Schö­ner woh­nen ge­gen bes­ser le­ben

„Hamp­s­tead Park“

Pforzheimer Kurier - - FILM UND TV-SZENE -

Je­der Mensch braucht Pri­vat­sphä­re, ein Zu­hau­se. Doch be­son­ders in hor­rend teu­ren eu­ro­päi­schen Groß­städ­ten wie Lon­don wird die Su­che nach ei­ner be­zahl­ba­ren Blei­be zum zer­mür­ben­den Kampf. Dass der bri­ti­sche Dreh­buch­au­tor und Re­gis­seur Jo­el Hop­kins nun in sei­nem Film „Hamp­s­tead Park“auf die­sen Miss­stand auf­merk­sam macht, ist ei­ne gu­te Sa­che. Schließ­lich ist das Ki­no nicht bloß ein Ort, wo man mal mehr, mal we­ni­ger gut un­ter­hal­ten wird, son­dern sich auch ein Bild von ak­tu­el­len Pro­ble­men ma­chen kann.

Doch Hop­kins hält es mit dem Cre­do des le­gen­dä­ren eng­li­schen Kin­der­mäd­chens Ma­ry Pop­pins: „Ein Löf­fel­chen voll Zu­cker bitt­re Me­di­zin ver­süßt“. „Hamp­s­tead Park“er­zählt zwar vom Schick­sal ei­nes Ob­dach­lo­sen, der von ei­ner durch den Tod ih­res ver­schul­de­ten Man­nes ab­ge­stürz­ten Groß­bür­ge­rin ge­ret­tet wird; er ver­packt die­se auf wah­ren Be­ge­ben­hei­ten be­ru­hen­de Ge­schich­te je­doch als bon­bon-bun­te, ro­man­ti­sche Ko­mö­die, wor­auf schon der Un­ter­ti­tel „Lie­be mit Aus­sicht“ver­weist.

Dia­ne Kea­ton spielt die sym­pa­thisch ver­schro­be­ne Wit­we Emily Wal­ters, die in ei­nem schi­cken Haus am ti­tel­ge­ben­den Hamp­s­tead Park wohnt. Die Kos­ten des hoch­herr­schaft­li­chen, re­no­vie­rungs­be­dürf­ti­gen Alt­baus wach­sen ihr al­ler­dings über den Kopf. Schwer ge­nervt ist sie auch von ih­rer Fl­ur­nach­ba­rin Fio­na (Les­ley Man­vil­le), die Emily mit dem Steu­er­be­ra­ter Ja­mes (Ja­son Wat­kins) ver­kup­peln will.

Als Emily von ih­rer Woh­nung aus be­ob­ach­tet, wie meh­re­re Män­ner ei­nen im Park kam­pie­ren­den Ob­dach­lo­sen über­fal­len, wird sie auf­ge­rüt­telt. Do­nald Hor­ner (Bren­dan Glee­son), wie der Ver­letz­te heißt, lebt seit Jahr­zehn­ten in ei­ner selbst­ge­zim­mer­ten Hüt­te, die nun ei­nem teu­ren Spe­ku­la­ti­ons­ob­jekt wei­chen soll. Ge­mein­sam ver­su­chen Emily und Do­nald dies ab­zu­wen­den.

Em­pa­thisch ent­wi­ckelt Hop­kins die Be­zie­hung zwi­schen den bei­den, die schein­bar Wel­ten tren­nen. Vor dem Tod ih­res Man­nes ge­hör­te Emily zur wohl­ha­ben­den Ober­schicht, die auch im Haus das Sa­gen hat. Als Al­lein­ste­hen­de fin­det sie sich in die­ser Ge­sell­schaft nicht mehr zu­recht, fühlt sich de­plat­ziert und ein­sam. Die Al­lü­ren der ver­meint­lich fei­nen Klas­se über­zeich­net Hop­kins sa­ti­risch, aber durch­aus tref­fend. Der ag­gres­siv um Emi­lys Gunst buh­len­de Ja­mes er­scheint als un­sym­pa­thi­sche Witz­fi­gur, wäh­rend Fio­nas über­grif­fi­ges, vor­lau­tes Ge­ha­be nicht nur Emily auf die Ner­ven geht, son­dern auch bald dem Zu­schau­er.

Mit Do­nald, der ein frei­es, na­tur­ver­bun­de­nes Le­ben ge­mäß den Vor­stel­lun­gen des ame­ri­ka­ni­schen Phi­lo­so­phen Hen­ry Da­vid Tho­re­aus führt, prä­sen­tiert der Film ei­nen ra­di­ka­len Ge­gen­ent­wurf zur Welt der Sn­obs, kommt da­bei aber schon wie­der im Main­stream an. Schließ­lich ist Do­nalds Pra­xis des „Ur­ban Gar­de­ning“vor al­lem bei jun­gen Leu­ten ab Mit­te Zwan­zig schwer an­ge­sagt. Zu ech­ten Re­vo­luz­zern tau­gen Emily und Do­nald al­so nicht, da­für ver­lei­hen Kea­ton und Glee­son ih­ren Fi­gu­ren See­le und Sub­stanz. Wit­zig ge­ra­ten be­son­ders die bär­bei­ßi­gen Dia­lo­ge, die sich die bei­den zu Be­ginn ih­rer zu­nächst pla­to­ni­schen Freund­schaft lie­fern. Der Kampf ge­gen die Bau­lö­wen, die das Ge­biet um den Park mit teu­ren Lu­xus­ap­part­ments auf­wer­ten wol­len, tritt bald in den Hintergrund der sich an­bah­nen­den, amü­sant kom­pli­zier­ten Roman­ze zwi­schen Do­nald und Emily.

Als re­le­van­ter Bei­trag zur Gen­tri­fi­zie­rungs­de­bat­te taugt „Hamp­s­tead Park“eher we­ni­ger, als harm­los un­ter­halt­sa­me Vi­si­on ei­ner glück­li­chen spä­ten Lie­be ge­gen al­le Wi­der­stän­de aber schon.

Der Film kommt am 24. Au­gust in die Ki­nos. Kath­rin Hors­ter

KOM­MEN SICH LANG­SAM NÄ­HER: Der Kampf ge­gen Bau­lö­wen schweißt Emily Wal­ters (Dia­ne Kea­ton) und Do­nald Hor­ner zu­sam­men. Fo­to: Sple­ndid Film

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