Har­tes Los der Rass­ler

Mu­si­ker er­in­nern an An­fän­ge der Schmuck­in­dus­trie

Pforzheimer Kurier - - KULTUR IM ENZKREIS / WETTER -

Die Zeit der „Rass­ler“ha­ben vier Mu­si­ker vom Folk-Club Pris­ma Pforz­heim auf­le­ben las­sen. Am Sams­tag­abend ha­ben die Zu­hö­rer im uri­gen Am­bi­en­te der Scheu­ne der Al­ten Schmie­de in Öschel­bronn dicht ge­drängt ge­ses­sen, um sich un­ter dem Mot­to „Rass­ler, Bauer, Gold­schmied“auf die Spu­ren­su­che mit Mu­sik und Tex­ten ein­zu­las­sen.

An­läss­lich des Pforz­hei­mer Ju­bi­lä­ums „250 Jah­re Gold­stadt“ha­ben sich die Mu­si­ker Chris­ti­an Roch, Sven Pu­chelt, Chris­ti­na Ge­rusch­kat und Ro­land Blie­se­ner dem The­ma Rass­ler an­ge­nom­men und ein Bild der Wan­de­rer zwi­schen bäu­er­li­cher Tra­di­ti­on und in­dus­tri­el­ler Mo­der­ne nach­ge­zeich­net.

„Das ist nicht nur ein The­ma für Pforz­heim, son­dern auch für den Enz­kreis, aus dem die Rass­ler ka­men“, er­klär­te Roch. „Si­cher ha­ben vie­le der Zu­hö­rer ei­nen per­sön­li­chen Be­zug zu den Rass­lern“, war sich Roch si­cher und ver­mu­te­te Nach­fah­ren von Rass­lern oder Gold­schmie­den un­ter den Gäs­ten.

Im Vor­feld ha­ben sich die Mu­si­ker da­mit be­schäf­tigt, wel­che Mu­sik die Schmuck­ar­bei­ter zu ih­rer Zeit ge­hört und ge­spielt ha­ben könn­ten. Da es kei­ne di­rek­ten Über­lie­fe­run­gen da­zu gibt, wur­den al­te Lie­der neu ar­ran­giert, so wie das Lied „O Schwarz­wald, o Hei­mat“, das auf ei­nem Ge­dicht aus dem Jahr 1873 be­ruht. Das Pu­bli­kum er­fuhr, dass sich der Pforz­hei­mer Schmuck­fa­bri­kant und Dich­ter Lud­wig Au­er­bach auf ei­ner Wan­de­rung zum See­haus zu die­sem Ge­dicht in­spi­rie­ren ließ, das spä­ter zu ei­nem be­lieb­ten Volks­lied wur­de. An­hand von al­ten Tex­ten wur­den Ein­bli­cke in das Le­ben der Rass­ler le­ben­dig. So war zu hö­ren, dass der Zustrom der Land­be­völ­ke­rung zur Ar­beit in der Pforz­hei­mer Schmuck­in­dus­trie in den 1850er-Jah­ren Schwung auf­nahm. Auch Frau­en er­öff­ne­te sich da­durch ei­ne al­ter­na­ti­ve Le­bens­per­spek­ti­ve. Die so­ge­nann­ten Gold­schmieds­bau­ern be­ar­bei­te­ten auf dem Land ih­re Bö­den und wan­der­ten, teil­wei­se meh­re­re St­un­den täg­lich, nach Pforz­heim und wie­der zu­rück, um als Schmuck­ar­bei­ter Geld zu ver­die­nen. Das Lied „Gold­schmieds Heim­weg“dien­te als sen­ti­men­ta­les Bild vom wa­cke­ren Gold­schmied, der nach der Ar­beit zu „Haus, Gar­ten, Kopf­sa­lat, Weib und Kind“strebt. The­ma­ti­siert wur­de auch die Aus­wan­de­rungs­wel­le in Rich­tung USA, wo ar­me Bau­ern und Ar­bei­ter ihr Glück such­ten. Pas­send da­zu das Lied „Ein stol­zes Schiff“von Erich Schme­cken­be­cher. Mit wei­te­ren Me­lo­di­en und Tex­ten, dar­un­ter auch das spe­zi­ell für die­ses Pro­gramm ge­schrie­be­ne Lied „Wer bist Du“, wur­de der Auf­schwung und Nie­der­gang der bäu­er­li­chen Schmuck­ar­bei­ter er­zählt. Clau­dia Kel­ler

Bäu­er­li­che Tra­di­ti­on und in­dus­tri­el­le Mo­der­ne

VIER MU­SI­KER lie­ßen die Zeit der „Rass­ler“mit ih­rem Pro­gramm „Rass­ler, Bauer, Gold­schmied“in der Scheu­ne der Al­ten Schmie­de in Öschel­bronn auf­le­ben. Fo­to: Ti­lo Kel­ler

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