Schön­fär­be­rei

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM -

Eu­phe­mis­mus ist ein Stil­mit­tel, das Aus­sa­gen oder Din­ge be­schö­nigt, im Kl­ar­text al­so Schön­fär­be­rei. Dar­an muss­te ich ges­tern den­ken, als ich ei­ne Mail er­hielt, bei der der Un­ter­zeich­ner sei­nen Na­men mit dem Zu­satz „Ba­che­l­o­rand“ver­se­hen hat­te.

Ich konn­te mir ein Schmun­zeln nicht ver­knei­fen. Nicht dass ich den jun­gen Mann aus­la­chen woll­te. Nein, wirk­lich nicht. Ich ken­ne ihn zwar nicht per­sön­lich, aber er ist be­stimmt ein ganz Net­ter.

Und er war es si­cher­lich auch nicht, der die Hoch­schul­re­form be­schlos­sen hat, im Rah­men de­rer die Di­plom­stu­di­en­gän­ge ab­ge­schafft und durch die Ba­che­lor- und Mas­ter­stu­di­en­gän­ge er­setzt wur­den, oder wie sag­te der schei­den­de Karls­ru­her Hoch­schul­di­rek­tor kürz­lich in ei­nem In­ter­view in eben die­ser Zei­tung, durch die „Ge­sel­len­und Meis­ter­stu­di­en­gän­ge“.

Ja, ge­nau, denn ana­log zu den Hand­werks­be­ru­fen, wo der Wer­de­gang zu­nächst den Ge­sel­len und spä­ter mög­li­cher­wei­se den Meis­ter vor­sieht, wur­den die­se Be­zeich­nun­gen nun auch auf das Stu­di­um über­tra­gen, nur eben in eng­li­scher Spra­che. Wie sonst auch, hört sich doch im­mer nach et­was mehr an, fin­den Sie nicht?

Aber zu­rück zum Ab­sen­der mei­ner Mail. Der Ba­che­l­o­rand ist aber noch gar kein Ba­che­lor be­zie­hungs­wei­se Ge­sel­le, er muss es erst noch wer­den. Be­mü­hen wir hier auch die Be­griff­lich­keit des Hand­werks, ist ein Ba­che­l­o­rand al­so ein Azu­bi oder Lehr­ling oder, wie wir land­läu­fig sa­gen, ganz ein­fach der „Stift“. Na­ta­lie Viel­sack

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