So liest man Ho­tel­be­wer­tun­gen rich­tig

Bei 99 Pro­zent Wei­ter­emp­feh­lung kann et­was nicht stim­men

Pforzheimer Kurier - - REISE -

sind bei Rei­se­bu­chun­gen im In­ter­net all­ge­gen­wär­tig. Ur­lau­ber schät­zen die Mei­nun­gen der an­de­ren. Wer auf den gro­ßen Por­ta­len un­ter­wegs ist, dem fällt al­ler­dings auf: Rich­tig schlech­te Be­wer­tun­gen gibt es sel­ten.

Ho­tel­be­wer­tungs­por­ta­le ha­ben den In­no­va­ti­ons­wert der An­fangs­jah­re ver­lo­ren – so sieht es Axel Jock­wer, Ex­per­te für On­line-Tou­ris­tik. „Die ein­zel­ne Bewertung ver­liert an Be­deu­tung“, sagt er. „Es ist mitt­ler­wei­le wirk­lich bei je­dem in der Ho­tel­le­rie an­ge­kom­men, dass mo­der­nes Mar­ke­ting oh­ne Be­wer­tun­gen nicht mehr funk­tio­niert“, sagt Jock­wer. Des­halb wer­de die Darstel­lung auf den Web­sei­ten so an­ge­passt, dass je­des Ho­tel mög­lichst gut da­steht – für je­den Typ von Ur­lau­ber. „Wenn ein Ho­tel zu 99 Pro­zent wei­ter­emp­foh­len wird, dann soll­ten die Nut­zer vor­sich­tig sein. Es gibt auch bei Ho­tels nicht die ei­er­le­gen­de Woll­milch­sau“, warnt der Ex­per­te. Da­für sind die An­sprü­che der Rei­sen­den zu un­ter­schied­lich. Die Be­wer­tun­gen sind für Ur­lau­ber aber im­mer noch sehr wich­tig. „Ur­lau­ber ver­trau­en an­de­ren Ur­lau­bern“, gibt die Spre­che­rin von Tri­pad­vi­sor, Su­san­ne Nguy­en, als Kern­bot­schaft aus. Laut ei­ner Stu­die des IT-Ver­bands Bit­kom nutzt fast je­der drit­te Rei­sen­de On­lin­e­be­wer­tun­gen beim Bu­chen ei­nes Ho­tels.

Ge­kauf­te Be­wer­tun­gen spiel­ten ei­ne sehr ge­rin­ge Rol­le, sagt Jock­wer. Er sieht das Pro­blem an an­de­rer Stel­le: „Es gibt ei­nen An­teil von Be­wer­tun­gen in ei­ner Grau­zo­ne.“Die­se ent­ste­he da­durch, dass Ho­tel­be­trei­ber zum Bei­spiel ge­zielt Gäs­te zu ei­ner Bewertung mo­ti­vie­ren, die vom Auf­ent­halt oh­ne­hin be­geis­tert wa­ren.

Ur­lau­ber kön­nen ei­ni­ge Rat­schlä­ge be­ach­ten, um das bes­te Ho­tel für die ei­ge­ne Rei­se zu fin­den. So soll­ten Nut­zer sich auf ein bis zwei Ho­tel- und Be­wer­tungs­por­ta­le be­schrän­ken, an­statt das Netz quer­beet zu durch­su­chen. Die Su­che mit Fil­tern nach be­stimm­ten Ka­teHo­tel­be­wer­tun­gen go­ri­en und Wün­schen er­leich­tert bei der Fül­le an Be­wer­tun­gen die Su­che nach dem rich­ti­gen Ho­tel er­heb­lich. Nut­zer soll­ten sich fra­gen, was ih­nen wirk­lich wich­tig ist und dann die­se Aspek­te be­rück­sich­ti­gen. Drei aus­führ­li­che Be­wer­tun­gen zu le­sen reicht oft, um das Ho­tel grob be­ur­tei­len zu kön­nen.

Nut­zer soll­ten auch auf die Spra­che der Be­wer­tun­gen ach­ten, da sie von Wort­wahl, Zei­chen­set­zung und Satz­bau Rück­schlüs­se auf die Per­son zie­hen kön­nen, die ei­ne Bewertung ge­schrie­ben hat. Wenn Te­enager nör­geln, dass im Haus „ab­so­lut nichts los“ist, sind ru­he­su­chen­de Se­nio­ren dort vi­el­leicht ge­nau rich­tig. Meist lie­fer­ten die Be­wer­tungs­por­ta­le nur we­ni­ge In­for­ma­tio­nen über den Ver­fas­ser ei­ner Bewertung, sagt Jock­wer. Al­ter und Ge­schlecht reich­ten je­doch nicht aus, um zu er­ken­nen, ob die Bewertung den An­sprü­chen des Ho­tel­su­chen­den ent­spricht. „Prinz Charles und Oz­zy Os­bourne sind bei­de Bri­ten und gleich alt, ha­ben aber mit Si­che­r­ein­fach heit an­de­re Vor­stel­lun­gen von ei­nem per­fek­ten Ho­tel.“

Axel Jock­wer selbst war maß­geb­lich am Auf­bau von Ho­li­daycheck be­tei­ligt. Er sagt: Es gibt noch viel zu tun. „In Zu­kunft soll­ten die Fil­ter­me­cha­nis­men aus­ge­baut wer­den.“Ei­ne rie­si­ge Mas­se an Be­wer­tun­gen hilft nicht son­der­lich. Bes­ser sei es, nach Rei­se­ty­pen zu un­ter­schei­den, et­wa Ge­schäfts­leu­te oder Fa­mi­li­en mit Kin­dern. In An­sät­zen gibt es das schon. In Zu­kunft könn­ten Fil­ter noch bes­ser da­bei hel­fen, das Wunsch­ho­tel zu fin­den. Pau­li­ne Sick­mann

ZU SCHÖN, UM WAHR ZU SEIN: Wenn sich die Ho­tel­kri­ti­ker vor Be­geis­te­rung über­schla­gen, soll­ten Nut­zer miss­trau­isch wer­den. Fo­to: Warnecke / tmn

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