Hat die Zu­kunft der Pop­mu­sik ein Milch­ge­sicht?

Mu­ra Ma­sa

Pforzheimer Kurier - - MUSIK-SZENE - Fo­to: Uni­ver­sal Mu­sic

Der Milch­bu­bi von der Ka­nal­in­sel Gu­ern­sey wir­belt mit sei­nem De­büt­al­bum „Mu­ra Ma­sa“gera­de or­dent­lich die Pop­welt durch­ein­an­der. Ist Alex Crossan der nächs­te Da­mon Al­barn?

Auf Gu­ern­sey ist das Kli­ma mil­der, die rund 70000 Be­woh­ner sind im Schnitt rei­cher, die Steu­er hin­ter zie­hungs­sum­men­hö he rund der Fisch ist fri­scher als im Rest Groß­bri­tan­ni­ens. „Mei­ne Kind­heit auf der Ka­nal­in­sel war um­sorgt und si­cher“, sagt Alex Crossan, der sich und sein ers­tes Al­bum „Mu­ra Ma­sa“– nach ei­nem my­then­um­rank­ten ja­pa­ni­schen Sch­wert­schmied – tauf­te.

Alex spiel­te früh in Punk­bands, or­ga­ni­sier­te Par­tys am Strand, hat­te Spaß. „Gu­ern­sey ist ein wun­der­ba­rer Ort zum Groß­wer­den. Aber spä­tes­tens mit 18 kennst du al­les, hast al­le Mög­lich­kei­ten aus­ge­schöpft und musst weg. Du kannst ja nicht dein Le­ben lang am Strand lie­gen, knut­schen und dich be­trin­ken.“Och, die ei­nen sa­gen so, die an­de­ren so. Alex grinst breit. „Ich kom­me im­mer noch sehr, sehr ger­ne nach Hau­se zu­rück, et­wa al­le ein bis zwei Mo­na­te brau­che ich die In­sel, das Meer und mei­ne Fa­mi­lie“. Sei­ne Mut­ter, so Alex, nen­ne sich neu­er­dings Ma­ma Ma­sa. Die Rei­se ist zum Glück über­schau­bar. Vom Flug­ha­fen in Gat­wick ist er in drei­ßig Mi­nu­ten da­heim.

Al­ler­dings dürf­te Alex Crossan in nächs­ter Zeit ei­ne Men­ge um die Oh­ren ha­ben. Der Jun­ge gilt gera­de als hei­ße Wet­te auf die Zu­kunft des Pop, sein Al­bum wird eu­pho­risch re­zen­siert. Nicht übel für ei­nen, der sich das al­les selbst bei­ge­bracht hat. Nach sei­nen frü­hen Rock­ban­der­fah­run­gen gab sich Alex näm­lich im Kin­der­zim­mer dem Er­for­schen von Elec­tro, Funk, HipHop und R&B hin. „Ich ha­be ein­fach aus­pro­biert und na­tür­lich ex­trem viel Mu­sik von an­de­ren Künst­lern ge­hört, um mich zu ori­en­tie­ren.“Vor al­lem der Pro­du­zent Hud­son Mo­haw­ke („Er macht elek­tro­ni­sche Mu­sik, die nicht vor­her­seh­bar ist“) hat­te es ihm an­ge­tan, aber auch son­g­ori­en­tier­te Klang­bast­ler wie Ja­mes Bla­ke und klas­si­sche Sin­ger/Song­wri­ter, et­wa Jo­ni Mit­chell. „Für mich wa­ren das wich­ti­ge Haus­auf­ga­ben. Ich woll­te ver­ste­hen, wie die an­de­ren das ma­chen.“

Im­mer häu­fi­ger baut Crossan in­des auch ei­ge­ne Stü­cke zu­sam­men und stellt sie un­ter wach­sen­dem In­ter­es­se des Pu­bli­kums auf On­li­neplatt­for­men wie Sound­cloud. Nach sei­nem Schul­ab­schluss geht Alex erst nach Brigh­ton, „das ist ein gu­ter Kom­pro­miss. Ei­ne li­be­ra­le, kul­tur­be­geis­ter­te Groß­stadt am Meer“, doch ein Jahr spä­ter ist er schon be­reit für Lon­don. Er lebt jetzt in Peck­ham, im Sü­den der Stadt. Alex Crossan be­ginnt ein Stu­di­um, ist aber dank sei­nes Plat­ten­ver­trags, „fi­nan­zi­ell schnell so sta­bil“, dass „ich mich ganz mei­nem Traum wid­men konn­te, ein kul­tu­rell ak­tu­el­les, urbanes, coo­les Al­bum über ei­nen Ju­gend­li­chen im Lon­don des Jah­res 2017 zu ma­chen.“

21 Jah­re ist Alex Crossan ali­as Mu­ra Ma­sa jetzt alt, er sieht aus wie vier­zehn­ein­halb, aber sei­ne selbst­be­wuss­ten Aus­sa­gen zei­gen: Er hat schon die Eier ei­nes ganz Gro­ßen. „Mu­ra Ma­sa“ist fast schon ein Kon­zept­al­bum, es han­delt vom all­täg­li­chen Cha­os im Le­ben der Um­die-20-Jäh­ri­gen. „Was Be­zie­hun­gen an­geht, ist vie­les sehr ver­wir­rend“, sagt Alex. „Ich bin ziem­lich ro­man­tisch und be­schäf­ti­ge mich to­tal gern mit der Lie­be.“Die Songs hei­ßen „Mes­sy Love“oder „Lo­ve­sick“, sind für den Club genau­so gut ge­eig­net wie für un­ter der Bett­de­cke, und „mei­ne Freun­din fin­det es toll, dass ich in mei­ner Mu­sik so ehr­lich bin.“

Für sein Al­bum (ja, Mu­ra Ma­sa glaubt noch an die Kunst­form „Al­bum“, selbst wenn sich sei­nes ex­trem viel­fäl­tig und fast wie ei­ne Col­la­ge an­hört), hat er sich ei­ne gan­ze Rei­he von sin­gen­den, re­spek­ti­ve rap­pen­den, Top­gäs­ten ein­ge­la­den, dar­un­ter sind A$AP Ro­cky, Char­li XCX, Ja­mie Li­dell und Chris­ti­ne & The Queens. Am stol­zes­ten ist Alex al­ler­dings auf „Blu“, ei­ne me­lan­cho­li­sche, sehr schö­ne Kol­la­bo­ra­ti­on mit Da­mon Al­barn. „’De­mon Days’ von den Go­ril­laz war mein ers­tes Al­bum, und Da­mon ist mein Held“, so Mu­ra Ma­sa. „Da­mon auf mei­nem Al­bum zu ha­ben, das ist un­glaub­lich wich­tig für mich. Er ist kom­plett of­fen im Kopf.“So wie Alex selbst. „Mei­ne Mu­sik ver­än­dert sich, ich ver­än­de­re mich. Das ers­te Al­bum ist ei­ne Mo­ment­auf­nah­me der letz­ten zwei, drei Jah­re. Kei­ne Ah­nung, was ich als nächs­tes ma­che. War­um soll ich jetzt schon wis­sen, wor­auf ich in Zu­kunft Lust ha­be?“Stef­fen Rüth

MU­RA MA­SA: „War­um soll ich jetzt schon wis­sen, wor­auf ich in Zu­kunft Lust ha­be?“

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