Das De­ba­kel bleibt aus

Der FC Nöttingen ver­passt die Über­ra­schung – aber ern­tet Re­spekt

Pforzheimer Kurier - - NÖTTINGEN IM DFB-POKAL - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Se­bas­ti­an Kapp

ins Karls­ru­her Wild­park­sta­di­on aus, wo den Spie­lern die Um­ge­bung fremd ist. Dort Heim­vor­teil ge­gen Bay­ern Mün­chen? Der Re­kord­meis­ter hat sei­ne Fans über­all. Heim­vor­teil ge­gen den VfL Bochum? Der geht bei nicht mal 3 000 Zu­schau­ern un­ter. He­xen­kes­sel sieht an­ders aus.

Für ei­ne Po­kal­über­ra­schung braucht es kein Ge­setz, son­dern zwei Din­ge: ei­nen Au­ßen­sei­ter, der am obe­ren Rand sei­ner Mög­lich­kei­ten spielt. Und ei­nen Fa­vo­ri­ten, der es an der rich­ti­gen Ein­stel­lung man­geln lässt. Die Nöt­tin­ger er­füll­ten ih­ren Part ges­tern erst nach drei Mi­nu­ten vor­bild­lich. Und die Bochu­mer zeig­ten trotz Kri­tik im­mer noch zu viel von ih­rer Klas­se.

Hät­te Bochum ge­patzt, hät­te man ihn si­cher ge­hört, den Satz vom Po­kal und sei­nen ei­ge­nen Ge­set­zen. Da­bei wä­re er für die Nöt­tin­ger nur ei­nes: re­spekt­los. Was sie an po­si­ti­ven Er­in­ne­run­gen und Er­kennt­nis­sen aus dem Spiel mit­neh­men kön­nen, vom druck­vol­len Spiel ge­gen den Fa­vo­ri­ten bis zum Frei­stoß­ham­mer von Ma­rio Bil­ger, das ha­ben sie kei­nen hö­he­ren Re­ge­lun­gen zu ver­dan­ken. Sie ha­ben es sich ein­fach selbst ver­dient.

Es ist schon son­der­bar, was da ges­tern im Karls­ru­her Wild­park­sta­di­on ge­sche­hen ist: Da ver­liert der FC Nöttingen mit 2:5 (0:2) im DFB-Po­kal ge­gen den VfL Bochum, und trotz­dem ist es der Trai­ner der Un­ter­le­ge­nen, der nach dem Spiel die Gra­tu­la­tio­nen ent­ge­gen­neh­men darf – und auch selbst aus­spricht: „Ich bin stolz auf mei­ne Mann­schaft, sie hat sich nie hän­gen las­sen“, sag­te Ko­lin­ger in der Pres­se­kon­fe­renz. 87 Spiel­mi­nu­ten vor­her hat­te das noch ganz an­ders aus­ge­se­hen. Lukas Hin­ter­se­er hat­te den Zweit­li­gis­ten aus Bochum nach drei Mi­nu­ten zum 2:0 ge­schos­sen, nach­dem Gör­kem Saglam be­reits nach 34 Se­kun­den ge­trof­fen hat­te – und das De­ba­kel schien ab­seh­bar, ein 0:10 war mög­lich.

Wäh­rend die mit­ge­reis­ten knapp 800 Bochu­mer Fans schon den Ein­zug in Run­de zwei fei­er­ten, wach­ten die Rem­chin­ger aus ih­rem kol­lek­ti­ven Tief­schlaf auf – und wa- ren zwi­schen­zeit­lich gar die spiel­be­stim­men­de Mann- schaft. Be­reits in der 9. Mi­nu­te hat­ten die Gast­ge­ber die Chan­ce zum An­schluss­tref­fer: Leu­trim Ne­zi­raj hat­te ge­schickt ei­nen Pass im Auf­bau­spiel der Bochu­mer ab­ge­fan­gen, sein Pass auf den mit­ge­lau­fe­nen Er­nes­to de San­tis ge­riet al­ler­dings zu un­ge­nau. Und die wei­te­ren, teils lust­los vor­ge­tra­ge­nen An­grif­fe der Bochu­mer wehr­te der im­mer stär­ker wer­den­de Andre­as Dups im Tor ab. Ma­rio Bil­ger (25.) und Eray Gür (32.) ver­ga­ben wei­te­re gu­te Chan­cen für den FCN. „Am liebs­ten wür­de ich die ers­ten drei Mi­nu­ten ein­fach strei­chen, aber das geht lei­der nicht“, sag­te Ko­lin­ger.

Nach dem Wech­sel fiel der hoch­ver­dien­te An­schluss­tref­fer: De San­tis hat­te nach ei­nem Zwei­kampf mit Patrick Fa­bi­an im Straf­raum die Bo­den­haf­tung ver­lo­ren, den fäl­li­gen Straf­stoß ver­wan­del­te Ti­mo Bren­ner tro­cken in die lin­ke Ecke (51.). 15 Mi­nu­ten lang hoff­ten die Nöt­tin­ger auf die Sen­sa­ti­on, ehe nach ei­nem Stel­lungs­feh­ler der Ab­wehr wie­der Hin­ter­se­er in al­ler See­len­ru­he und un­halt­bar für Dups ab­zie­hen konn­te. Da­nach schwan­den bei den Rem­chin­gern die Kräf­te, Hin­ter­se­er er­ziel­te noch das 4:1 – Hattrick.

Die Nöt­tin­ger ga­ben sich in der Fol­ge nicht auf, trie­ben im­mer wie­der den Ball nach vor­ne und er­ziel­ten so den viel­leicht schöns­ten Tref­fer der Tages: Bil­ger ver­wan­del­te ei­nen 20-Me­ter-Frei­stoß zum 2:4 links oben in den Win­kel (85.). VfL-Tor­wart Fe­lix Dor­ne­busch, der we­gen der Po­kal­ro­ta­ti­on zu sei­nem ers­ten Pflicht­spiel­ein­satz kam, war chan­cen­los. Der ein­ge­wech­sel­te Jan­nik Ban­dow­ski setz­te den Schluss­punkt (87.).

Und doch war den Bochu­mern we­ni­ger zum Fei­ern zu Mu­te als den Nöt­tin­gern. VfLTrai­ner Is­mail Atalan war rest­los be­dient und hat­te „kein Ver­ständ­nis“für das fah­ri­ge Spiel sei­ner Mann­schaft nach dem 2:0. So schien es bei­na­he, als wä­ren doch die Nöt­tin­ger die heim­li­chen Ge­win­ner.

FC Nöttingen: Dups – Bit­zer, Fuchs, Kol­be, Frank (73. Schürg) – Gür, Bren­ner, Kern (67. Braun), Bil­ger – Ne­zi­raj (82. Wal­ter), de San­tis.

VfL Bochum: Dor­ne­busch – Hoo­g­land (68. Gündüz), Fa­bi­an, Bas­ti­ans, So­a­res – Saglam, Lo­sil­la, Mer­kel (58. Stö­ger) – Wurtz (75. Ban­dow­ski), Hin­ter­se­er, Kru­se.

To­re: 0:1 Saglam (1.), 0:2 Hin­ter­se­er (3.), 1:2 Bren­ner (51., Foul­elf­me­ter), 1:3 Hin­ter­se­er (65.), 1:4 Hin­ter­se­er (74.), 2:4 Bil­ger (85.), 2:5 Ban­dow­ski (87.). Zu­schau­er: 2 700. Schieds­rich­ter: Ro­bert Schrö­der (Han­no­ver).

JU­BEL ÜBER DAS TRAUM­TOR: Die Nöt­tin­ger (von links) Hol­ger Fuchs, Ma­rio Bil­ger und Eray Gür freu­en sich über das zwi­schen­zeit­li­che 2:4 zum Leid­we­sen der Bochu­mer Da­ni­lo So­a­res und Jan­nik Ban­dow­ski. Fo­tos (11): Rub­ner

FREUND­LICH gin­gen die bei­den Trai­ner Du­brav­ko Ko­lin­ger (links) und Is­mail Atalan vor dem Spiel mit­ein­an­der um.

NUR AUF DER BANK saß Nöt­tin­gens Stür­mer Micha­el Schürg. In der 73. Mi­nu­te wur­de er für Si­mon Frank ein­ge­wech­selt.

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