„Ei­gent­lich wä­ren wir jetzt schon in Ba­sel“

An vie­len Bahn­hö­fen in der Re­gi­on herrsch­te Cha­os / In Karls­ru­he bie­ten Fris­bees ei­nen will­kom­me­nen Zeit­ver­treib

Pforzheimer Kurier - - BAHNCHAOS IM RHEINTAL -

Die Stre­cken­sper­rung bei Ras­tatt hat­te auf ei­ni­ge Bahn­hö­fe in der Re­gi­on enor­me Aus­wir­kun­gen. Die BNN ha­ben sich am Wo­che­n­en­de vor Ort um­ge­se­hen und mit Rei­sen­den so­wie Hel­fern ge­spro­chen.

Ba­den-Ba­den

Die Sper­rung der Bahn­stre­cke zwi­schen Karls­ru­he und Of­fen­burg hat am ver­gan­ge­nen Sams­tag da­zu ge­führt, dass rund 1 500 Zug­rei­sen­de am Bahn­hof Ba­den-Ba­den ge­stran­det sind. Die Zü­ge aus Rich­tung Sü­den en­de­ten und wen­de­ten in der Bä­der­stadt. Die Fahr­gäs­te muss­ten aus­stei­gen und zum Teil meh­re­re St­un­den war­ten, bis der Bus­not­ver­kehr ein­ge­rich­tet war, um sie wei­ter­zu­trans­por­tie­ren. Bahn­stei­ge und der Bahn­hofs­vor­platz wa­ren schnell über­füllt. Po­li­zei, Feu­er­wehr und zu­sätz­li­che DB-Mit­ar­bei­ter wa­ren im Ein­satz, um die Men­schen zu be­treu­en. Nach An­ga­ben der Po­li­zei gab es kei­ne grö­ße­ren Stö­run­gen oder Ge­fähr­dun­gen der Rei­sen­den.

Die Stadt hat­te ih­ren Ka­ta­stro­phen­ein­satz­stab un­ter der Lei­tung von Bür­ger­meis­ter Micha­el Geg­gus zu­sam­men­ge­ru­fen. Auch die Feu­er­wehr hat­te ei­nen Stab ge­bil­det. In ers­ter Li­nie ging es dar­um, nach Über­nach­tungs­mög­lich­kei­ten für die Bahn­rei­sen­den zu su­chen. Da die Ho­tels kom­plett be­legt wa­ren, war vor­ge­se­hen, in der Rhein­tal­hal­le Sandwei­er Not­un­ter­künf­te be­reit­zu­stel­len. Das war am En­de nicht er­for­der­lich, weil die Rei­sen­den nach und nach mit Bus­sen wei­ter­fuh­ren. Micha­el Ru­dol­phi

Ras­tatt

Al­les an­de­re als ent­spannt ist die Si­tua­ti­on am Ras­tat­ter Bahn­hof. Die Rei­sen­den kla­gen über schlech­te Or­ga­ni­sa­ti­on, zu we­ni­ge Bahn-Mit­ar­bei­ter vor Ort und „kei­ne Laut­spre­cher­durch­sa­gen“. Wenn bis­wei­len doch ein­mal In­for­ma­tio­nen per Laut­spre­cher er­tö­nen, sind sie kaum zu hö­ren. Ei­ni­ge Rei­sen­de ha­ben kei­ne Lust auf den ein­ge­rich­te­ten Bus­ver­kehr und las­sen sich, falls mög­lich, pri­vat ab­ho­len oder ver­su­chen, per An­hal­ter an ihr Ziel zu kom­men.

Ei­ne der we­ni­ge Be­treue­rin­nen der Deut­schen Bahn vor Ort, An­ge­la Dän­ner, hat kei­nen leich­ten Stand: „Es ist schwie­rig, an Wo­che­n­en­den Leu­te zu or­ga­ni­sie­ren, wir muss­ten so­gar aus Frei­burg Er­satz­bus­se hier­her be­or­dern.“Hoch­be­trieb herrscht auch an der neu­en Toi­let­ten­an­la­ge am Bahn­hofs­vor­platz: Hier ge­ben sich die Rei­sen­den förm­lich die Klin­ke in die Hand. Ste­fan Maue

Karls­ru­he

„Ei­gent­lich wä­ren wir jetzt schon in Ba­sel“, sagt der jun­ge Mann mit Schwei­zer Ak­zent mit Blick auf sei­ne Arm­band­uhr. Statt­des­sen ver­treibt er sich die Zeit mit ein paar Freun­den und spielt Fris­bee auf dem Platz hin­ter dem Karls­ru­her Haupt­bahn­hof. Die jun­gen Leu­te sind Schwei­zer Na­tio­nal­spie­ler. Sie kom­men ge­ra­de aus dem nie­der­län­di­schen Ve­en­da­al, wo sie an der Ju­nio­ren-Eu­ro­pa­meis­ter­schaft im „Ul­ti­ma­te Fris­bee“teil­ge­nom­men ha­ben.

Gut 70 Per­so­nen um­fasst die Grup­pe, ne­ben den U-17- und U-20-Spie­lern sind auch noch Trai­ner und Be­treu­er da­bei, die es sich nun zwi­schen ih­rem Ge­päck auf dem As­phalt be­quem ge­macht ha­ben. Man­che ha­ben ih­ren Cam­ping­stuhl aus­ge­packt. Me­dail­len ha­ben sie kei­ne er­run­gen, da­für aber viel Spaß ge­habt. Der ist in Karls­ru­he für die jun­gen Schwei­zer erst ein­mal zu En­de. „Wir wis­sen nicht ge­nau wie und wann es wei­ter­geht. Wir sind ja schon al­lei­ne so vie­le, dass wir ei­nen gan­zen Bus fül­len“, sagt ei­ner der Fris­bee­spie­ler und zuckt mit den Schul­tern. Doch ein Bus, der das Na­tio­nal­team nach Ras­tatt oder Ba­denBa­den bringt, wo die Rei­se wei­ter Rich­tung Ba­sel ge­hen soll, ist nicht in Sicht. Statt­des­sen strö­men im­mer mehr Rei­sen­de mit Kof­fern, teil­wei­se auch mit be­pack­ten Fahr­rä­dern, zum Sam­mel­punkt am Bus­bahn­hof, wo die Fris­bees mun­ter wei­ter flie­gen. Pa­tri­zia Ka­luz­ny

Of­fen­burg

Weit ru­hi­ger als bei der Voll­sper­rung der Rhein­tal­bahn vor zwei Wo­chen ging es am Sams­tag am Of­fen­bur­ger Bahn­hof zu. Vor al­lem die Bahn, die vor zwei Wo­chen für feh­len­de In­for­ma­tio­nen nicht nur im Um­gang mit Rei­sen­den, son­dern auch ge­gen­über Feu­er­wehr und Po­li­zei und das dar­aus ent­ste­hen­de teil­wei­se ge­fähr­li­che Cha­os auf dem Of­fen­bur­ger Bahn­hof mas­siv kri­ti­siert wor­den war, zeig­te sich dies­mal bes­ser vor­be­rei­tet. Das Un­ter­neh­men be­setz­te um­ge­hend zu­sätz­li­che In­for­ma­ti­ons­schal­ter, ein von der Of­fen­bur­ger Feu­er­wehr ein­ge­rich­te­tes La­ge­zen­trum sorg­te da­für, dass al­le Be­tei­lig­ten auf dem ak­tu­el­len Stand wa­ren. Für ge­stran­de­te Rei­sen­de wur­de ein so­ge­nann­ter Ho­tel­zug be­reit­ge­stellt, den aber nur rund 30 Men­schen nutz­ten. DRK und Mal­te­ser Hilfs­dienst ver­sorg­ten Fahr­gäs­te am Bahn­steig mit 200 Por­tio­nen Ein­topf.

Auch weil schnell die Wei­ter­fahrt mit Re­gio­nal­zü­gen or­ga­ni­siert wer­den konn­te, stran­de­ten weit we­ni­ger Rei­sen­de in Of­fen­burg als vor zwei Wo­chen, als die Bahn­stre­cke we­gen ei­nes Un­wet­ters zur Haupt­ver­kehrs­zeit am Sonn­tag­nach­mit­tag gleich an meh­re­ren Stel­len un­ter­bro­chen war. Noch in der Nacht zu ges­tern konn­ten dies­mal die meis­ten der 45 ein­ge­setz­ten Hel­fer wie­der ab­ge­zo­gen wer­den. Frank Löh­nig

NICHTS GEHT mehr: die ab­ge­senk­ten Glei­se in Ras­tatt. Fo­tos: jo­do/Deck

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