wa­ni­tschek. „Das ist na­tür­lich not­wen­dig, und es muss bes­ser an­er­kannt wer­den. In­wie­weit die Politik al­ler­dings beim The­ma Sti­pen­di­en ein­grei­fen kann, weiß ich nicht. Wenn man so­zia­les En­ga­ge­ment un­ter­stüt­zen kann, soll­te man es tun. Und gu­te No­ten sa­gen ja nichts über ei­nen Men­schen aus.“Und selbst mit Sti­pen­di­um geht es für vie­le nicht oh­ne Bafög. Das will die FDP el­tern­un­ab­hän­gig gestal­ten. Ei­ne gu­te Idee, fin­det Wis­kandt: „War­um soll­ten El­tern, die hart ge­ar­bei­tet ha­ben, zah­len müs­sen, und an­de­re, die nichts ge­macht ha­ben, müs­sen das nicht?“Die För­de­rung sei zu­dem ein rie­si­ger und teu­rer Ver­wal­tungs­ap­pa­rat. „Hier müss­te man pau­scha­li­sie­ren und ver­ein­fa­chen.“Je­der sol­le un­ab­hän­gig vom Ein­kom­men der El­tern stu­die­ren kön­nen.

„Und nach dem Stu­di­um? Da ge­hen vie­le ins Aus­land. War­um ist das so?“, fragt Bos­sert. Man kön­ne die­sen jun­gen Leu­ten of­fen­sicht­lich in Deutsch­land nicht ge­nug bie­ten, mut­maßt Wis­kandt: „Die Fra­ge ist, liegt es an den Rah­men­be­din­gun­gen? Ich kann mir vor­stel­len, dass es auch an den Steu­ern liegt.“Ob er kon­kre­te Ide­en ha­be, wie man Deutsch­land at­trak­ti­ver ma­chen kön­ne, hakt Bos­sert nach. „Wir müs­sen auf je­den Fall den In­fra­struk­tur­aus­bau wei­ter vor­an­trei­ben und die Rah­men­be­din­gun­gen zum Ar­bei­ten ver­bes­sern.“Da ge­be es noch viel zu tun.

Ca­ro­lin Frey­tag/Thors­ten Esch­mann

STU­DI­EN­GE­BÜH­REN SIND IN ORD­NUNG, fin­den die bei­den Pforz­hei­mer Stu­den­ten Oli­ver Bos­sert und Katrin Wa­ni­tschek. Im Ge­spräch mit Ja­nis Wis­kandt, mo­de­riert von Ca­ro­lin Frey­tag und Thors­ten Esch­mann (al­le von links), for­dern sie aber auch, dass das Geld an den Hoch­schu­len an­kom­men müs­se. Fo­to: Eh­mann

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