San­da­len aus Bin­sen und Bam­bus

Im­mer nur der rech­te Schuh: Be­son­de­re Uni­ka­te zeigt das Pfinz­gau­mu­se­um

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE -

Wel­cher Schuh ist der schöns­te? Der aus Bin­sen, der aus Eu­ka­lyp­tus oder doch der aus Pfahl­rohr? Wie­so über­haupt Schu­he aus Na­tur­ma­te­ri­al, aus Bam­bus oder Bir­ken­rin­de? Da muss Hil­de­gund Bran­den­burg denn doch la­chen: „Die­se Schu­he sind nicht zum An­zie­hen. Es sind, wenn Sie so wol­len, Pro­to­ty­pen, die als In­spi­ra­ti­on für neue Mo­del­le die­nen könn­ten“, er­klärt sie.

Die Dur­la­che­rin fer­tigt seit über 30 Jah­ren Schu­he aus Stof­fen, wie die Na­tur sie her­gibt. Kei­ne Schuh­paa­re, son­dern im­mer nur das rech­te Ex­em­plar. War­um? „Es geht mir um den selbst­be­stimm­ten Ar­beits­pro­zess mit kurz­fris­ti­gem Er­geb­nis. Ein zwei­ter Schuh wä­re nur ei­ne Wie­der­ho­lung des Pro­zes­ses mit dem glei­chen Er­geb­nis“, er­läu­tert die Künst­le­rin.

An­ge­fan­gen hat al­les in ei­ner Hüt­te in der Wild­nis von Mit­tel­nor­we­gen, in der Nä­he von Trond­heim. Dort gab es da­mals we­der Was­ser noch Strom. Trink­was­ser kam aus ei­nem Flüss­chen in der Nä­he. „Un­se­re Kin­der be­ka­men ei­nen Zi­vi­li­sa­ti­ons­schock und wa­ren schlecht ge­launt.“Die ge­lern­te Ar­chi­tek­tin er­zählt an­schau­lich, wie sie zu­sam­men mit ih­ren Kin­dern schließ­lich ge­wäs­ser­te Bir­ken­rin­de flocht und das Flecht­werk mit Soh­len aus glat­ter Bir­ken­rin­de ver­band. Die ers­ten San­da­len aus Na­tur­ma­te­ri­al wa­ren fer­tig. So müs­se es vor Ur­zei­ten Müt­tern er­gan­gen sein, die täg­lich Schuh­werk für den Nach­wuchs zau­bern muss­ten, ver­mu­tet sie. Ähn­lich sei sie sich vor­ge­kom­men, wie so ei­ne Art Ur­weib.

Im Lau­fe der 30 Jah­re ka­men über 100 der ori­gi­nel­len Ex­em­pla­re zu­sam­men. Ge­fer­tigt je­weils im Ur­laub, ent­we­der in Nor­we­gen oder an der Co­te d’Azur. Zu se­hen sind die Ob­jek­te bis 29. Ok­to­ber im Pfinz­gau­mu­se­um in der Dur­la­cher Karls­burg in der Aus­stel­lung „Bam­bus, Bin­sen, Bir­ken­rin­de“im Rah­men der Rei­he „Sam­mel­fie­ber. Pri­va­te Samm­le­rin­nen und Samm­ler im Pfinz­gau­mu­se­um“.

Auf drei Holz­re­ga­len und auf Fens­ter­bän­ken prä­sen­tiert das Mu­se­um die un­ge­wöhn­li­chen Ex­po­na­te. Dar­un­ter sind ve­ga­ne Schu­he aus Pfahl­rohr, ei­ner Pflan­ze, die ähn­lich aus­schaut wie Bam­bus. Hil­de­gund Bran­den­burg teilt die Blät­ter, wäs­sert sie, da­mit sie sich gut flech­ten oder grob we­ben las­sen. Wich­tig ist der Ar­chi­tek­tin, die sich 16 Jah­re lang für die Grü­nen im Dur­la­cher Ort­schafts­rat en­ga­gier­te, die Gestal­tung der Schu­he. Als zwei­tes er­forscht sie die Gren­zen der Be­last­bar­keit des je­wei­li­gen Ma­te­ri­als, an drit­ter Stel­le folgt das Zu­sam­men­fü­gen. Hier­bei lie­ge das Pro­blem in der Ver­bin­dung von Soh­le mit Ober­ma­te­ri­al. „Wie ver­bin­de ich das Ma­te­ri­al, so dass es hält? Das ist auch die Fra­ge in der Ar­chi­tek­tur“, sagt die 74-Jäh­ri­ge. „Das Bau­en ist ei­ne Kunst des Fü­gens. Das ist bei der Her­stel­lung von Schu­hen aus ver­schie­dens­ten Ma­te­ria­li­en genau­so.“

Alex­an­dra Kaiser, Lei­te­rin des Pfinz­gau­mu­se­ums, äu­ßert sich be­geis­tert über die Aus­stel­lung „Bam­bus, Bin­sen, Bir­ken­rin­de“. Kaiser hofft, dass sich noch mehr Leu­te mel­den, die sich mit ku­rio­sen oder un­ge­wöhn­li­chen Samm­lun­gen be­schäf­ti­gen. „Das muss gar nichts Wert­vol­les sein“, un­ter­streicht sie. Mo­ni­ka John

„Das Bau­en ist ei­ne Kunst des Fü­gens“

HIL­DE­GUND BRAN­DEN­BURG prä­sen­tiert bis zum 29. Ok­to­ber ihr un­ge­wöhn­li­ches Schuh­werk im Pfinz­gau­mu­se­um. Seit 30 Jah­ren fer­tigt die Dur­la­che­rin Na­tur­schu­he an, die kei­nen lin­ken Part­ner ha­ben. Fo­to: John

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