Hof­fen auf den Schluss­spurt

Win­zer rech­nen mit ge­rin­ge­rer Ern­te­men­ge, aber mit ho­her Qua­li­tät

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Ja­ni­na Crois­sant

Of­fen­burg. Nun fällt auch in Ba­den flä­chen­de­ckend der Start­schuss: Nach­dem die Pfalz das Wein-Jahr 2017 be­reits ein­ge­läu­tet hat, zie­hen die Win­zer im Süd­wes­ten nun Tag für Tag mit der frü­hen Sor­te Find­ling nach. In Be­zug auf die et­wa Mit­te Sep­tem­ber be­gin­nen­de Haupt­le­se wird es span­nend, wie die Qua­li­tät der Re­ben, die auf rund 16 500 Hekt­ar in Ba­den der­zeit noch ge­dei­hen, letzt­lich aus­fällt. Denn in den hie­si­gen An­bau­ge­bie­ten ver­ur­sach­te der Spät­frost im April teils

Po­si­ti­ver Ef­fekt: We­ni­ger Kirsches­sig­flie­gen

dra­ma­ti­sche Schä­den (die BNN be­rich­te­ten). Die Re­ben wa­ren nach ei­nem sehr mil­den März be­reits schon recht weit in der Ent­wick­lung. Die Käl­te zer­stör­te die ers­ten Blät­ter und manch­mal auch die Knos­pen der Pflan­zen. Da­zu ka­men An­fang Au­gust lo­ka­le Un­wet­ter, die un­ter an­de­rem die Win­zer in Dur­bach und Ober­kirch zu­sätz­lich schwer ge­trof­fen ha­ben.

Nach ers­ten Schät­zun­gen des Deut­schen Wein­in­sti­tuts wird die Ern­te­men­ge des­halb um zehn Pro­zent un­ter dem Durch­schnitt der ver­gan­ge­nen Jah­re (2016: 9,1 Hek­to­li­ter ge­samt, 1,3 in Ba­den) lie­gen. Auch des­halb sind al­le Au­gen der­zeit auf die Wet­ter­vor­her­sa­gen ge­rich­tet. Denn „von den kom­men­den zwei bis drei Wo­chen hängt vie­les ab“, wie Chris­ti­an Schätz­le, Lei­ter der Wein­bau­be­ra­tung und des Qua­li­täts­ma­nage­ments beim Ba­di­scher Win­zer­kel­ler die ak­tu­el­le Si­tua­ti­on zu­sam­men­fasst. Der Ba­di­sche Win­zer­kel­ler ist ein Ver­bund von Win­zer­ge­nos­sen­schaf­ten mit Sitz in Brei­sach und Ba­dens größ­te Kel­le­rei.

Die Frost­pe­ri­ode und die da­mit ver­bun­de­nen Schä­den ha­ben die Er­war­tun­gen an den 2017er-Jahr­gang zwar et­was ge­dämpft, den­noch hät­ten die Pflan­zen sich gut er­holt und man kön­ne er­war­tungs­voll sei. „Wir rech­nen zwar mit ei­nem leicht un­ter­durch­schnitt­li­chen Er­trag, da­für aber ei­ner sehr gu­ten Qua­li­tät“, sagt Schätz­le. Die An­la­gen, die vom Frost ge­schä­digt wur­den, wer­den wohl als ers­te mit der Ern­te be­gin­nen. Vi­el­leicht kom­me so­gar mehr Hand­ar­beit zum Ein­satz, was sich laut Schätz­le po­si­tiv auf die Qua­li­tät des Wei­nes aus­wir­ken wür­de.

Ge­bie­te wie der Breis­gau und der süd­li­che Kai­ser­stuhl sind tra­di­tio­nell früh dran mit der Ern­te. Mit dem Be­ginn der Haupt­le­se wird um den 11. Sep­tem­ber ge­rech­net. „Durch das tol­le Wet­ter mo­men­tan rei­fen die Trau­ben fast schon schnel­ler als ge­wünscht“, sagt Kon­rad Muß­ler, Kel­ler­meis­ter bei der Wein­ma­nu­fak­tur Gen­gen­bach-Of­fen­burg, die tra­di­tio­nell früh mit der Le­se der Trau­ben für den Fe­der­wei­ßen be­ginnt. Ab heu­te wird die Sor­te Find­ling – an­de­ren­orts ist es oft­mals die früh­rei­fe Sor­te So­la­ris – für den „Neu­en Wein“ge­ern­tet. Die Wein­trin­ker kön­nen sich dann ab dem 8. oder 9. Sep­tem­ber auf den Bitz­ler im Glas freu­en. Doch bis En­de Ok­to­ber, bis da­hin wünscht sich der ein oder an­de­re Kun­de die „Fe­der­wei­ßer-Sai­son“, wird es den Neu­en Wein wohl nicht ge­ben, macht der Kel­ler­meis­ter deut­lich. Am Wein-Nach­schub soll es trotz­dem nicht man­geln: Es geht nach dem Find­ling di­rekt mit dem Mül­ler-Thur­gau wei­ter.

So är­ger­lich der spä­te Frost für die Win­zer – und im Üb­ri­gen auch für die Obst­bau­ern – war, hat er den­noch auch sein Gu­tes: Denn die Po­pu­la­ti­on der Kirsches­sig­flie­ge, in den letz­ten Jah­ren war der Schäd­ling zu ei­nem gro­ßen Pro­blem ge­wor­den, ist deut­lich ge­rin­ger. Zu­min­dest ein klei­ner Trost für Win­zer und Wein­trin­ker.

SCHNIPP, SCHNAPP, FIND­LING AB: Die frü­hen Sor­ten wer­den nun auch in Ba­den ge­ern­tet. Die Haupt­le­se wird je­doch klei­ner als 2016 aus­fal­len. Fo­to: See­ger

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