Hoch­pro­fes­sio­nell ein­stu­diert

Über­zeu­gen­de Mu­si­cal­pro­duk­ti­on „Cats“aus dem Lon­do­ner Wes­tend

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

Zwar ist T. S. Eli­ots Ge­dicht­samm­lung „Old Pos­sum’s Book of Prac­tical Cats“in En­g­land recht be­liebt, den­noch stellt And­rew Lloyd Web­bers Mu­si­cal „Cats“ein kaum er­klär­ba­res Phä­no­men dar. Ein Mu­si­cal mit Kat­zen als Cha­rak­te­re, das zu­dem auf ei­ne ei­gent­li­che Hand­lung gänz­lich ver­zich­tet, das muss­te ei­gent­lich flop­pen. Doch das Ge­gen­teil ge­schah: Es wur­de zu ei­nem der bis­lang er­folg­reichs­ten Mu­si­cals und de­fi­nier­te den Be­griff des Long-Run neu.

Ne­ben der be­mer­kens­wer­ten Mu­sik Lloyd Web­bers und den ori­gi­na­len Tex­ten T. S. Eli­ots (nur „Me­mo­ry“, der wohl be­kann­tes­te Ti­tel des Wer­kes, wur­de von Re­gis­seur Tre­vor Nunn ge­tex­tet) wa­ren es vor al­lem Nunns ein­falls­rei­che Re­gie, John Na­piers at­mo­sphä­ri­sches Büh­nen­bild und ganz be­son­ders des­sen iko­no­gra­fi­schen Ko­s­tü­me, die Thea­ter­ge­schich­te schrie­ben. Es ist fast un­mög­lich sich ei­ne al­ter­na­ti­ve Ins­ze­nie­rung vor­zu­stel­len und so­mit reist die Pro­duk­ti­on aus dem Lon­do­ner Wes­tend seit Jahr­zehn­ten auch als Tour­nee-Er­eig­nis um die Welt.

Sei­nen ganz be­son­de­ren Charme ent­fal­tet das Werk al­ler­dings nur auf eher klei­ne­ren Büh­nen mit ei­ner di­rek­ten Nä­he zum Pu­bli­kum wie et­wa im Thea­ter an der Wi­en, dem Ort der deutsch­spra­chi­gen Erst­auf­füh­rung. Im Fest­spiel­haus Ba­den-Ba­den, in dem die Pro­duk­ti­on nun für sie­ben Vor­stel­lun­gen Sta­ti­on mach­te, bau­te sich durch die rie­si­gen Pro­por­tio­nen doch ei­ne ge­wis­se räum­li­che und emo­tio­na­le Dis­tanz auf. Den­noch er­leb­te man ei­ne von Ch­ris­sie Cart­w­right hoch­pro­fes­sio­nell ein­stu­dier­te und von Tim Da­vies sou­ve­rän di­ri­gier­te Auf­füh­rung, wel­che vom Pu­bli­kum auch laut­stark ak­kla­miert wur­de. Ein­zi­ger Kri­tik­punkt war die un­aus­ge­go­re­ne Über­ti­te­lung, die schein­bar wahl­los zwi­schen der Über­set­zung gan­zer Text­tei­le und der nur kurz an­ge­ris­se­nen Vor­stel­lung ein­zel­ner Cha­rak­te­re pen­del­te.

„Cats“ist ein En­sem­ble­stück reins­ten Was­sers, so­mit ist es un­mög­lich al­le Prot­ago­nis­ten, die teil­wei­se nur kur­ze So­lo-Auf­trit­te ha­ben, zu er­wäh­nen. Doch Jo­an­na Am­pil, der als Griz­a­bel­la mit „Me­mo­ry“der größ­te Hit des Wer­kes ge­hört, muss er­wähnt wer­den, ist sie doch auch der ein­zi­ge ech­te Wes­tend-Star der Be­set­zung. Sie be­ein­druck­te mit ei­ner eher nachdenklich schlicht ge­sun­ge­nen Ver­si­on im ers­ten Akt, um im zwei­ten emo­tio­nal und mit mäch­ti­ger Stim­me auf­zu­trump­fen.

Ne­ben ihr wuss­ten vor al­lem Matt Kr­zan als Mun­kus­trap, John Bran­noch als Rum Tum Tug­ger und Lee Gre­enaway als Skim­ples­hanks zu ge­fal­len. Als blen­den­der Tän­zer fiel Rob­bie McMil­lan (Mr. Mi­stof­fe­lees) auf und Jak Al­len An­der­son war ein cha­ris­ma­ti­scher Ma­ca­vi­ty. Hin­rei­ßend auch Char­lie John­son und Ag­nes Pu­re als Bom­bal­u­ri­na und De­me­ter. Aus­fäl­le gab es kei­ne, al­le wa­ren so­wohl ge­sang­lich wie auch tän­ze­risch per­fekt ge­cas­tet und selbst die bei­den Swings Ali­ce Corn­well (Jem­i­ma) und Jor­dan Cast­le, der als Old Deu­te­ro­no­my im­mer­hin den Deux ex ma­chi­na der Hand­lung dar­stellt, blie­ben ih­ren Rol­len nichts schul­dig und be­leg­ten die Qua­li­tät der Be­set­zung. Man­fred Kraft

BUNT UND MUN­TER schnur­ren die Kat­zen in And­rew Lloyd Web­bers Mu­si­cal „Cats“, das jetzt in ei­ner bes­tens be­setz­ten Tour­nee­Pro­duk­ti­on im Fest­spiel­haus Ba­den-Ba­den zu er­le­ben war. Fo­to: Ales­san­dro Pu­ne

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