Iso­lier­glas in der his­to­ri­schen Me­tall­spros­se

Fa­kul­tät für Gestal­tung be­kommt neue Fens­ter

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Edith Kopf

Zu dick, zu glän­zend, zu an­ders – und dann fehlt auch noch das Geld: An den neu­en Fens­tern für die Fa­kul­tät für Gestal­tung an der Hoch­schu­le Pforz­heim lässt sich nach­voll­zie­hen, was Denk­mal­schutz be­deu­ten kann. Sie­ben Jah­re ist es her, dass das Pforz­hei­mer Amt für Ver­mö­gen und Bau die Sa­nie­rungs­auf­ga­be in An­griff nahm.

Jetzt sind Fens­ter­bau­er da­bei um­zu­set­zen, was 2010 in en­ger Zu­sam­men­ar­beit mit der Denk­mal­schutz­be­hör­de aus­ge­tüf­telt wur­de für das his­to­ri­sche Ge­bäu­de.

Es hing am be­nö­tig­ten Geld, nicht an den tech­ni­sch­äs­the­ti­schen De­tails, dass das so lan­ge dau­er­te. Die Grund­satz­ent­schei­dung auf der Ba­sis von fünf Mus­ter­fens­tern sei be­reits 2010 ge­fal­len, er­zählt Ar­chi­tekt Andre­as Haas von Ver­mö­gen und Bau.

Aber auch bei Lan­des­aus­ga­ben pas­siert es eben, dass die Mit­tel feh­len. Das Vor­ha­ben wur­de da­mals nicht be­rück­sich­tigt in ei­nem spe­zi­el­len Pro­gramm für en­er­ge­ti­sche Sa­nie­rung. Da­für wird es jetzt, im Zug des Um­bau für den Um­zug der Mo­de von der Öst­li­chen in die Holz­gar­ten­stra­ße, um­ge­setzt. So viel Ori­gi­nal wie mög­lich, lau­te­te die De­vice für das, was nach den Se­mes­ter­fe­ri­en für ei­ne Kli­ma­ver­bes­se­rung sor­gen soll in der Gestal­tung.

Auf der Ba­sis der teils noch von 1911 stam­men­den ein­fach ver­glas­ten Fens­ter ent­wi­ckel­ten die Ver­ant­wort­li­chen ein Kon­zept, das den Cha­rak­ter des sehr fi­li­gra­nen Baustils und den Nut­zen be­rück­sich­tigt. Da­bei muss­te ins­be­son­de­re auf die un­ge­wöhn­li­che Kon­struk­ti­on der bis zu sie­ben Qua­drat­me­ter gro­ßen Ate­lier­fens­ter ge­ach­tet wer­den. Sie ha­ben ei­nen Holz­rah­men, aber Me­tall­spros­sen.

Wie da­mit um­ge­gan­gen wer­den kann, wur­de an­hand von drei Mus­ter­fens­tern er­probt. Es gab die Va­ri­an­te, al­les – in­klu­si­ve Glas – zu er­hal­ten und nur in Stand zu set­zen. Da das bei Ein­fach­glas en­er­ge­tisch nicht sinn­voll ist, wur­de auch über in­nen­lie­gen­de Schie­be­fens­ter als Er­gän­zung nach­ge­dacht. Das wä­re die teu­ers­te, aber wo­mög­lich auch un­prak­tischs­te Lö­sung ge­we­sen. Au­ßer­dem hät­te sie trotz des Auf­wands Er­schei­nungs­bild des Hau­ses ver­än­dert. „Die bei­den vor­ein­an­der ge­setz­ten Schei­ben hät­ten ei­ne spe­zi­el­le Spie­gel­wir­kung ent­fal­te­ten“, er­läu­tert Andre­as Haas.

Am über­zeu­gends­ten auf Ar­chi­tek­ten und Denk­mal­schüt­zer glei­cher­ma­ßen wirk­te schluss­end­lich das Mus­ter mit ei­nem „ex­trem dün­nem Iso­lier­glas“. Es ist von der „Nut­zung und dem Cha­rak­ter her die ver­träg­lichs­te Lö­sung“. Die neu­en auch en­er­ge­tisch wirk­sa­men Glä­ser wer­den in die dann auf­ge­ar­bei­te­ten ori­gi­na­len Holz­pro­fi­le und Stahl­spros­sen ein­ge­baut. Im Lauf des Sep­tem­ber soll es so weit sein.

Ak­tu­ell sind die Fens­ter­bau­er aus Rott­weil da­mit be­schäf­tigt , die Fens­ter­kon­struk­ti­on von Glas zu be­frei­en. Die Ar­beit läuft par­al­lel zu dem auf ein­ein­halb Jah­re an­ge­leg­ten Ge­samt­um­bau für den Ein­zug der Mo­de­aus­bil­dung. Das Land in­ves­tiert hier ins­ge­samt 2,8 Mil­lio­nen Eu­ro.

Denk­mal­ge­schütz­te An­sicht bleibt er­hal­ten

Die 50 zu er­neu­ern­den Fens­ter fal­len fi­nan­zi­ell nur zu ei­nem ganz ge­rin­gen Teil ins Ge­wicht. Sie ma­chen deut­lich un­ter zehn Pro­zent aus, ist zu er­fah­ren. Ne­ben den Ate­lier­fens­tern gibt es hof­sei­tig auch wel­che, bei de­nen Rah­men und Spros­sen aus Holz sind. Au­ßer­dem wur­den in den 60er-Jah­re Fens­ter ein­ge­baut, die dem da­ma­li­gen Ver­ständ­nis ent­spra­chen. Auch für die­se bei­den Ty­pen wur­den vor sie­ben Jah­ren Mo­del­le an­ge­fer­tigt, da­mit das tra­di­ti­ons­rei­che, und eng mit der Schmuck­in­dus­trie ver­wo­be­ne Ge­bäu­de auch op­tisch wie­der der Be­deu­tung ent­spricht, die es in Pforz­heim hat.

SCHEIBE FÜR SCHEIBE neh­men Jan Ma­t­un­ga (links) und Wal­de­mar La­bitz­ke die Ate­lier­fens­ter in der Fa­kul­tät für Gestal­tung aus­ein­an­der. Sie wer­den re­stau­riert. Fo­to: Wa­cker

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