Achil­les­fer­se

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - MICHA­EL JAN­KE

Das seit Mo­na­ten Be­fürch­te­te ist pas­siert: Die Rhein­tal­bahn ist an ih­rer engs­ten Stel­le un­ter­bro­chen. Vor­aus­sicht­lich zwei Wo­chen lang wird die Stre­cke bei Ras­tatt ge­kappt sein, den Tun­nel­bau­ern ist es trotz al­ler Vor­keh­run­gen nicht ge­lun­gen, oh­ne Scha­den un­ter ei­ner der be­deu­tends­ten Tras­sen des Lan­des hin­durch­zu­kom­men. Nicht aus­zu­den­ken, wenn über die ver­bo­ge­nen Schie­nen ein ICE oder ei­ne S-Bahn ge­don­nert wä­re.

Auf Bahn­pend­ler kom­men jetzt har­te Zei­ten zu. Die Stra­ßen sind we­gen zahl­rei­cher Bau­stel­len oh­ne­hin ver­stopft, ab heu­te wer­den sich zu­sätz­lich die­je­ni­gen in den Stau stel­len, die von der Stre­cken­sper­rung be­trof­fen sind und auf die Stra­ße aus­wei­chen müs­sen.

Vor al­lem aber für den eu­ro­päi­schen Bahn­ver­kehr sind die Aus­wir­kun­gen die­ser Ha­va­rie enorm. Die Haupt­ach­se in die Schweiz und zum Gott­hard­tun­nel ist dicht, die Fern- und Gü­ter­zü­ge kön­nen nur be­dingt um­ge­lei­tet wer­den, da der zwei­te Kor­ri­dor über Stutt­gart und Sin­gen we­gen der Einglei­sig­keit ab Horb kaum freie Ka­pa­zi­tä­ten hat. Die Zu­sam­men­ar­beit

mit dem fran­zö­si­schen Nach­barn, die noch in den 70er Jah­ren et­wa bei den An­schlä­gen des Bahnat­ten­tä­ters „Mon­sieur X“funk­tio­niert hat, kommt kaum noch in Fra­ge, weil die Stre­cke jen­seits des Rheins nicht elek­tri­fi­ziert ist und ein ICE nicht mit vor­ge­spann­ter Die­sel­lok fah­ren kann.

Dies al­les zeigt, dass die rund fünf Ki­lo­me­ter zwi­schen Ras­tatt und Hau­e­n­e­ber­stein, die als letz­te nur zwei Glei­se und kei­ne Aus­weich­mög­lich­keit ha­ben, die Achil­les­fer­se im deut­schen Bahn­ver­kehr sind. Um­so er­staun­li­cher ist, dass es die Bahn auf ei­ne solch schwer­wie­gen­de Pan­ne an­kom­men ließ. In an­de­ren Fäl­len wur­den im Vor­feld Be­helfs­glei­se ver­legt, die den neur­al­gi­schen Punkt um­fah­ren und über die der Ver­kehr wäh­rend der Bau­ar­bei­ten ab­ge­wi­ckelt wur­de.

Wenn die Bahn jetzt „mit Hoch­druck“an ei­nem Not­fahr­plan ar­bei­tet, heißt das: Sie war auf den Fall, den man­cher In­ge­nieur be­fürch­tet hat­te, nicht vor­be­rei­tet. Das passt auch zu der schlech­ten In­for­ma­ti­ons­po­li­tik für die vie­len ge­stran­de­ten Fahr­gäs­te an den Bahn­hö­fen.

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