Im Tod un­sterb­lich

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - WOLF­GANG VOIGT

Un­ro­man­ti­schen Na­tu­ren taugt der 20. To­des­tag von La­dy Di min­des­tens zu der Er­kennt­nis, dass zwei Jahr­zehn­te ra­send schnell ver­ge­hen kön­nen. Der Rest ge­denkt heu­te – un­ter dem Flan­ken­schutz aus­ufern­der Dia­na-Fest­spie­le in den Me­di­en – mit vi­el­leicht woh­li­gem Schau­dern der längst zum My­thos ge­wor­de­nen Prin­zes­sin, der ge­de­mü­tig­ten Ehe­frau, un­an­tast­ba­ren Sti­li­ko­ne, ein­sa­men Buli­mi­ke­rin.

Die kur­ze Bio­gra­fie der wohl meist­fo­to­gra­fier­ten Frau der Welt trägt na­tur­ge­mäß Zü­ge des Mär­chen­haf­ten. Sie ist aus je­nem Stoff ge­macht, aus dem die Träu­me sind: Schein­bar glück­haf­te Fü­gun­gen gibt es da – wie die Traum­hoch­zeit von 1981, die sich doch bald als si­nist­re Zweck­ehe er­wies, oder auch die Ge­burt des strah­len­den prinz­li­chen Nach­wuch­ses. Es gibt zugleich aber auch den fort­wäh­ren­den Kampf um Ak­zep­tanz, es gibt den Bruch mit hö­fi­schen Re­geln, Nor­men und Kon­ven­tio­nen, es gibt de­li­ka­te Ge­ständ­nis­se, die ge­eig­net sind, ei­ne der tra­di­ti­ons­reichs­ten Mon­ar­chi­en des Glo­bus in die Knie zu zwin­gen. Das En­de die­ses tra­gi­schen, schick­sal­haf­ten und gla­mou­rö­sen Le­bens mar­kiert ein pro­fa­ner Be­ton­pfei­ler in der Pa­ri­ser Un­ter­welt. Dort zer­birst der von Pa­pa­raz­zi in die Zan­ge ge­nom­me­ne und von ei­nem be­trun­ke­nen Fran­zo­sen ge­lenk­te Wa­gen der „Ro­se En­g­lands“in der Dun­kel­heit. Die Prin­zes­sin stirbt, und sie wird da­bei un­sterb­lich.

Spä­tes­tens hier erblickt die­ser zeit­lo­se My­thos das Licht der Welt – ei­ner der dem von Gra­ce Kel­ly oder John F. Ken­ne­dy min­des­tens eben­bür­tig ist: In Sicht­wei­te zum erst­ma­li­gen Glück, so wer­den spä­ter die Dia­na-Ver­ste­her be­teu­ern, hol­te sie der lan­ge Schat­ten des Schick­sals ein. Selbst­ver­ständ­lich be­wegt die Fra­ge nach dem Her­gang des Un­falls und sei­nen Ur­he­bern noch im­mer die Her­zen.

Heu­te, 20 Jah­re nach­dem mit der Prin­zes­sin auch vie­le Il­lu­sio­nen dar­über ge­stor­ben sind, was man un­ter Glück ver­steht, greift man­che auch pa­ra­do­xe Leh­re Platz. Et­wa die, dass aus­ge­rech­net Dia­na das bri­ti­sche Kö­nigs­haus ge­ret­tet hat. Ih­re Söh­ne Wil­li­am und Har­ry sind po­pu­lä­rer als die al­ler­meis­ten der roya­len Alt­vor­de­ren, und selbst die Kö­ni­gin hat im Nach­gang zu je­nem schick­sal­haf­ten Tag vor 20 Jah­ren ei­ne be­mer­kens­wer­te Met­a­mor­pho­se hin­ter sich ge­bracht: die von der kal­ten und emo­tio­nal un­ter­be­lich­te­ten Queen hin zur herz­li­chen und be­ein­dru­ckend stand­fes­ten Mon­ar­chin. Was bleibt, ist ein ephe­me­rer Zau­ber. Und die Er­kennt­nis, dass das Le­ben selbst die bes­ten Ge­schich­ten schreibt.

Dia­na hat die Mon­ar­chie ge­ret­tet

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