„Ju­das“in der Stadt­kir­che

Nach dem Thea­ter­fest geht es am Ba­di­schen Staats­thea­ter Schlag auf Schlag

Pforzheimer Kurier - - WAS - WANN - WO - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Micha­el Hübl

Karls­ru­he. Ei­ne Wie­der­auf­nah­me mar­kiert den Sai­son­start am Ba­di­schen Staats­thea­ter. Wäh­rend an der Oos die ers­te Pre­mie­re her­aus­kommt, fei­ert Karls­ru­he erst ein­mal sei­ne Thea­ter­nacht, bei der sich al­le Büh­nen der Stadt mit Aus­schnit­ten aus ih­ren Pro­duk­tio­nen vor­stel­len: ein Ap­pe­ti­zer, auf den ei­ne Wo­che spä­ter, al­so am 16. Sep­tem­ber, das gro­ße Thea­ter­fest des Staats­thea­ters folgt, bei dem auch ein Spiel­zeit­cock­tail ser­viert wird.

Da­nach geht es Schlag auf Schlag: Am 17. Sep­tem­ber steht das 1. Sin­fo­nie­kon­zert mit Wer­ken von Ei­no­ju­ha­ni Rau­ta­vaa­ra (Apo­theo­sis), Pe­ter Tschai­kow­skis Vio­lin­kon­zert D-Dur op. 35 und Lud­wig van Beet­ho­vens Sin­fo­nie Nr. 4 B-Dur op. 60 auf dem Pro­gramm. Da­nach nun folgt am 19. die Wie­der­auf­nah­me: Im Klei­nen Haus wird Fried­rich Schil­lers Ro­man­ti­sche Tra­gö­die „Die Jung­frau von Or­leans“ge­ge­ben. In der Ins­ze­nie­rung von Ju­lia­ne Kann sind we­sent­li­che Hand­lungs­ele­men­te ge­tilgt, da­für über­zeugt Pau­la Sko­ru­pa in der Ti­tel­rol­le durch ihr glei­cher­ma­ßen kon­zen­trier­tes wie ak­zen­tu­ier­tes Spiel.

Die ers­te Pre­mie­re der neu­en Sai­son gibt es zwei Ta­ge spä­ter im Stu­dio mit „Sa­fe Pla­ces“von Falk Rich­ter. Das Stück des Au­tors und Re­gis­seurs führt die Aus­ein­an­der­set­zung mit der neu­en Rech­ten fort, wie sie Rich­ter be­reits in sei­nem 2015 ur­auf­ge­führ­ten Werk „Fe­ar“. Zur Er­läu­te­rung sei­ner Re­fle­xi­on über Furcht schreibt Rich­ter: „Wie Un­to­te, Zom­bies, Wie­der­gän­ger aus der Ver­gan­gen­heit, keh­ren längst über­kom­men ge­glaub­te Ka­te­go­ri­en, Denk­mus­ter, ei­ne Rhe­to­rik und ein Vo­ka­bu­lar aus Zei­ten des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus zu­rück.“In sei­nem gen­re­über­grei­fen­den Pro­jekt „Sa­fe Pla­ces“, di­e­das spiel­haus Frank­furt her­aus­kam, greift Rich­ter die­se Ge­dan­ken auf und fragt: „Wie re­agie­ren wir auf Aus­brü­che von Frem­den­feind­lich­keit und na­tio­na­lis­ti­scher Selbst­be­haup­tung?“

Auf gänz­lich an­de­rem Ter­rain han­delt die Oper „Adria­na Le­cou­vr­eur“von Fran­ces­co Ci­lea , die am 22. Sep­tem­ber zum Ein­stieg in die Mu­sik­thea­ter­sai­son auf­ge­führt wird. Hier geht es um Lie­be und In­tri­gen im feu­da­lis­ti­schen Frank­reich. Un­se­re Re­zen­sen­tin schrieb über die Pre­mie­re An­fang April: „Die­se Adria­na ist er­neut ei­ne Wie­der­ent­de­ckung in Karls­ru­he, die sich nicht nur über die wie­der ein­mal aus­ge­zeich­ne­ten Aus­füh­run­gen im Pro­gramm­heft er­schließt, son­dern vor al­lem beim Ge­nuss die­ser ein­zig­ar­ti­gen Klang­pracht.“

Als wei­te­re Wie­der­auf­nah­men fol­gen am 23. Sep­tem­ber im Stu­dio den Chan­son­abend „Jac­ques Brel – On n’ou­blie ri­en“mit Na­t­anaël Li­en­hard, so­wie an­dern­tags die Mo­zart-Oper „La cle­men­za di Ti­to“im Gro­ßen Haus und das Schau­spiel „Ter­ror“des Ju­ris­ten und Schrift­stel­ler von Fer­di­nand von Schi­rach im Klei­nen Haus.

Ein un­ge­wöhn­li­cher Spiel­ort ist für die zwei­te Pre­mie­re der noch jun­gen Spiel­zeit vor­ge­se­hen: Am 29. Sep­tem­ber kommt dort der Mo­no­log „Ju­das“der nie­der­län­di­schen Au­to­rin Lot Ve­kem­ans her­aus, von der am Staats­thea­ter be­reits „Gift“ge­zeigt wur­de. Der et­wa ein­stün­di­ge Abend bringt ei­ne Wie­der­be­geg­nung. In der Rol­le des Ver­rä­ters Chris­ti wird Ti­mo Tank zu se­hen sein, der be­reits von 2002 bis 2013 Mit­glied des Schau­spiel­ensem­bles war und jetzt an

Ti­mo Tank kehrt zu­rück

sei­ne al­te Wir­kungs­stät­te zu­rück­kehrt, an der er in un­ter­schied­li­chen Rol­len vie­le in­ter­es­san­te Ak­zen­te setz­te. 17., 11 Uhr, und 18., 20 Uhr, Sep­tem­ber. „Die Jung­frau von Or­leans“(WA), 19. Sep­tem­ber, 19.30 Uhr. „Sa­fe Pla­ces“, Pre­mie­re: 21. Sep­tem­ber, 20 Uhr. „Adria­na Le­cou­vr­eur“(WA), 22. Sep­tem­ber, 20 Uhr.

www.staats­thea­ter-karls­ru­he.de

„DIE JUNG­FRAU VON OR­LEANS“: Sze­ne mit An­net­te Bü­schel­ber­ger, Pau­la Sko­ru­pa, Hei­sam Ab­bas, Sithem­bi­le Menck und Sa­scha Tux­horn (von links). Fo­to: Grün­schloß

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