Ei­ne Nach­richt von oben

Zwi­schen Skep­sis, Hof­fen und un­ver­brüch­li­cher Ge­wiss­heit

Pforzheimer Kurier - - MARTIN LUTHERND DER GLAUBE - Clau­dia Frey aus Karls­ru­he

„Ich glau­be, dass die Re­li­gi­on kei­ne Zu­kunft hat. Ei­ne miss­ver­stan­de­ne Auf­klä­rung hat da­zu ge­führt, dass die Re­li­gi­on ihr Mys­te­ri­um ver­lo­ren hat. Die Leu­te sind nicht mehr in­tel­li­gent ge­nug für den Glau­ben und lau­fen da­für Er­satz­mys­te­ri­en wie Rock­stars oder Sport­ido­len hin­ter­her. Gott ist für mich ei­ne Kraft, bei der al­le Men­schen et­was Gu­tes den­ken: Die­se gan­ze Ener­gie ist Gott.“Prof. Mar­kus Lü­pertz, Ma­ler, Gra­fi­ker und

Künst­ler

„Für mich be­deu­tet

Glau­be in ers­ter Li­nie Be­zie­hung: Be­zie­hung zu ei­nem Gott, der mich ge­schaf­fen hat, mich kennt, liebt, be­fä­higt. Und da Glau­be ver­bin­det, bin ich Teil ei­nes gro­ßen Mo­sa­iks von Men­schen, die die­se Be­zie­hung zu Gott ken­nen­ge­lernt ha­ben und sie ge­mein­sam le­ben. So füh­le ich mich im dop­pel­ten Sinn zu­hau­se: bei Gott und in der Ge­mein­de.“

Bea­te Schlit­ten­hardt aus Karls­ru­he

„Der Glau­be spielt für mich nach wie vor ei­ne gro­ße Rol­le. Lei­der ha­ben bei­de Kir­chen ih­ren Ein­fluss in un­se­rer Ge­sell­schaft ver­lo­ren. In der evan­ge­li­schen Kir­che herrscht Be­lie­big­keit vor. In der ka­tho­li­schen herrscht seit dem Zwei­ten Va­ti­ka­ni­schen Kon­zil Still­stand, was Öku­me­ne, Um­gang mit Ge­schie­de­nen und Wie­der­ver­hei­ra­te­ten, Se­xu­al­mo­ral, Zö­li­bat und so wei­ter an­geht. Ei­ner­seits wird für To­le­ranz ge­wor­ben, an­de­rer­seits ist man nicht be­reit sich ge­gen­sei­tig zum Abend­mahl ein­zu­la­den – was letzt­lich ein aka­de­mi­scher Streit ist. War­um re­agie­ren bei­de Kir­chen nicht dar­auf, dass sich die Mit­glie­der scha­ren­wei­se ab­wen­den? Manch­mal ha­be ich das Ge­fühl, dass sich die Kir­chen­ver­tre­ter da­für so lan­ge nicht in­ter­es­sie­ren, wie die Fi­nanz­strö­me spru­deln.“

Lothar Wurz aus Ett­lin­gen

„Ich bin da­von über­zeugt, dass Gott je­den Men­schen in sei­ner Ein­zig­ar­tig­keit liebt und dass ihm je­der Mensch wich­tig ist. Die­se Über­zeu­gung ver­mit­telt Zu­ver­sicht, gibt Halt auch in schwie­ri­gen Le­bens­si­tua­tio­nen und mo­ti­viert da­zu, sich für an­de­re zu en­ga­gie­ren.“

Ma­ri­an­ne Beck aus Kup­pen­heim

„Gera­de in Zei­ten, in de­nen Äu­ßer­lich­kei­ten und Ma­te­ri­el­les im­mer mehr im Vor­der­grund ste­hen, ist es wich­tig Or­ga­ni­sa­tio­nen zu ha­ben, die auf in­ne­re Wer­te, auf Moral und Ethik ach­ten. Für su­chen­de Men­schen kön­nen sie An­sprech­part­ner sein und Emp­feh­lun­gen ge­ben, ei­ne geis­ti­ge und so­zia­le Hei­mat sein. In ei­ner mo­der­nen Ge­sell­schaft, in der Staat und Re­li­gi­on ge­trennt sind, ha­ben Re­li­gio­nen auch die Auf­ga­be, den Staat in eben je­nen Be­rei­chen – Moral und Ethik – zu be­ob­ach­ten, auf Ver­feh­lun­gen hin­zu­wei­sen und Hin­wei­se zu ge­ben. In Zu­kunft wird ih­re Ver­ant­wor­tung, Men­schen zu mehr To­le­ranz und Re­spekt An­de­ren ge­gen­über zu er­zie­hen, zu­neh­men, im Klei­nen wie im Gro­ßen.“Da­vid Seld­ner, von 2004 bis 2016 Vor­sit­zen­der der Jü­di­schen Kul­tus­ge­mein­de Karls­ru­he

„Mei­ne Glau­bens­ent­wick­lung hat bei mir schon früh an­ge­fan­gen, da ich in ei­nem ka­tho­li­schen Kin­der­gar­ten war. Ich war auch Mi­nis­tran­tin. Doch stand ich bei Got­tes­diens­ten und Be­er­di­gun­gen mehr und mehr al­lei­ne da, wor­auf ich be­schloss, da­mit auf­zu­hö­ren. Den­noch glau­be ich dar­an, dass ich nach dem Tod ein wei­te­res Le­ben ha­ben wer­de. Auch wenn ich in Strei­tig­kei­ten ver­wi­ckelt bin den­ke ich dar­an, dass ich jetzt zu mei­ner ver­stor­be­nen Oma ge­hen wür­de und ihr mei­ne Pro­ble­me be­rich­ten könn­te. Und ich spü­re, dass sie da ist und „von oben“mir ei­ne Nach­richt schickt.“

Mo­a­na (14) von der Max-Planck-Re­al­schu­le in Bret­ten

„In ei­ner Le­bens­kri­se wur­de mir klar, dass mei­ne Le­bens­sehn­sucht nur in der Be­zie­hung zu Gott letzt­lich ge­stillt wer­den kann. Ent­schei­dend ist für mich, dass ich ihm in al­lem ver­trau­en kann und er gu­te Ab­sich­ten mit mir und der Welt hat.“

Frie­de­mann Kalm­bach aus Karls­ru­he

„Die Be­zie­hung zu Gott spielt in mei­nem Le­ben ei­ne sehr wich­ti­ge Rol­le! Des­halb le­se ich die Bi­bel und ori­en­tie­re mich an ihr. Ich ver­su­che je­den Tag aufs Neue so zu le­ben, wie Je­sus es vor­ge­lebt hat.“

Mar­kus Lü­pertz

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