Neue Deut­sche

Pre­mie­re im Süd­wes­ten

Pforzheimer Kurier - - ZEITGESCHEHEN -

Stutt­gart. Deut­scher könn­te sei­ne Ant­wort wohl nicht lau­ten: „Die Sau­ber­keit und Ord­nung“ge­fie­len ihm be­son­ders an Deutsch­land, sagt der Pries­ter McDo­nald Nwan­du aus Ni­ge­ria. Der Geist­li­che kann sich schon seit drei Jah­ren of­fi­zi­ell zu den deut­schen Staats­bür­gern zäh­len – und tut das mit Be­geis­te­rung. „Deutsch­land ist mei­ne Hei­mat, ich füh­le mich sehr wohl hier. Und ich mag Sau­er­kraut“. Nwan­du ist ei­ner von rund 300 Gäs­ten, die In­nen­mi­nis­ter Tho­mas Strobl (CDU) mit ei­nem fest­li­chen Emp­fang im Stutt­gar­ter Schloss emp­fing und in Deutsch­land will­kom­men hieß. Auf den Stüh­len der Gäs­te: das Grund­ge­setz. In ih­ren Oh­ren: deut­sche Blas­mu­sik.

„Mit Ih­rem An­trag auf die deut­sche Staats­bür­ger­schaft ha­ben Sie sich selbst ein Ge­schenk ge­macht – aber auch uns als Staat. Ihr Be­kennt­nis stärkt uns“, sag­te Strobl zu den frisch ge­ba­cke­nen Deut­schen. Es ist ei­ne Pre­mie­re, dass das Land sei­ne neu­en Bür­ger of­fi­zi­ell will­kom­men heißt. Der Mi­nis­ter will da­mit den Ruf Ba­den-Würt­tem­bergs

Erst­mals gab es ein Fest zur Ein­bür­ge­rung

als welt­of­fe­nes und viel­fäl­ti­ges Bun­des­land stär­ken. Ob­wohl es in Tei­len der Be­völ­ke­rung Ängs­te ge­be, mein­te Strobl: „Ich glau­be nicht, dass Ab­schot­tung die Her­aus­for­de­run­gen un­se­rer Zeit lö­sen kann.“Mit Blick auf die In­te­gra­ti­on füg­te er hin­zu: „Wir in Ba­den-Würt­tem­berg müs­sen tun, was wir am bes­ten kön­nen: die Är­mel hoch­krem­peln und uns der Auf­ga­be an­neh­men“.

In Ba­den-Würt­tem­berg wur­den im ver­gan­ge­nen Jahr 17 791 Aus­län­der ein­ge­bür­gert. Vom Ni­veau der Ein­bür­ge­run­gen um die Jahr­tau­send­wen­de ist man heu­te al­ler­dings weit ent­fernt: Im Jahr 2000 zähl­te das Land mehr als 29 000 neue Bür­ger aus dem Aus­land. Die Tür­ken bil­de­ten 2016 mit knapp 3 000 Neu­bür­gern die größ­te Grup­pe. Doch nicht nur die an­ge­spann­te po­li­ti­sche Si­tua­ti­on in der Tür­kei, son­dern auch der Br­ex­it zeig­te sei­ne Fol­gen: Die An­zahl der Bri­ten ver­fünf­fach­te sich im Ver­gleich zum Vor­jahr bei­na­he auf 386. Bei ei­nem mög­li­chen EU-Aus­tritt der Bri­ten oh­ne Über­gangs­lö­sung könn­te sich die­se Zahl wei­ter er­hö­hen.

Nwan­du er­hielt sei­ne Ur­kun­de schon im Jahr 2014. Sei­ne ni­ge­ria­ni­sche Staats­bür­ger­schaft durf­te er be­hal­ten – genau wie 60 Pro­zent der neu­en Deut­schen, die 2016 ein­ge­bür­gert wur­den. Min­des­tens ein­mal im Jahr be­sucht der Pries­ter sei­ne al­te Hei­mat. „Na­tür­lich im Win­ter, wenn es hier kalt und dort warm ist“, sagt Nwan­du. Denn so gut sei­ne In­te­gra­ti­on auch ge­lun­gen ist – mit dem Kli­ma auf der Schwä­bi­schen Alb ist Nwan­du noch nicht warm ge­wor­den. La­ris­sa Schwe­des

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