SVP-Auf­sichts­rat stimmt für Ver­gleich

Ver­di will im Streit um Streik wei­ter kämp­fen

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Ro­land Wei­sen­bur­ger

Die „Stadt­ver­kehr“wür­de die hal­be Mil­li­on wohl neh­men. Nach In­for­ma­tio­nen, die dem Pforz­hei­mer Ku­ri­er vor­lie­gen, hat sich der Auf­sichts­rat des sich in Auf­lö­sung be­find­li­chen städ­ti­schen Bus­un­ter­neh­mens ent­schie­den, den vom Ar­beits­ge­richt vor­ge­schla­ge­nen Ver­gleich an­zu­neh­men. Wie be­reits be­rich­tet, hat die Stadt­ver­kehr Gm­bH (SVP) die Ge­werk­schaft Ver­di ver­klagt. Ins­ge­samt will man 1,6 Mil­lio­nen Eu­ro zu­rück, der Scha­den sei bei ei­nem il­le­ga­len Streik im Kampf um ei­nen So­zi­al­ta­rif­ver­trag ent­stan­den. Weil die Bahn­toch­ter „Süd­west­bus“den Zu­schlag für den Bus­ver­kehr in Pforz­heim be­kam, war die SVP aus dem Ge­schäft. Ver­di for­der­te ei­nen So­zi­al­ta­rif­ver­trag für die aus­schei­den­den Be­schäf­tig­ten und rief zum Ar­beits­kampf auf und der war nach SVP-An­sicht il­le­gal. Bei ei­nem ers­ten Gü­te­ter­min vor dem Ar­beits­ge­richt hat­te die SVP aus „pro­zess­öko­no­mi­schen Grün­den“zu­nächst nur ei­ne knap­pe Mil­li­on ge­for­dert. Die Rich­te­rin hat­te dann rou­ti­ne­mä­ßig vor­ge­schla­gen, sich in der Mit­te bei 500 000 Eu­ro zu tref­fen.

Die­sem Ver­gleich stimm­ten die Mit­glie­der des SVP-Auf­sichts­ra­tes nun in nicht öf­fent­li­cher Sit­zung zu. Weil man das Geld den Mit­ar­bei­tern zu­kom­men las­sen wol­le, die bei der SVP-Li­qui­da­ti­on ih­ren Ar­beits­platz ver­lo­ren, wol­le man sich nicht auf ei­nen lan­gen und ris­kan­ten Rechts­streit ein­las­sen, hieß es am Ran­de der Sit­zung. Der Spatz in der Hand sei da bes­ser, als die Tau­be auf dem Dach.

Deut­lich kämp­fe­ri­scher gibt man sich da beim Pro­zess­geg­ner. Die Di­enst­leis­tungs­ge­werk­schaft Ver­di geht wei­ter­hin da­von aus, dass der Streik­auf­ruf recht­mä­ßig war. Streit­punkt ist ei­ne der da­ma­li­gen For­de­run­gen, die die Stadt selbst als hun­dert­pro­zen­ti­gen Ei­gen­tü­mer des Bus­un­ter­neh­mens an den Ver­hand­lungs­tisch zwin­gen soll­te. Stets sei­en Ta­rif­ver­trä­ge zwi­schen SVP und Ge­werk­schaft auch von ei­nem Ver­tre­ter der Stadt­ver­wal­tung un­ter­schrie­ben wor­den, so Ver­di. Des­halb sei es durch­aus rech­tens ge­we­sen, die Stadt an den Ver­hand­lungs­tisch strei­ken zu wol­len.

„Der Er­satz­ver­kehr war ein Streik­bre­che­r­ein­satz. Und da­für wol­len wir auf kei­nen Fall be­zah­len“, be­tont die stell­ver­tre­ten­de Lan­des­be­zirks­lei­te­rin von Ver­di, Su­san­ne Wenz. Ob das Geld, wie von der SVP ver­spro­chen, tat­säch­lich an die ge­kün­dig­ten Bus­fah­rer flie­ße, zieht Wenz in Zwei­fel. „Das passt in ei­ne gan­ze Rei­he ge­bro­che­ner Ver­spre­chen der SVP. Ich ver­mu­te, da gibt es noch ei­ne gan­ze Rei­he von Rech­nun­gen, die mög­li­cher­wei­se vor­ran­gig zu be­han­deln sind. Der Li­qui­da­tor ist da nicht frei in der Ver­wen­dung der Mit­tel.“

Na­tür­lich, so Wenz, müs­se man prü­fen, ob man das Pro­zess­ri­si­ko letzt­lich ein­ge­hen wol­le. „Aber wir ge­hen nach wie vor da­von aus, dass un­ser Streik recht­mä­ßig war.“Au­ßer­dem ver­weist sie auf die grund­sätz­li­che und po­li­ti­sche Be­deu­tung der Aus­ein­an­der­set­zung. „Wir ha­ben sehr vie­le Un­ter­neh­men aus dem öf­fent­li­chen Be­reich, die zwi­schen­zeit­lich pri­va­ti­siert wur­den, sich aber wei­ter zu 100 Pro­zent in öf­fent­li­chem Be­sitz be­fin­den. Hier soll­te auch ge­klärt wer­den, in wel­cher Form es ei­ne po­li­ti­sche Ver­ant­wor­tung der je­wei­li­gen Stadt für die­se Un­ter­neh­men gibt.“Die Streit­par­tei­en se­hen sich am 23. No­vem­ber zur nächs­ten Ver­hand­lung.

Ge­werk­schaft gibt sich wei­ter kämp­fe­risch

DER BUSSTREIK des ver­gan­ge­nen Jah­res ist noch im­mer nicht aus­ge­stan­den. Der SVPAuf­sichts­rat will nun ei­nen Ver­gleich an­neh­men, Ver­di eher nicht. Fo­to: Ar­chiv/Wa­cker

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