Ri­tua­le der Frust­be­wäl­ti­gung

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - GER­HARD MUMME

Ab­he­ben in ei­ne bes­se­re Zu­kunft? Nach ih­rer ver­hee­ren­den Bauch­lan­dung bei der letz­ten Bun­des­tags­wahl hat die ge­de­mü­tig­te SPD am Wo­che­n­en­de ei­ne Se­rie von acht Re­gio­nal­kon­fe­ren­zen ge­star­tet, mit der sie sich in­halt­lich neu auf­stel­len will. Der Auf­takt war al­ler­dings eher von den Ri­tua­len so­zi­al­de­mo­kra­ti­scher Frust­be­wäl­ti­gung ge­prägt als von Si­gna­len für ei­nen Auf­bruch zu neu­en Ho­ri­zon­ten.

Schulz oder Scholz – der Wahl­ver­lie­rer und der gar nicht so heim­li­che Her­aus­for­de­rer aus Ham­burg such­ten schon ein­mal die kon­zep­tio­nell ver­klei­de­te Ab­kür­zung ins Per­so­nal­du­ell um den Par­tei­vor­sitz. Der ers­te ver­langt mehr Mut zur Ka­pi­ta­lis­mus­kri­tik, der zwei­te mahnt zu ei­nem Prag­ma­tis­mus, der Wachs­tum, Fort­schritt und Ge­rech­tig­keit ver­bin­det. Ein Ru­cken nach links, ei­ne Dre­hung nach rechts, Flü­gel­schlä­ge wie ge­habt, al­ter Wein in al­ten Schläu­chen – Schlei­er­tän­ze von Ver­lie­rern halt. Wenn es da­bei bleibt, dann wird das nichts mit der Er­ho­lung in der Op­po­si­ti­on, die Schulz der SPD nach dem his­to­ri­schen Wahl­de­ba­kel im Sep­tem­ber ver­ord­net hat; dann bleibt der lan­ge Rück­flug zur Macht schon auf der Start­bahn hän­gen. Und dann muss man kon­sta­tie­ren, dass die Par­tei auch jetzt noch nicht ver­stan­den hat, wie grund­le­gend ih­re Pro­ble­me wirk­lich sind.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.