Kom­bi-Bau­zug hat Fahrt auf­ge­nom­men

Der Schal­wa­gen be­to­niert im Süd­stol­len das letz­te Zehn­tel des U-Strab-Tun­nels / Der Grei­fer ar­bei­tet am Au­to­tun­nel

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Ru­pert Huste­de

In die­sem ver­reg­ne­ten Som­mer er­regt die Ge­mü­ter die Dop­pel­fra­ge: Be­schert Weih­nach­ten 2021 ein Duo, der Künst­ler Mar­kus Lü­pertz und sein Ma­na­ger An­ton Goll, der Fä­cher­stadt ei­ne in Ka­cheln ge­brann­te Schöp­fungs­ge­schich­te in sie­ben Un­ter­grund­sta­tio­nen? Oder zer­platzt die­ses Pro­jekt bald am Wi­der­stand der Karls­ru­her Kul­tur­sze­ne oder we­gen ei­nes Man­gels an Spon­so­ren? Un­ter­des­sen ist es um die U-Strab selbst et­was ru­hig ge­wor­den. Da­bei hat der Karls­ru­her Kom­bi-Bau­zug, der seit sei­nem Start 2010 schon vier Jah­re Ver­spä­tung ein­ge­fah­ren hat, in die­sem Som­mer mäch­tig Fahrt auf­ge­nom­men: Die Roh­bau­ar­bei­ten im Haupt­tun­nel un­ter der Kai­ser­stra­ße und un­ter dem Markt­platz nä­hern sich jetzt mit Rie­sen­schrit­ten dem Ziel.

Auch beim Be­to­nie­ren der Süd­röh­re un­ter der Karl-Fried­rich-Stra­ße scheint es kein Hal­ten mehr zu ge­ben. Ist auch die­ses letz­te Zehn­tel des U-Strab-Tun­nels ge­schafft, dann ist ver­mut­lich im Herbst nach über sie­ben Jah­ren Boh­ren, Gr­a­ben und Be­to­nie­ren die Erd­rutsch und Ein­sturz­ge­fahr in der Karls­ru­her Ci­ty durch die Un­ter­grund­ar­bei­ten end­gül­tig ge­bannt. Zwei­mal kam es beim Rie­sen­boh­rer „Gi­u­lia“in der Kai­ser­stra­ße und ein Mal beim Aus­hub un­ter De­ckel bei der Sta­ti­on „Kro­nen­platz“wie jetzt am Sams­tag beim Tun­nel­bau für die Rhein­tal­bahn süd­lich von Ras­tatt zu ge­fähr­li­chen Sen­kun­gen. Je­des Mal ging es in der U-Strab-Bau­stadt auch dank enor­mer Si­cher­heits­vor­keh­run­gen glimpf­lich ab. Und nach bis zu zwei Wo­chen mit der Sper­rung der ober­ir­di­schen Glei­se für Scha­dens­über­prü­fung, Si­che­rung und Re­pa­ra­tur konn­ten an die­sen Stel­len die Stra­ßen­bah­nen wie­der rol­len.

Schon hat der ge­wal­ti­ge Schal­wa­gen die ers­ten acht von 242 Tun­nel­me­tern zwi­schen den Un­ter­grund­sta­tio­nen Markt­platz und Ett­lin­ger Tor be­to­niert. Ab­schnitts­wei­se wird jetzt der un­ter ei­nem was­ser­ab­wei­sen­den Über­druck von ma­xi­mal 1,2 bar berg­män­nisch ge­gra­be­ne und mit Stahl­be­ton­mat­ten pro­vi­so­risch be­fes­tig­te Stol­len mit ei­ner sta­bi­len Be­ton­röh­re als In­nen­hül­le aus­ge­klei­det. Da­bei kom­men zu­erst die vier schwie­rigs­ten Etap­pen für das un­ter­ir­di­sche Un­ge­tüm „Schal­wa­gen“. Auf den 32 Tun­nel­me­tern süd­lich des Markt­plat­zes be­fin­det sich näm­lich die „Trom­pe­te“des Tun­nels. Dort wei­tet sich die Röh­re Rich­tung U-Sta­ti­on „Markt­platz“zur Drei­glei­sig­keit – da­mit auch der „Pfäl­zer Stum­mel“, das bei der Py­ra­mi­de en­den­de Sack­gleis sei­nen An­schluss nach Sü­den hat. Der Schal­wa­gen hat nun an der dicks­ten Stel­le der „Trom­pe­te“be­gon­nen. „Jetzt war mit dem Be­to­nie­ren ei­ne Wo­che Pau­se. In die­ser Zeit wird der Schal­wa­gen für das nächs­te Trom­pe­ten­stück ent­spre­chend ver­klei­nert“, er­klärt Ka­sig-Pres­se­spre­cher Achim Win­kel. Ha­ben auch die nächs­ten drei Ab­schnit­te mit je acht Me­tern Län­ge ih­re Be­to­nin­nen­scha­le, dann kann laut Win­kel al­les ganz schnell ge­hen. „Für die rest­li­chen je­weils zehn Me­ter lan­gen 21 Ab­schnit­te mit glei­chem Qu­er­schnitt wol­len die Tun­nel­bau­er in 21 Ta­gen fer­tig wer­den“, be­rich­tet Win­kel. Folg­lich kann die U-Strab-Röh­re im Roh­bau tat­säch­lich bei rei­bungs­lo­ser Be­to­na­ge mit dem Schal­wa­gen En­de Ok­to­ber fer­tig wer­den. Ka­sig-Chef Uwe Kon­rath könn­te dann end­gül­tig au­f­at­men, weil der U-Strab-Tun­nel sta­bil im Un­ter­grund liegt. Beim Roh­bau wür­de es dann im Win­ter nur noch um das Her­stel­len der Zwi­schen­ebe­nen und Auf­gän­ge so­wie letz­ter Wand­ele­men­te in den sie­ben U-Sta­tio­nen, vor al­lem beim Schluss­licht „Eu­ro­pa­platz“ge­hen. Zu­dem muss noch die Druck­kam­mer -in­stal­la­ti­on für den Tun­nel­bau un­ter der Karl-Fried­rich-Stra­ße im Nord­kopf der Sta­ti­on „Ett­lin­ger Tor“de­mon­tiert wer­den.

Und dann ist da noch der mit drei Jah­ren Ver­zug ge­ra­de be­gon­ne­ne Bau des Au­to­tun­nels un­ter der Kriegs­stra­ße: Beim Nym­phen­gar­ten bag­gert be­reits der gi­gan­ti­sche Schlitz­wand­grei­fer zwi­schen den zu­vor be­to­nier­ten klei­nen Schlitz­leit­wän­den 20 Me­ter tie­fe Schäch­te. Dort wer­den bald die ers­ten Stahl­spund­wän­de in Be­to­nit be­fes­tigt. Sie bil­den dann die Grund­was­ser ab­wei­sen­den Sei­ten­wän­de der Bau­gru­be. Ist an­schlie­ßend in den bei­den ers­ten Ab­schnit­ten des Au­to­tun­nel­baus am Nym­phen­gar­ten zwi­schen Rit­ter- und Lamm­stra­ße so­wie im Er­hard­bou­le­vard für die Ostram­pe zwi­schen Kapellen- und Ost­end­stra­ße auch ei­ne was­ser­dich­te Soh­le von oben aus durch Boh­run­gen ein­ge­düst, dann ist die Bau­gru­ben­wan­ne per­fekt. Da­nach kann aus­ge­bag­gert wer­den. Fehlt nur noch der Be­ton­de­ckel, und fer­tig sind 2018 die ers­ten bei­den Stü­cke des Au­to­tun­nels.

In­zwi­schen hat auch zwi­schen Ett­lin­ger Tor und Men­dels­sohn­platz der Ab­bruch der Fuß­gän­ger­un­ter­füh­rung zwi­schen Ci­ty und Süd­stadt auf Hö­he der Kreuz­stra­ße be­gon­nen. Wird der Au­to­tun­nel 2021 fer­tig, dann kön­nen die Karls­ru­her an der Kreuz­stra­ße wie an

We­ni­ger Schi­ka­ne gibt es am Ett­lin­ger Tor

meh­re­ren an­de­ren Fä­cher­strah­len den Bou­le­vard oh­ne Au­tod­urch­gangs­ver­kehr, aber mit dann mit Stra­ßen­bahn­ver­kehr, eben­er­dig que­ren.

Die nächs­te Ve­rän­de­rung für die Au­to­fah­rer kommt am Ett­lin­ger Tor. Dort ent­fällt in ei­ni­gen Ta­gen für den Ver­kehr Rich­tung Karls­tor die U-Schi­ka­ne. Die As­phalt­wal­zen ste­hen schon in Stel­lung. Die Fahr­bahn kommt auf den De­ckel des Kom­bi­bau­werks. Auf der Süd­sei­te des Ett­lin­ger Tors wird an­schlie­ßend noch ein­mal auf­ge­bud­delt, da­mit im Spät­herbst – so die Ein­schät­zung der Ka­sig – die neue Ett­lin­ger Stra­ße nach Jah­ren der Sper­rung we­gen des U-Strab-Ein­baus oh­ne Ein­schrän­kun­gen frei be­fahr­bar ist.

HIN­TER DER SICHTSCHUTZWAND, für die Au­to­fah­rer al­so im Ver­bor­ge­nen, packt der ge­wal­ti­ge Schlitz­wand­grei­fer den Au­to­tun­nel­bau in der Kriegs­stra­ße an. Fo­to: jo­do

ACHT ME­TER schafft der gi­gan­ti­sche Schal­wa­gen beim Be­to­nie­ren des Tun­nels auf dem Trom­pe­ten­ab­schnitt im Stol­len un­ter der Karl-Fried­rich-Stra­ße an ei­nem Tag. Da­nach muss er um­ge­rüs­tet wer­den. Fo­to: Ka­sig

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