Trend zum Woh­nen im Turm

Hoch­häu­ser in Groß­städ­ten er­le­ben ein Come­back

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Alex­an­der Sturm

Frank­furt/Main. Noch zeu­gen nur ro­te Ei­sen­ge­rip­pe da­von, dass hier ei­ne Rie­se in den Him­mel wächst. Im Frank­fur­ter Eu­ro­pa­vier­tel zwi­schen Haupt­bahn­hof und Mes­se ra­gen die Krä­ne über der Bau­stel­le des „Grand To­wers“in die Hö­he, ein ste­tes Häm­mern und Klop­fen über­tönt den Au­to­ver­kehr. Wo erst we­ni­ge Stock­wer­ke im

Roh­bau fer­tig sind, ent­steht mit 172 Me­tern nach An­ga­ben des Im­mo­bi­li­en­spe­zia­lis­ten JLL der höchs­te Wohn­turm Deutsch­lands. Das Pro­jekt ist nur ein Bei­spiel für ei­nen neu­en Wohn­trend in deut­schen Groß­städ­ten: Bis 2022 sol­len hier­zu­lan­de 97 Tür­me mit 18 400 Woh­nun­gen ge­baut wer­den, wie Zah­len des Im­mo­bi­li­en­spe­zia­lis­ten Bul­wi­en­ge­sa zei­gen. Da­von ent­fal­len al­lein 27 auf Ber­lin und 24 auf Frank­furt. Es fol­gen mit Ab­stand Mün­chen (17) und Düs­sel­dorf (12). In ei­ni­gen Tür­men wer­den auch Tei­le der Flä­che für Ge­schäf­te und Ho­tels ver­mie­tet. Bei man­chen Pro­jek­ten fehlt noch die Be­wil­li­gung.

Frü­her hat­ten Wohn­hoch­häu­ser ei­nen schlech­ten Ruf: Sie stan­den für Plat­ten­bau­ten und so­zia­le Brenn­punk­te am Stadt­rand. „Noch vor ein paar Jah­ren wä­re nie­mand auf die Idee ge­kom­men, Wohn­tür­me zu bau­en“, sagt Gün­ter Vorn­holz, Pro­fes­sor für Im­mo­bi­li­enöko­no­mie an der EBZ Bu­si­ness School in Bochum. An­ders als in ame­ri­ka­ni­schen Me­tro­po­len, wo Wol­ken­krat­zer schon zum En­de des 19. Jahr­hun­derts Ein­zug er­hiel­ten, sind sie in Deutsch­land noch ei­ne sel­te­ne Er­schei­nung. Doch in den be­gehr­ten Groß­städ­ten mit zu­neh­mend knap­pem Raum und im­mer hö­he­ren Im­mo­bi­li­en­prei­sen fin­den Wohn­tür­me auch hier­zu­lan­de ei­ne Kli­en­tel, die für mon­dä­nes Woh­nen viel Geld be­zahlt. „Das Image hat sich ge­wan­delt“, sagt Sven Cars­ten­sen, Frank­fur­ter Nie­der­las­sungs­lei­ter bei Bul­wi­en­ge­sa. In Groß­städ­ten ge­be es kauf­kräf­ti­ge Kun­den und ei­ne star­ke Nach­fra­ge aus dem Aus­land. „Rei­che Chi­ne­sen se­hen in deut­schen Im­mo­bi­li­en ei­ne si­che­re An­la­ge.“

Das treibt die Prei­se: Woh­nun­gen in Frank­fur­ter Wol­ken­krat­zern kos­ten laut Bul­wi­en­ge­sa im Schnitt 7 000 Eu­ro je Qua­drat­me­ter, für Lu­xus-Ob­jek­te kön­nen bis zu 19 000 Eu­ro fäl­lig wer­den. Die Mie­ten lie­gen um die 20 Eu­ro je Qua­drat­me­ter. Da­für gibt es al­ler­lei An­nehm­lich­kei­ten. Der Grand To­wer

„Das Image hat sich ge­wan­delt“

et­wa lockt nicht nur mit ei­nem atem­be­rau­ben­den Blick über die Stadt, son­dern auch mit Con­cier­ge, 1 000 Qua­drat­me­ter gro­ßem Dach­gar­ten und Son­nen­deck im 43. Stock.

Doch Wohn­tür­me sind nicht über­all er­wünscht. „In Frank­furt mit sei­ner Sky­line pas­sen sie ins Stadt­bild“, sagt Vorn­holz. In Köln do­mi­niert hin­ge­gen der Dom die Stadt­an­sicht. Und in Mün­chen darf seit ei­nem Bür­ger­ent­scheid kein Ge­bäu­de hö­her sein als die Frau­en­kir­che.

Über­haupt ist die deut­sche De­fi­ni­ti­on von Hoch­haus – Ge­bäu­de ab 22 Me­ter – ge­mes­sen an den Rie­sen in Du­bai oder Shang­hai fast ein Witz. Ech­te Hoch­häu­ser mit ei­ner Hö­he ab 100 Me­tern sind hier­zu­lan­de die ab­so­lu­te Aus­nah­me: Da­zu zäh­len der „Ge­wa-To­wer“in Stutt­gart (107 Me­ter), der „Up­per Nord To­wer“(120 Me­ter) in Düs­sel­dorf, der in der Pla­nungs­pha­se steckt, und der „Alex­an­der“am Ber­li­ner Alex­an­der­platz. Mit 150 Me­tern soll er laut dem In­ves­tor Mon­arch das höchs­te Wohn­ge­bäu­de der Haupt­stadt wer­den. In­des fehlt laut Pro­jekt­ge­sell­schaft noch die Bau­ge­neh­mi­gung. Auch das zen­tra­le Ar­gu­ment für Wohn­tür­me – viel Wohn­raum auf we­nig Flä­che – hat ei­nen Ha­ken: Selbst für Gut­ver­die­ner sind die Apart­ments kaum er­schwing­lich.

TEU­RE WOL­KEN­KRAT­ZER: Be­son­ders in Ber­lin, oder wie hier in Frank­furt, wer­den die „Rie­sen“we­gen der knap­pen Flä­che als Op­ti­on für zu­sätz­li­chen Wohn­raum be­trach­tet. Luf­ti­ger Lu­xus hat je­doch sei­nen Preis. Fo­to: dpa

HÄU­FIG wird Wein im Süd­wes­ten an Steil­hän­gen an­ge­baut. Fo­to: dpa

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