Was ge­schah auf der Nau­ti­lus?

Dä­ni­scher U-Boot-Ka­pi­tän ver­haf­tet

Pforzheimer Kurier - - BLICK IN DIE WELT - Von Lenn­art Si­mons­son und Klaus Blu­me

Kopenhagen. Der in Dä­ne­mark als pri­va­ter U-Boot- und Ra­ke­ten­bau­er be­kann­te In­ge­nieur und Tüft­ler Pe­ter Mad­sen ist nach dem Ver­schwin­den ei­ner schwe­di­schen Jour­na­lis­tin ver­haf­tet wor­den. Die Staats­an­walt­schaft in Kopenhagen wirft dem 46-Jäh­ri­gen vor, die Re­por­te­rin Kim Wall (30) am Don­ners­tag ge­tö­tet zu ha­ben. Von der jun­gen Frau fehl­te bis zum gest­ri­gen Sonn­tag je­de Spur.

Be­reits am Sams­tag­abend ver­häng­te ein Ge­richt ge­gen Mad­sen we­gen Vor­wurfs der fahr­läs­si­gen Tö­tung 24 Ta­ge Un­ter­su­chungs­haft, wie die Nach­rich­ten­agen­tur Ritzau mel­de­te. Mad­sen selbst weist al­le An­schul­di­gun­gen zu­rück. Mad­sen ist stol­zer Be­sit­zer der „UC3 Nau­ti­lus“, ei­nes von ihm selbst ent­wor­fe­nen fast 18 Me­ter lan­gen U-Boo­tes. Wall wur­de zu­letzt ge­se­hen, als sie mit ihm am Don­ners­tag in Kopenhagen an Bord ging. Sie woll­te an­schei­nend ei­ne Ge­schich­te über den Self-Ma­de-Boots­bau­er schrei­ben. Mad­sen sag­te, er ha­be die Frau auf ei­ner In­sel im Ko­pen­ha­ge­ner Ha­fen­ge­biet ab­ge­setzt. Die Nau­ti­lus sank dann, Mad­sen wur­de nach An­ga­ben der Po­li­zei von ei­nem pri­va­ten Schiff ge­ret­tet und an Land ge­bracht.

Der Mann gilt in der dä­ni­schen Tech­nikund Grün­der­sze­ne als schil­lern­de Fi­gur. Vor der Nau­ti­lus hat­te er schon zwei klei­ne­re U-Boo­te mit­ge­baut. Er ent­wirft au­ßer­dem Ra­ke­ten, wes­halb ihn dä­ni­sche Me­di­en auch „Ra­ke­tenMad­sen“nen­nen. Er und sei­ne Mit­strei­ter tes­te­ten 2011 und 2012 schon un­be­mann­te Ra­ke­ten vor Born­holm. An­schei­nend hat­te Mad­sen ei­nen pri­va­ten be­mann­ten Flug ins All im Sinn. Die nach dem sa­gen­haf­ten Un­ter­see­boot des Ka­pi­täns Ne­mo aus den Ro­ma­nen von Ju­les Ver­ne be­nann­te Nau­ti­lus ist 17,76 Me­ter lang, zwei Me­ter breit und hat ei­ne Was­ser­ver­drän­gung von 37 Ton­nen. Sie kann laut Mad­sens Web­site min­des­tens 100 Me­ter tief tau­chen.

Es war bis ges­tern zu­nächst noch un­klar, wes­halb sie in der Nacht zum Frei­tag ha­va­rier­te. „Ich war auf ei­ner Pro­be­fahrt und ha­be ein paar Din­ge an dem U-Boot ge­tes­tet. Dann ist et­was mit ei­nem Bal­last­tank schief­ge­gan­gen“, wur­de Mad­sen zi­tiert. Am Sams­tag wur­de sie aus sie­ben Me­tern Was­ser­tie­fe in der Kø­ge Bugt süd­lich der Haupt­stadt ge­ho­ben und in den Ha­fen ge­bracht. Am Sonn­tag­früh wur­de zu­nächst das Was­ser ab­ge­las­sen. Dann gin­gen Tech­ni­ker mit Schutz­klei­dung und Gas­mas­ken an Bord und durch­such­ten es.

„Kein Mensch wur­de an Bord ge­fun­den, nicht le­bend und nicht tot“, sag­te Po­li­zei­spre­cher Jens Mol­ler Jen­sen an­schlie­ßend. Es ge­be An­zei­chen, dass die Nau­ti­lus ab­sicht­lich ver­senkt wur­de, sag­te er wei­ter, oh­ne ins De­tail zu ge­hen. Walls Fa­mi­lie sag­te am Sams­tag, sie hof­fe, die Re­por­te­rin wer­de „si­cher und wohl­auf“ge­fun­den. „Mit gro­ßer Be­stür­zung ha­ben wir die Nach­richt er­hal­ten, das Kim ver­misst wird“, teil­te die Fa­mi­lie in ei­ner in dä­ni­schen und schwe­di­schen Me­di­en ver­öf­fent­lich­ten Er­klä­rung mit. Po­li­zei­spre­cher Mol­ler Jen­sen sag­te: „Wir hof­fen, sie le­bend zu fin­den, sind aber auch dar­auf vor­be­rei­tet, dass das nicht der Fall sein wird.“

Jour­na­lis­tin spur­los ver­schwun­den

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