„Wachs­tum ist ei­ne pri­ma Sa­che“

Pri­vat­kun­den­vor­stand Micha­el Man­del ist trotz der jüngs­ten Kri­tik vom Kurs der Com­merz­bank über­zeugt

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT -

Karls­ru­he. Ban­ker sind nicht ge­ra­de da­für be­kannt, rei­hen­wei­se Be­liebt­heits­prei­se zu er­hal­ten. Nach sol­chen strebt Micha­el Man­del auch nicht. Der Pri­vat­kun­den­vor­stand der Com­merz­bank scheut auch vor eher un­po­pu­lä­ren Maß­nah­men nicht zu­rück, um sein Haus auf Wachs­tums­kurs zu brin­gen. „Ich mag Wett­be­werb“, sagt der 50-Jäh­ri­ge beim Ge­spräch in Karls­ru­he mit un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Ma­rio Belt­schak. Man­del sieht die Com­merz­bank gut auf­ge­stellt – auch wenn die Zah­len zu­letzt mau wa­ren.

Herr Man­del, in der jüngs­ten Quar­tals­bi­lanz der Com­merz­bank tauch­ten vie­le ro­te Zah­len auf. Der Vor­stand sieht die Com­merz­bank den­noch auf Kurs. Wie kom­men Sie zu der Ein­schät­zung?

Man­del: Klar ist, wir ha­ben Ver­lust ge­macht. Der Grund da­für ist be­kannt. Wir ha­ben jetzt den Re­struk­tu­rie­rungs­auf­wand ver­bucht, der sich aus der Um­set­zung der Stra­te­gie er­gibt, die wir im Sep­tem­ber 2016 be­schlos­sen ha­ben. Sie spre­chen da­mit un­ter an­de­rem die 9600 Stel­len an, die bis zum Jahr 2020 weg­fal­len sol­len …

Man­del: Ge­nau. Wir hat­ten an­fangs er­war­tet, dass der Um­bau der Bank et­wa 1,1 Mil­li­ar­den Eu­ro kos­ten wird. Nun wis­sen wir, es sind et­wa 300 Mil­lio­nen Eu­ro we­ni­ger. Un­ser Ur­sprungs­plan war, die Hälf­te die­ser Kos­ten in 2017 zu bu­chen und die an­de­re in 2018. Das müs­sen wir nicht mehr, da wir die­se Kos­ten kom­plett in die­sem Jahr ver­ar­bei­ten kön­nen.

Ge­schäft­lich lief es aber auch nicht son­der­lich gut …

Man­del: Das ope­ra­ti­ve Er­geb­nis im ers­ten Halb­jahr war nicht stark, auch nicht im Pri­vat­kun­den­ge­schäft. Trotz­dem sind wir auf dem rich­ti­gen Weg. Wir ha­ben im Sep­tem­ber ver­kün­det, dass wir bis 2020 zwei Mil­lio­nen Kun­den net­to da­zu­ge­win­nen wol­len. Und wir wol­len bei den As­sets wach­sen, al­so bei Wert­pa­pier­vo­lu­men, Kre­dit­vo­lu­men und Ein­la­gen­vo­lu­men. Für bei­de Be­rei­che ha­ben wir un­se­re Zie­le für 2017 im Pri­vat­kun­den­ge­schäft schon jetzt er­reicht – net­to 520 000 neue Kun­den wur­den be­reits ge­won­nen und wir ver­wal­ten ak­tu­ell As­sets von 357 Mil­li­ar­den Eu­ro. Aber Wachs­tum kos­tet Geld, in­so­fern er­klärt das auch un­ser jüngs­tes Quar­tals­er­geb­nis.

Mit ei­nem Stel­len­ab­bau, wie ihn die Com­merz­bank an­ge­kün­digt hat, macht man sich nicht ge­ra­de Freun­de. Wie ist die Stim­mung denn haus­in­tern?

Man­del: Die Ent­schei­dung ist uns nicht leicht­ge­fal­len. Denn von die­sen 9600 Stel­len sind vie­le Mit­ar­bei­ter be­trof­fen. Aber wir al­le re­den über das The­ma Di­gi­ta­li­sie­rung. Und man kann nicht je­des Jahr 500 bis 700 Mil­lio­nen Eu­ro in die Di­gi­ta­li­sie­rung in­ves­tie­ren, wenn man dann nicht die Ef­fi­zi­en­zen in den Pro­zes­sen hebt. Ein Bei­spiel ist das Kre­dit­ge­schäft: Wenn man hier die Pro­zes­se so op­ti­miert, dass in vie­len Fäl­len die Kre­di­tent­schei­dung ma­schi­nell er­folgt, dann wer­den wir da­für in Zu­kunft we­ni­ger Leu­te be­nö­ti­gen. Wir kön­nen nicht so tun, als ob sich durch die Di­gi­ta­li­sie­rung nichts än­dert. Auf der Kun­den­sei­te ha­ben wir aber kaum Ein­spa­run­gen. Weil wir uns auch in Sa­chen Fi­lia­len klar po­si­tio­niert ha­ben. Und da hal­te ich die Zahl von et­wa 1 000 Fi­lia­len für die rich­ti­ge. Und das sind kei­ne lee­ren SBZo­nen.

So vie­le Kun­den wie mög­lich ein­fan­gen, an der bis­he­ri­gen Fi­li­al­struk­tur fest­hal­ten – das „Han­dels­blatt“hat Sie in die­ser Be­zie­hung als Geis­ter­fah­rer in der Bran­che be­zeich­net …

Man­del (lacht): Oh, das ist mein Lieb­lings­the­ma.

Sind Sie si­cher, dass der Plan, ei­nen an­de­ren Weg zu ge­hen als die Kon­kur­renz, auf­geht?

Man­del: Da­von bin ich fest über­zeugt. Wir se­hen ja schon kräf­ti­ges Kun­den- und Vo­lu­men­wachs­tum. Und un­se­re Stra­te­gie ist klar: Wir wol­len in den nächs­ten Jah­ren die Kos­ten in et­wa sta­bil hal­ten. Und wir wol­len über mehr Kun­den, mehr Kon­ten und mehr As­sets die Er­trä­ge suk­zes­si­ve stei­gern. Na­tür­lich gab es Skep­sis, als wir un­se­re Stra­te­gie im Sep­tem­ber vor­ge­stellt ha­ben. Die neu­en Kun­den zei­gen aber, dass wir auf dem rich­ti­gen Weg sind.

Aber bloß weil je­mand ein Kon­to bei Ih­nen hat, ver­die­nen Sie ja nicht zwangs­läu­fig Geld mit dem Kun­den. Man­del: Ich kann Ih­nen ge­nau sa­gen, wel­che Qua­li­tät die Kun­den ha­ben, die zum Bei­spiel im ers­ten Quar­tal 2013 zu uns ge­kom­men sind, und was für ein Ge­schäft wir mit die­sen Kun­den ma­chen. Wir ana­ly­sie­ren das sehr ge­nau. Da­her wis­sen wir: Die Neu­kun­den der letz­ten vier Jah­re sind sehr at­trak­ti­ve Kun­den. Und wir wis­sen auch, dass sich ein Kun­de in et­wa nach 18 Mo­na­ten für uns rech­net. Des­halb ist Wachs­tum ei­ne pri­ma Sa­che. Es lohnt sich, es rech­net sich, es ist be­triebs­wirt­schaft­lich sinn­voll. Es dau­ert aber, bis sich die­ses Wachs­tum bei den Er­trä­gen zeigt.

Sie ern­ten auch Kri­tik für Ih­re Art, Kun­den zu fan­gen. Ein kos­ten­lo­ses Gi­ro­kon­to und so­gar noch ein Bo­nus für Neu­kun­den – ei­ni­ge Kon­kur­ren­ten be­zeich­nen das als un­se­ri­ös – ge­ra­de für ei­ne Bank, die in der Fi­nanz­kri­se noch vom Staat ge­stützt wer­den muss­te.

Man­del: Rich­tig ist: In der Fi­nanz­kri­se gab es ei­ne schwie­ri­ge Si­tua­ti­on. Und in die­ser ha­ben wir Ei­gen­ka­pi­tal zur Ver­fü­gung ge­stellt be­kom­men. Da­für sind wir sehr dank­bar. Ei­nen gro­ßen An­teil da­von, die stil­len Ein­la­gen, ha­ben wir zu­rück­be­zahlt. Jetzt hält der Bund noch ei­ne Be­tei­li­gung von et­was mehr als 15 Pro­zent in Ak­ti­en. Ob, wann und wie ein Ak­tio­när aus­steigt, das ist nicht un­se­re Ent­schei­dung. Zur Kri­tik selbst: Ich wer­de nicht da­für be­zahlt, dass Mit­be­wer­ber das pri­ma fin­den, was ich hier ma­che. Wir ste­hen im Wett­be­werb. Wenn die gan­ze Bran­che jetzt auf die Idee kommt, Bank­ge­schäf­te für Kun­den un­at­trak­ti­ver zu ma­chen – teu­rer, we­ni­ger Fi­lia­len und so wei­ter –, dann ist das nicht mein Pro­blem. Ich wer­de da­für be­zahlt, die Com­merz­bank im Pri­vat­kun­den­ge­schäft auf Wachs­tums­kurs zu brin­gen. Das ge­lingt uns. Ich schaue auch nicht auf Mit­be­wer­ber, son­dern auf Kun­den. Und die schei­nen das, was wir ma­chen, sehr gut zu fin­den, sonst wür­den sie nicht zu uns kom­men. Den Ban­ken fällt das Geld­ver­die­nen der­zeit vor al­lem we­gen der an­hal­ten­den Nied­rig­zins­pha­se schwer. Was wür­den Sie EZB-Chef Ma­rio Draghi denn in Be­zug dar­auf sa­gen?

Man­del: Erst mal wür­de ich mich fra­gen, ob es ihn über­haupt in­ter­es­siert, was ich sa­ge. Denn die EZB hat ja das er­reicht, was sie sich mit den nied­ri­gen Zin­sen vor­ge­nom­men hat, das muss man fai­rer­wei­se sa­gen. Die Nied­rig­zin­sen kön­nen aber kein Dau­er­zu­stand sein. Was ich sehr kri­tisch se­he: Das knap­pe Gut Li­qui­di­tät, das nor­ma­ler­wei­se be­preist wird, gibt es jetzt qua­si um­sonst. Das ist nicht gut. Auf lan­ge Sicht muss mei­ner Mei­nung nach auch ei­ne Zen­tral­bank be­rück­sich­ti­gen: Li­qui­di­tät hat ei­nen Preis.

Wann wird das pas­sie­ren?

Man­del (denkt kurz nach): Was man fest­stellt ist, es gibt ei­ne of­fe­ne Dis­kus­si­on über die Zins­po­li­tik. Das ist hilf­reich. Wann wir aber wie­der nor­ma­le Zin­sen ha­ben – und selbst wenn sie wie­der auf null ge­hen, wä­re das noch nicht nor­mal – kann ich Ih­nen nicht vor­her­sa­gen.

NICHT UM BE­LIEBT­HEITS­PREI­SE kämpft Micha­el Man­del. Der Pri­vat­kun­den­vor­stand der Com­merz­bank nimmt für den Wachs­tums­kurs sei­nes Hau­ses auch Kri­tik der Kon­kur­renz in Kauf. Fo­to: jo­do

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