Neue Stim­men

Lü­pertz-Dis­kus­si­on

Pforzheimer Kurier - - KULTUR - Mar­kus Lü­pertz

Die Dis­kus­si­on um das Pro­jekt „Ge­ne­sis“, das der Künst­ler Mar­kus Lü­pertz (Fo­to: Deck) in den sie­ben Sta­tio­nen der künf­ti­gen Karls­ru­her Un­ter­pflas­terStra­ßen­bahn (U-Strab) ver­wirk­li­chen will, zieht wei­ter Krei­se. Nach­dem die Süd­deut­sche Zei­tung (SZ) am ver­gan­ge­nen Frei­tag un­ter dem Ti­tel „Der al­te Mann will mehr“ein In­ter­view mit Pe­ter Wei­bel ver­öf­fent­licht hat­te, in dem der Vor­stand des Karls­ru­her Zen­trums für Kunst und Me­di­en (ZKM) sei­ne Ar­gu­men­te ge­gen das Vor­ha­ben dar­leg­te, nimmt sich jetzt „Der Spie­gel“des The­mas an. In der jüngs­ten Aus­ga­be des Wo­chen­ma­ga­zins gibt des­sen Karls­ru­he-Kor­re­spon­dent sei­ne Ver­si­on wie­der. Da­nach sei der Ober­bür­ger­meis­ter der Stadt, Frank Men­trup, an den Ma­ler und Bild­hau­er an­läss­lich des Stadt­ge­burts­tags von Karls­ru­he 2015 her­an­ge­tre­ten und ha­be an­ge­fragt, ob er der Stadt nicht ein Kunst­werk schen­ken wol­le. Hin­ge­gen hat­te Lü­pertz ge­gen­über den Ba­di­schen Neu­es­ten Nach­rich­ten be­reits An­fang ver­gan­ge­ner Wo­che er­klärt, er sei mit der Bit­te an die Stadt her­an­ge­tre­ten, in den U-Strab-Sta­tio­nen Ke­ra­mi­ken zei­gen zu dür­fen, in de­nen er sich mit der Ent­ste­hung der Welt aus­ein­an­der­setzt. Er ver­wies zu­dem Kri­ti­ker in die Schran­ken, nach de­ren Auf­fas­sung un­ter­ir­di­sche Hal­te­stel­len nicht der rich­ti­ge Ort für christ­li­che Kunst sei. Wer das The­ma „Ge­ne­sis“nur auf die Bi­bel be­zie­he, se­he es zu eng. Das Er­geb­nis des künst­le­ri­schen Gestal­tungs­pro­zes­ses könn­te „so­gar an­ti­christ­lich sein“, gab der Künst­ler zu ver­ste­hen.

Zur An­ge­mes­sen­heit des Stand­orts hat sich jetzt auch der De­kan des Ka­tho­li­schen De­ka­nats Karls­ru­he Hu­bert Stre­ckert im Dom Ra­dio, dem Hör­funk­sen­der des Erz­bis­tums Köln, ge­äu­ßert. Auf die Fra­ge „Sie se­hen al­so nicht ei­ne Ten­denz, dass al­les, was mit Bi­bel, Chris­ten­tum und Kir­che zu tun hat, ab­ge­wer­tet wür­de?“ant­wor­te­te er: „Wür­de ich jetzt so nicht sa­gen. Ich se­he al­ler­dings na­tür­lich auch, dass wir als Kir­che ei­nen gro­ßen Be­deu­tungs­ver­lust ha­ben und wir uns ar­gu­men­ta­tiv gut auf­stel­len müs­sen, um un­se­re Deu­tung und un­se­re The­men im öf­fent­li­chen Le­ben dar­zu­stel­len.“In die­sem Zu­sam­men­hang er­ken­ne er in dem Lü­pertz-Vor­ha­ben ei­ne gro­ße Chan­ce für ei­ne tie­fer ge­hen­de Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Ur­sprung des Seins. -bl.

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