Die Li­nie rückt nä­her

„Som­mer­grip­pe“zeich­net sich am Ak­ti­en­markt ab

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT -

„Vie­le Men­schen in Deutsch­land über­schät­zen das Ri­si­ko der Ak­ti­en­märk­te und un­ter­schät­zen die Chan­cen“, sagt Ve­ro­ni­ka Csi­zi. Die Fi­nanz­jour­na­lis­tin lässt für die Le­se­rin­nen und Le­ser je­de Wo­che das Bör­sen­ge­sche­hen Re­vue pas­sie­ren und er­klärt da­bei die Zu­sam­men­hän­ge.

Erst­mals seit April ist der Dax in der ver­gan­ge­nen Wo­che wie­der un­ter die Mar­ke von 12 000 Punk­ten ge­rutscht. Zwar er­hol­te er sich zum Wo­chen­schluss wie­der, so dass das Wo­chen­mi­nus von 1,16 Pro­zent auf 12 016 Punk­te an­ge­sichts der eher un­an­ge­neh­men Zu­spit­zun­gen in Nord­ko­rea ei­gent­lich be­schei­den blieb. Al­ler­dings baut sich den­noch Un­ge­mach auf. Zum ei­nen, weil der Dax in­zwi­schen der wich­ti­gen und von vie­len In­ves­to­ren be­ach­te­ten 200-Ta­ge-Li­nie sehr na­he­ge­kom­men ist. Sie ver­läuft der­zeit bei 11 900 Punk­ten. Fällt der Kurs­ver­lauf des Dax im Chart un­ter sei­nen Durch­schnitt der ver­gan­ge­nen 200 Ta­ge, dann gilt dies nicht we­ni­gen In­ves­to­ren als Ver­kaufs­si­gnal. Ge­le­gent­lich je­doch wird die Li­nie ge­tes­tet, aber nur kurz un­ter­schrit­ten, sie ist al­so durch­aus auch ei­ne Art Wi­der­stand.

Hin­zu kommt um­ge­kehrt je­doch, dass mehr als die Hälf­te der 30 Da­xAk­ti­en be­reits un­ter ih­re ei­ge­ne 200-Ta­ge-Li­nie ge­fal­len sind und da­mit Ver­kaufs­si­gna­le ge­ne­riert ha­ben. Zwei­tens droht Un­ge­mach von den US-Bör­sen. Der Dow Jo­nes et­wa hat bis­her noch kei­ne 300 Punk­te kor­ri­giert, zu­vor dau­ernd neue Re­kord­ni­veaus er­klom­men. An­ders als der Dax no­tiert der In­dex weit über sei­ner 200-Ta­ge-Li­nie, et­wa 1300 Punk­te dar­über. Was in Eu­ro­pa ge­schieht, soll­ten auch die US-Märk­te ei­ne in­zwi­schen lan­ge er­ar­bei­te­te und drin­gend nö­ti­ge Kor­rek­tur­pha­se durch­lau­fen, kann sich je­der leicht vor­stel­len. Zwar funkt die Kon­junk­tur auf bei­den Sei­ten des At­lan­tiks kaum Schwä­che­zei­chen, den­noch kön­nen die Bäu­me nir­gends in den Him­mel wach­sen. Ei­ni­ge wich­ti­ge Kenn­zah­len, et­wa die Ein­kaufs­ma­na­ger-In­di­zes, sind leicht ge­fal­len, doch be­deu­tet dies nur, dass sich die Wachs­tums­ra­ten sta­bi­li­sie­ren statt wei­ter mit ho­her Dy­na­mik zu ex­plo­die­ren. An den Ak­ti­en­märk­ten ist die Som­mer­grip­pe auch ei­ne re­gel­mä­ßig wie­der­keh­ren­de Er­kran­kung, die meist bis Mit­te oder En­de Ok­to­ber wie­der aus­ge­heilt ist – und bis da­hin sind neue En­ga­ge­ments nicht un­be­dingt zwin­gend.

Der Nord­ko­rea-Kon­flikt sei der Grund für die Ver­käu­fe, hieß es zu­letzt. In der Tat ha­ben man­che In­ves­to­ren nun auch in den USA Ar­gu­men­te ge­fun­den, die jüngst er­ziel­ten Ge­win­ne zu rea­li­sie­ren. Soll­te das ver­ba­le Sä­bel­ras­seln es­ka­lie­ren, könn­ten wei­te­re An­le­ger­krei­se die Reiß­lei­ne zie­hen. Von der la­ten­ten Kriegs­angst pro­fi­tiert wie­der­um Gold, das um 2,5 Pro­zent teu­rer wird.

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