„Lust For Li­fe“ver­drängt die Schwer­mut

La­na Del Rey

Pforzheimer Kurier - - MUSIK-SZENE -

Die no­to­risch schwer­mü­ti­ge La­na Del Rey ent­deckt auf ih­rem vier­ten Al­bum „Lust For Li­fe“die Le­bens­freu­de. Steht ihr gut.

„Erst vor Kur­zem hat­te ich so ei­nen klei­nen Das-Le­ben-imi­tiert-die-Kun­stMo­ment“, er­klärt La­na Del Rey fast fei­er­lich, be­vor sie vor La­chen lo­s­prus­tet. „Er ent­hielt aus­ge­zo­ge­ne Kla­mot­ten und den Beach­wood Can­yon un­weit des ’Hol­ly­wood’-Schrift­zugs in den Ber­gen von Los An­ge­les. Aber ganz so wild, wie ich es in dem Song be­schrei­be, war die Ak­ti­on dann doch nicht.“In „Lust For Li­fe“näm­lich, dem recht pop­pi­gen und aus­ge­las­se­nen Ti­tel­stück (ei­nen Du­ett mit The Wee­knd), be­haup­tet La­na näm­lich, sie ha­be nackt auf dem „H“des Hol­ly­wood-Zei­chens ge­tanzt. Was so ein­fach dann doch nicht ist. „Das ist voll hoch, das schaffst du nicht ein­mal mit ei­ner Lei­ter.“

Wie dem auch sei: La­na ist lo­cke­rer ge­wor­den. Na­tür­lich, die Songs klin­gen im­mer noch im Gro­ßen und Gan­zen eher schwer­mü­tig, da­für sor­gen al­lein schon La­na Del Reys tie­fe Stim­me und ih­re lang­sa­me Art zu sin­gen. Aber mit 32 Jah­ren hat die einst no­to­risch me­lan­cho­li­sche Schön­heit, die als Eliz­a­beth Grant bei New York zur Welt kam und vor fünf Jah­ren mit der Six­ties-Hom­mage „Vi­deo Ga­mes“be­rühmt wur­de, end­lich die Leich­tig­keit des Seins ent­deckt. „Ich ha­be mich gut ent­wi­ckelt, was das Ge­samt­glücks­ge­fühl an­geht“, so La­na, die sich zum Te­le­fon­in­ter­view in ihr ge­lieb­tes Au­to ge­setzt hat, ei­nen Jaguar. „Ich bin im­mer noch auf dem Weg, und Wachs­tum wie auch Cha­os wer­den mich wei­ter durchs Le­ben be­glei­ten, ma­chen wir uns kei­ne Il­lu­sio­nen. Und doch füh­le ich deut­lich die Ve­rän­de­rung. Ich ha­be klar mehr Spaß im Le­ben als vor ei­ni­gen Jah­ren. In „Chan­ge“, ei­nem sehr ru­hi­gen und schö­nen Song, fasst sie die Ve­rän­de­run­gen zu­sam­men. „Ehr­lich, fä­hig, schön und sta­bil“, sei sie ge­wor­den, singt La­na. „Mein ge­sam­tes Le­ben ist von der Su­che ge­prägt, ir­gend­wo hin­zu­ge­hö­ren. Auf die­sem Weg bin ich ein gu­tes Stück vor­an­ge­kom­men.“Zu An­fang ih­rer Kar­rie­re ha­be sie un­ter dem Miss­trau­en je­ner Leu­te ge­lit­ten, die sie für ein Kunst­pro­dukt hiel­ten. Vie­le nah­men ihr nicht ab, was sie sang und wie sie es sang. „Ich war schreck­lich ängst­lich und un­si­cher. ’Vi­deo Ga­mes’ hat ex­trem po­la­ri­siert, ich weiß bis heu­te nicht ge­nau, war­um. Mitt­ler­wei­le ha­be ich ei­ni­ge Al­ben im Säck­chen und bin selbst­si­che­rer ge­wor­den. Es ist al­so kein Zu­fall, dass ich ei­ne Rei­he von Mu­si­kern für die neue Plat­te ein­ge­la­den ha­be.“La­na singt ei­ni­ge Du­et­te mit wirk­lich span­nen­den Gäs­ten. Mit Stevie Nicks von Fleet­wood Mac, ei­ne ih­rer Hel­din­nen und ei­ne gu­te Freun­din ih­res Pro­du­zen­ten Rick No­wels, singt sie „Be­au­ti­ful Peop­le, Be­au­ti­ful Pro­blems“. „Ich lie­be ein­fach die­sen Sound aus den Sieb­zi­gern, und Stevie ist seit fünf­zig Jah­ren da­bei, sie hat al­les ge­se­hen und er­lebt. Da kann man schon nei­disch wer­den.“

Ne­ben be­sag­tem The Wee­knd und dem Rap­per A$AP Ro­cky ist auch Se­an Len­non da­bei, im Song „To­mor­row Ne­ver Ca­me.“Del Rey: „Ich er­zäh­le in dem Lied von mei­ner Ide­al­vor­stel­lung ei­ner Be­zie­hung. John Len­non und Yo­ko Ono nen­ne ich als Bei­spiel. Ich stell­te mir die bei­den vor, wie sie in­nig auf ei­ner Bank im Cen­tral Park sit­zen, die­ses Paar weckt ro­man­ti­sche Vor­stel­lun­gen in mir. So­mit lag es sehr nah, Se­an zu fra­gen, zu­mal ich sei­ne Mu­sik sehr schät­ze.“Ei­ne ver­gleich­bar in­ten­si­ve Lie­be sei ihr selbst bis­lang nicht wi­der­fah­ren, „aber ich träu­me da­von, end­lich ein­mal et­was rich­tig fest­zu­hal­ten, an­statt es im­mer wie­der zu ver­mas­seln.“

Und noch et­was ist neu: Hat La­na Del Rey um Politik zu­vor stets ei­nen Bo­gen ge­macht, so geht sie nun auf ge­sell­schaft­li­che und po­li­ti­sche The­men ein. „God Bless Ame­ri­ca – And All The Be­au­ti­ful Wo­men In It“ist Fe­mi­nis­mus in Ver­klei­dung ei­nes Coun­try­songs, und im Folk­song „When The World Was At War We Kept On Dan­cing“fragt sie „Is it the end of Ame­ri­ca?“

Be­kannt ist auch, dass La­na Do­nald Trump mit ei­nem „He­xen­fluch“be­leg­te, wie sie halb scherz­haft in ei­nem an­de­ren In­ter­view ver­riet. „Ob er schon Wir­kung ge­zeigt hat? Was denkst Du? Man weiß es nicht. Al­les, was wir jetzt mit ihm er­le­ben, ken­nen wir schon aus dem Wahl­kampf. Er macht ei­gent­lich so wei­ter wie im­mer. Des­halb fürch­te ich, der Fluch hat noch nicht ge­wirkt.“

La­na sagt, sie wün­sche sich so sehr ei­ne fried­li­che, lo­cke­re Zeit. Dar­über spricht sie zum Bei­spiel in dem Song „Coa­chel­la (Wood­stock On My Mind“). „Wo ist sie nur hin, die gol­de­ne Hip­pie­zeit? Statt­des­sen gibt es be­droh­li­che Sze­na­ri­en rund um die Ra­ke­ten­tests in Nord­ko­rea, und Trump gießt nim­mer nur wei­ter Öl in al­le Feu­er. Er hat ei­ni­ge Din­ge ge­sagt, über die sich Frau­en wirk­lich ängs­ti­gen soll­ten. Ich hof­fe nur, dass nichts ernst­haft schief­geht in den nächs­ten drei­ein­halb Jah­ren.“Stef­fen Rüth

Fo­to: Imago

DAS LE­BEN IST SCHÖN: die neue La­na Del Rey ver­spürt „Lust For Li­fe“.

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