Grifo be­ein­druckt hei­mat­nah

Von Bolz­platz­nai­vi­tät be­frei­te Bo­rus­sen be­en­den stol­ze Sins­hei­mer Se­rie

Pforzheimer Kurier - - SPORT - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter To­bi­as Schäch­ter

Sins­heim. Die Wahn­sinns­krei­sel des Vin­cen­zo Grifo en­de­ten mit ei­nem Krampf. Ein Ha­cken um Ste­fan Posch, noch ei­ner um Den­nis Gei­ger und dann ein Tun­nel­pass zwi­schen den Bei­nen von Ke­vin Vogt hin­durch zu Mat­thi­as Gin­ter, der die Ku­gel zum 2:1 ins Tor schießt. Da aber hat­te sich Grifo schon ans rech­te Bein ge­fasst und wie ein Sack zu Bo­den fal­len las­sen: Krampf nach 79 Mi­nu­ten, Ju­bel mit Schmerz. Am En­de war‘s egal, weil Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach 3:1 ge­won­nen hat­te bei der TSG Hof­fen­heim. Und Grifo, aus Pforz­heim stam­men­der Ita­lie­ner, sag­te mit der Gran­dez­za, die er zu­vor auf dem Platz ge­zeigt hat­te: „Es gibt den lie­ben Gott, der das Glück bringt – heu­te war das so.“Grifo blick­te da­bei pa­the­tisch in die Run­de, schau­te aber im­mer­hin nicht gen Him­mel. Er hat­te sich sein Glück an die­sem Tag ja auch selbst ver­dient.

Nach sei­ner An­kunft im Som­mer aus Frei­burg durch­leb­te der Tech­ni­ker ei­ne har­te Pha­se: Ver­let­zung, we­ni­ger gu­te Trai­nings­leis­tun­gen, Rüf­fel vom Trai­ner. Nun aber glänz­te er bei sei­nem ers­ten Star­tel­f­ein­satz für die Bo­rus­sia aus­ge­rech­net in Hof­fen­heim. Auf der Tri­bü­ne freu­te sich sei­ne Fa­mi­lie über das Schau­lau­fen des Spros­ses. Bei der TSG hat­te Grifo einst die Aus­bil­dung zum Pro­fi durch­lau­fen. Den Durch­bruch scheint er aber nun erst in Glad­bach zu schaf­fen. Zu­min­dest gab es Lob von Trai­ner Die­ter He­cking und Sport­chef Max Eberl. Und wie die Leis­tung Grif­os im Klei­nen viel­leicht ein Fin­ger­zeig für ei­nen Neu­an­fang war, so könn­te der über­zeu­gen­de Er­folg in Hof­fen­heim für die Bo­rus­sia so et­was wie ein Si­gnal zum Auf­bruch in kon­stan­te­re Zei­ten sein. De­ren Sai­son glich ja bis­lang ei­ner wil­den Ach­ter­bahn­fahrt. So bit­te­re Plei­ten wie das 1:6 in Dort­mund oder das 1:5 zu­letzt zu Hau­se ge­gen Le­ver­ku­sen ste­hen Punkt­ge­win­ne wie in Leip­zig und Er­fol­ge in Bre­men und nun in Hof­fen­heim ge­gen­über. Ein Ver­lust ist der län­ge­re Aus­fall von Mit­tel­feld­spie­ler Jo­nas Hof­mann. Der 25-Jäh­ri­ge er­litt ei­nen In­nen­band-Teil­riss im rech­ten Knie, er muss al­ler­dings nicht ope­riert wer­den.

In Hof­fen­heim be­or­der­te He­cking erst­mals In­nen­ver­tei­di­ger Mat­thi­as Gin­ter als Hü­ter der Se­rio­si­tät ins zen­tra­le de­fen­si­ve Mit­tel­feld ne­ben dem er­neut star­ken De­nis Za­ka­ria. Der Welt­meis­ter kennt die Po­si­ti­on aus sei­nen Zei­ten in Dort­mund und Frei­burg, am Sams­tag be­deu­te­te Gin­ter im Mit­tel­feld we­ni­ger Bolz­platz­nai­vi­tät und am En­de – nach Grif­os Krei­seln – so­gar Tor­ge­fahr. He­ckings Schach­zug ging al­so auf und in ih­ren bes­ten Mo­men­ten kann die­se Elf eben auch fast je­den Geg­ner in den Wahn­sinn trei­ben. TSG-Trai­ner Ju­li­an Na­gels­mann warf aus Är­ger über Glad­bachs Aus­gleich ei­ne gut ge­füll­te Was­ser­fla­sche, die er ei­gent­lich ge­gen ei­ne Wand am Spiel­feld­rand don­nern woll­te, ei­nem Zu­schau­er auf der Tri­bü­ne un­ab­sicht­lich an den Kopf. Ir­gend­et­was war bei der Wur­fak­ti­on schief­ge­lau­fen. Ha­zards Tor be­deu­te­te ja den An­fang vom En­de ei­ner be­ein­dru­cken­den Hof­fen­hei­mer Se­rie von 22 Heim­spie­len oh­ne Nie­der­la­ge. Na­gels­mann ent­schul­dig­te sich nach dem Ab­pfiff di­rekt bei dem Mann. Sein Team sucht in sei­ner ers­ten, kräf­te­zeh­ren­den Eu­ro­pa­cup­sai­son nach der Ba­lan­ce zwi­schen stän­di­gem Voll­gas­fuß­ball und klu­gem Kräf­tehaus­hal­ten.

Bei al­len schö­nen Ge­schich­ten, die die Hof­fen­hei­mer auch in die­ser Sai­son schrei­ben, et­wa den Ein­bau von Ta­len­ten aus dem ei­ge­nen Nach­wuchs wie Den­nis Gei­ger, Ste­fan Posch oder dem ge­gen Glad­bach star­ken Ke­vin Ak­po­gu­ma, bleibt auch fest­zu­hal­ten: Es fehlt ein Takt­ge­ber wie Se­bas­ti­an Ru­dy, der zu den Bay­ern ging. Es feh­len Spie­ler, die im rich­ti­gen Mo­ment auch ein­mal Tem­po aus dem Spiel neh­men. Vor dem nächs­ten Bun­des­li­ga­spiel am Sonn­tag in Köln muss die­se Elf mit den vie­len „Voll­gas­ty­pen“(Ma­na­ger Alex­an­der Ro­sen) am Don­ners­tag schon wie­der in der Eu­ro­pa-Le­ague beim Basak­se­hir FK in Istan­bul ran. In der Bun­des­li­ga­ta­bel­le sind die Hof­fen­hei­mer (Rang sie­ben) von Glad­bach nun über­holt wor­den.

NICHT ZU HAL­TEN war Glad­bachs Vin­cen­zo Grifo von Hof­fen­heims Ke­vin Voigt. Fo­to: im­a­go

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.