Frak­tio­nen

Pforzheimer Kurier - - POLITIK -

Al­le Ab­ge­ord­ne­ten, so steht es im Grund­ge­setz, sind frei, an Auf­trä­ge und Wei­sun­gen nicht ge­bun­den und nur ih­rem Ge­wis­sen un­ter­wor­fen. Aber: Sie ge­hö­ren stets ei­ner Par­tei an, für die sie in das Par­la­ment ein­ge­zo­gen sind und de­ren Po­si­tio­nen sie ver­tre­ten. Des­halb schlie­ßen sich die Mit­glie­der der glei­chen Par­tei im Bun­des­tag zu Frak­tio­nen (vom la­tei­ni­schen Wort „frac­tio“– Bruch­teil) zu­sam­men.

Um ei­ne Frak­ti­on bil­den zu kön­nen, braucht man min­des­tens fünf Pro­zent al­ler Par­la­men­ta­ri­er. CDU und CSU sind zwar zwei Par­tei­en, aber weil sie „auf­grund gleich­ge­rich­te­ter po­li­ti­scher Zie­le in kei­nem

Die Mäch­ti­gen im Po­li­tik­be­trieb

Land mit­ein­an­der im Wett­be­werb ste­hen“bil­den sie seit 1949 ei­ne Frak­ti­ons­ge­mein­schaft, der CSULan­des­grup­pen­chef ist au­to­ma­tisch ers­ter stell­ver­tre­ten­der Uni­ons­Frak­ti­ons­chef. Seit 2011 hat­te Ger­da Has­sel­feldt die­ses Amt in­ne, sie schei­det in die­sem Jahr aus dem Bun­des­tag aus.

Die Stär­ke der Frak­tio­nen ent­schei­det über die Be­set­zung von Äm­tern, die Zu­sam­men­set­zung der Aus­schüs­se, die Zahl der Aus­schuss­vor­sit­zen­den so­wie die Re­de­zeit im Par­la­ment, die stärks­te Frak­ti­on stellt tra­di­ti­ons­ge­mäß den Bun­des­tags­prä­si­den­ten.

Die Frak­ti­ons­chefs der Re­gie­rungs­par­tei­en ge­hö­ren zu den Mäch­ti­gen im po­li­ti­schen Be­trieb. Oh­ne sie läuft nichts. Sie ha­ben prak­tisch mehr Macht als man­cher Mi­nis­ter, denn als „Zucht­meis­ter“und „Ma­schi­nis­ten der Macht“or­ga­ni­sie­ren sie mit­hil­fe ih­rer Par­la­men­ta­ri­schen Ge­schäfts­füh­rer für die Re­gie­rung die Mehr­heit, le­gen die Red­ner­lis­te fest und sit­zen in al­len ent­schei­den­den Gre­mi­en der Ko­ali­ti­on. So ge­hör­ten Vol­ker Kau­der (CDU), Ger­da Has­sel­feldt (CSU) und Tho­mas Op­per­mann (SPD) in die­ser Le­gis­la­tur­pe­ri­ode zu­sam­men mit ih­ren Par­tei­chefs dem „Ko­ali­ti­ons­aus­schuss“an, der in un­re­gel­mä­ßi­gen Ab­stän­den im Kanz­ler­amt tag­te und in dem vie­le wich­ti­ge Ent­schei­dun­gen ge­trof­fen wur­den.

Mar­tin Fer­ber

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