Die Ge­set­ze der Ma­the­ma­tik

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - MAR­TIN FER­BER

Sie sind ei­ne Macht in Deutsch­land. Vor al­lem in Wahl­kampf­zei­ten. Kei­ne Par­tei kann die rund 20 Mil­lio­nen Rent­ne­rin­nen und Rent­ner in Deutsch­land igno­rie­ren. Wäh­rend der An­teil der jün­ge­ren Ge­ne­ra­ti­on an der Ge­samt­be­völ­ke­rung seit Jahr­zehn­ten ste­tig sinkt – mitt­ler­wei­le sind nur noch 16 Pro­zent der Wäh­ler zwi­schen 18 und 30 Jah­re alt –, ist je­der Drit­te Wahl­be­rech­tig­te 60 Jah­re und äl­ter. Rech­net man noch die Ge­ne­ra­ti­on der Ba­by­boo­mer hin­zu, ha­ben die Über-50-Jäh­ri­gen ei­ne sat­te Mehr­heit. Und: Sie sind treue Wäh­ler, de­ren Wahl­be­tei­li­gung über­durch­schnitt­lich hoch ist.

Kein Wun­der, dass al­le Par­tei­en die­se wahl­ent­schei­den­de Al­ters­grup­pe fest im Blick ha­ben und al­les tun, um sie ja nicht zu ver­prel­len. Mehr noch, ge­ra­de die Ren­ten­ver­spre­chen in den Wahl­pro­gram­men der gro­ßen Volks­par­tei­en kom­men ex­akt aus­schließ­lich die­ser Wäh­ler­grup­pe zu­gu­te und stel­len sie deut­lich bes­ser. Ob die Müt­ter­ren­te II bei der CSU oder die dop­pel­te Hal­t­el­i­nie der SPD, die das Ren­ten­ni­veau bei 48 Pro­zent und den Bei­trags­satz bei 22 Pro­zent auf Dau­er ein­frie­ren will, bei­de Maß­nah­men be­vor­zu­gen, wie die „Pro­gnos“-Stu­die ein­deu­tig be­legt, die Äl­te­ren und be­las­ten die Jün­ge­ren.

Die Müt­ter­ren­te, von der Frau­en der Jahr­gän­ge bis 1964 pro­fi­tie­ren, ver­ur­sacht Zu­satz­kos­ten von ins­ge­samt 171 Mil­li­ar­den Eu­ro bis zum Jahr 2045. Die „dop­pel­te Hal­t­el­i­nie“der SPD sorgt nach dem jet­zi­gen Stand für Ge­samt­kos­ten von 1,245 Bil­lio­nen Eu­ro bis 2045. Das die ar­beit­ge­ber­na­he Initia­ti­ve Neue So­zia­le Markt­wirt­schaft kurz vor der Wahl die Stu­die vor­legt, ist na­tür­lich kein Zu­fall, son­dern Teil des Wahl­kamp­fes. Wo­bei auch und ge­ra­de in die­sen Zei­ten der Zu­spit­zung gilt: Die Ge­set­ze der Ma­the­ma­tik blei­ben un­ver­än­dert gül­tig. Sie kön­nen auch nicht durch schö­ne Wahl­pro­gram­me au­ßer Kraft ge­setzt wer­den. Wer heu­te groß­zü­gi­ge Ren­ten­ver­spre­chun­gen macht, muss gleich­zei­tig ehr­lich sa­gen, wie er sie an­ge­sichts der de­mo­gra­fi­schen Ent­wick­lung mor­gen fi­nan­zie­ren will. Auch das ver­langt die Ge­ne­ra­tio­nen­ge­rech­tig­keit.

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