ISDV: Best Prac­tise und Know­ledge Ex­ch­an­ge

Man lernt nicht nur durch Feh­ler, son­dern vor al­lem durch gu­te Vor­bil­der. Mit der Ver­an­stal­tungs­rei­he „Best Prac­tice and Know­ledge Ex­ch­an­ge“bie­tet die ISDV des­halb Vor­trä­ge über gut funk­tio­nie­ren­de Ver­an­stal­tun­gen und Gro­ßevents an, um ei­ne zeit­ge­mä­ße, au

Production Partner - - Inhalt - Text: Mar­cus Pohl und Su­san­ne Fritzsch | Fotos: ISDV

Für die ers­te Ver­an­stal­tung des „Best Prac­tice and Know­ledge Ex­ch­an­ge“konn­te die ISDV Hol­ger Hüb­ner vom Wa­cken Open Air und sei­ne Ma­cher ge­win­nen. Mit 42 Teil­neh­mern aus den Be­rei­chen Meis­ter, Pro­mo­ter, Pro­duk­ti­ons­lei­tung, Pro­jekt­steue­rung, FASI, Büh­nen­bau und Tech­nik war ein brei­tes Spek­trum an In­ter­es­sen ver­tre­ten. Die Vor­trä­ge und der an­schlie­ßen­de Aus­tausch zeig­ten den Be­darf nach In­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen, in de­nen ein re­gel­kon­for­mer und prak­ti­scher Ar­beits­pro­zess im Rock’n’roll vor­ge­stellt und er­klärt wird.

WOA: er­folg­reich seit 27 Jah­ren

Nach der Be­grü­ßung durch den Isdv-vor­sit­zen­den Mar­cus Pohl er­öff­ne­te Hol­ger Hüb­ner, Ge­schäfts­füh­rer der ICS Fes­ti­val Ser­vice Gm­bh und Mit­be­grün­der des Wa­cken Open Air, die Vor­trags­rei­he. Er stell­te das Fes­ti­val mit Bil­dern aus den letz­ten 27 Jah­ren und den Zah­len aus 2016 vor und gab Ein­bli­cke in die Ent­ste­hungs­ge­schich­te und Ent­wick­lung von den klei­nen An­fän­gen 1990 bis zu dem Gro­ßevent mit 75.000 Gäs­ten, das es heu­te ist. Hol­ger er­mög­lich­te ei­nen Über­blick über die In­fra­struk­tur sei­ner Or­ga­ni­sa­ti­on und die Not­wen­dig­keit ei­ner auf­ge­schlos­se­nen Zu­sam­men­ar­beit mit den Be­hör­den und An­woh­nern Wa­ckens und den an­gren­zen­den Ge­mein­den. Die Mi­schung aus lo­ka­len Fir­men und Mit­ar­bei­tern und den gro­ßen Play­ern der Bran­che macht die­ses Fes­ti­val so er­folg­reich und be­liebt. Und ist zu­dem ein be­mer­kens­wer­tes Ex­em­pel da­für, dass ein Zu­sam­men­spiel von Rock’n’roll-pro­duk­ti­on und Re­gel­kon­for­mi­tät mög­lich ist.

Si­cher­heits­kon­zept des WOA

Mit Andreas Barth hat­te die Tech­nik-ab­tei­lung das Wort. An­dy ist Tech­ni­scher Lei­ter des WOA und In­ha­ber der mbme­dia Event Gm­bh. Er ko­or­di­niert an Show­ta­gen an die 200 Mit­ar­bei­ter. Für ihn sind des­halb kla­re Struk­tur­ket­ten und aus­rei­chend In­for­ma­tio­nen die Ba­sis sei­ner Ar­beit. Die Key­po­si­tio­nen wer­den min­des­tens mit Ver­ant­wort­li­chen für Ver­an­stal­tungs­tech­nik be­setzt. Er­fah­rung, Weit­blick und Re­ak­ti­ons­ver­mö­gen ge­hö­ren zu den Grund­kom­pe­ten­zen sei­nes Teams. Der von der tech­ni­schen Lei­tung er­stell­te „Leit­fa­den

Büh­nen­be­trieb“fasst das mit An­hän­gen meh­re­re 100 Sei­ten um­fas­sen­de Si­cher­heits­kon­zept auf die für den Büh­nen­be­trieb re­le­van­ten In­for­ma­tio­nen zu­sam­men. Wie An­dy Barth aus­führt, wird das WOA nach Ein­füh­rung der neu­en MVSTÄTTVO in Schles­wig-hol­stein nicht mehr nach ei­nem bau­recht­li­chen Ver­fah­ren, son­dern per Ord­nungs­ver­fü­gung vom Ord­nungs­amt ge­neh­migt. Man hat sich aber mit der Be­hör­de dar­auf ge­ei­nigt, die MVSTÄTTVO wei­ter­hin als Er­kennt­nis­quel­le her­an zu zie­hen, wo im­mer das sinn­voll und mög­lich ist.

Sebastian Dau­me ist ei­ner der Büh­nen­meis­ter des Wa­cken Open Air. Er ar­bei­te­te ge­mein­sam mit dem Büh­nen­meis­ter Mer­ten Wa­gnitz im 2-Schicht­be­trieb. Sebastian be­schrieb den Ar­beits­ab­lauf der Büh­nen­meis­ter auf dem Fes­ti­val. Grund­le­gend wer­de nach Ver­samm­lungs­stät­ten­ver­ord­nung und der DGUV V17 ge­han­delt. Als Hil­fe die­nen Check­lis­ten und Pro­to­kol­le. Bei Ab­nah­men si­cher­heits­re­le­van­ter tech­ni­scher Ein­rich­tun­gen gel­te im­mer das 6-Au­gen-prin­zip. Ge­mein­sam mit dem Ge­wer­ke­ver­ant­wort­li­chen und ei­nem wei­te­ren Meis­ter wird kon­trol­liert und pro­to­kol­liert. Bei klei­nen Bands, die even­tu­ell das ers­te Mal ein solch gro­ßes Fes­ti­val spie­len, muss mit dem­sel­ben Au­gen­merk wie bei gro­ßen Bands vor­ge­gan­gen und Prüf­zer­ti­fi­ka­te ein­ge­holt wer­den. Nicht im­mer sind Vor­schrif­ten und Ge­set­ze aus­rei­chend be­kannt.

Mer­ten Wa­gnitz lenk­te in sei­nem Vor­trag den Fo­kus auf das Si­cher­heits­kon­zept für die Büh­nen wäh­rend des Spiel­be­trie­bes. Hier­bei wur­de noch­mals deut­lich, wie viel das Wa­cken Open Air in ei­ne funk­tio­nie­ren­de In­fra­struk­tur in­ves­tiert. Ne­ben Fest­strom­lei­tun­gen – denn das Fes­ti­val hat den Stromver­brauch ei­ner Kreis­stadt –, Drai­na­gen und so­gar ei­ner un­ter­ir­di­schen Bier­lei­tung wur­de in den letz­ten Jah­ren auch ein Glas­fa­ser­netz ver­legt, wel­ches das ge­sam­te Fes­ti­val­ge­län­de ab­deckt und mit der Si­cher­heits­zen­tra­le ver­bin­det. So kön­nen Led-wän­de und Be­schal­lungs­an­la­gen im Not­fall un­ab­hän­gig an­ge­steu­ert, FOH- und Mo­ni­tor­plät­ze alar­miert und Si­cher­heits­hin­wei­se an das Pu­bli­kum wei­ter­ge­ge­ben wer­den. Die Si­cher­heits­zen­tra­le kann da­bei ein­zel­ne Be­rei­che oder auch al­le Büh­nen an­spre­chen. Für die schnellst­mög­li­che Re­ak­ti­on in ei­nem Ernst­fall steht den Mit­ar­bei­tern ein gut aus­ge­bau­tes in­ter­nes Alar­mie­rungs­sys­tem zur Ver­fü­gung.

Seit 2015 hat das Wa­cken Open Air ei­ne fes­te Stel­le für die Flie­gen­den Bau­ten. Björn Pa­pen­dick, In­ge­nieur bei mbme­dia, ent­las­tet da­mit die zu­stän­di­ge Bau­auf­sichts­be­hör­de und sei­ne Kol­le­gen vor Ort, die bis da­hin die Auf­ga­ben mit über­nom­men ha­ben. Maß­geb­lich für sei­ne Ar­beit sind die Mus­ter­bau­ord­nung (§ 76 – Ge­neh­mi­gung Flie­gen­der Bau­ten), die Mus­ter-richt­li­nie zum Bau und Be­trieb Flie­gen­der Bau­ten (MFLBAUR) und die trans­pa­ren­te Zu­sam­men­ar­beit mit den Be­hör­den. Björn ist An­sprech­part­ner und Be­ra­ter in der Ent­wick­lungs­pha­se. Er be­rei­tet die Ab­nah­men und Kon­trol­len der Bau­ten ge­mein­sam mit der Gas­tro­no­mie, Spon­so­ren und Aus­stel­lern vor und klärt die­se über sta­ti­sche Be­son­der­hei­ten auf. Die Ab­nah­me ba­siert auf ei­nem 3-Säu­len-mo­dell.

Der Ver­an­stal­ter ko­or­di­niert die Bau­ab­nah­me, der TÜV über­nimmt die (Groß-) Büh­nen und Ge­rüst­bau­ten und das Bau­amt die Zel­te und Son­der­bau­ten. Mit der fes­ten Stel­le für die Flie­gen­den Bau­ten kommt das Fes­ti­val ei­ner Über­las­tung der Be­hör­den und des ört­li­chen Per­so­nals ent­ge­gen. Die Ab­nah­men sind durch ei­nen Fach­mann vor­be­rei­tet und kön­nen auf ei­ni­ge Ta­ge ein­ge­grenzt wer­den. Das spart Kos­ten und Ner­ven und ver­hilft dem Fes­ti­val zu mehr Si­cher­heit und ei­nem gu­ten Ruf.

Als Fach­kraft für Ar­beits­si­cher­heit (FASI) und Si­cher­heits- und Ge­sund­heits­ko­or­di­na­tor (Si­ge­ko) ist Fal­co Za­ni­ni seit vier Jah­ren für das WOA tä­tig. Sei­ne Hand­lungs­hil­fen sind das Ar­beits­schutz­ge­setz, die Be­triebs­si­cher­heits­ver­ord­nung, die DGUV V1 und die DGUV In­for­ma­tio­nen I 211-006 und I 215-830. Mit der Si­cher­heits­ko­or­di­na­ti­on müs­se, so Fal­co, so zei­tig wie mög­lich be­gon­nen wer­den. Das Wa­cken-team gibt zur Ver­ein­heit­li­chung und bes­se­ren Kon­trol­le Vor­la­gen für Ge­fähr­dungs­be­ur­tei­lung und Un­ter­wei­sun­gen an die ver­schie­de­nen Ge­wer­ke, Fir­men und Mit­ar­bei­ter her­aus, die die­se auf­be­rei­ten müs­sen. Kon­trol­len, Fach- und Auf­klä­rungs­ge­sprä­che vor Ort sol­len Fehl­ver­hal­ten stop­pen, denn Re­den schafft Be­wusst­sein. Die Statistik zeigt, dass es funk­tio­niert. Den Ver­ant­wort­li­chen des Fes­ti­vals sind kei­ne nen­nens­wer­ten Per­so­nen- oder Ma­te­ri­al­schä­den in den letz­ten Jah­ren be­kannt. Nichts­des­to­trotz müs­sen ein kon­ti­nu­ier­li­cher Ver­bes­se­rungs­pro­zess er­hal­ten blei­ben und wenn nö­tig, eta­blier­te Struk­tu­ren auf­ge­bro­chen wer­den.

Struk­tu­ren für mehr Si­cher­heit

Im zwei­ten Teil der Ver­an­stal­tung wur­den durch die Fra­gen der Teil­neh­mer ei­ni­ge The­men noch­mals ver­tieft. Hol­ger Hüb­ner schil­der­te die Vor­tei­le, die durch die gu­te Zu­sam­men­ar­beit mit Be­hör­den ent­ste­hen und mach­te deut­lich, dass das Auf­bre­chen von al­ten Struk­tu­ren und das Schaf­fen von neu­en Stel­len zu mehr Struk­tur und Si­cher­heit füh­ren kann.

Wei­te­re Fra­gen gab es zu Schutz­räu­men bei Un­wet­tern, wo­bei dem WOA hier die Nä­he zwi­schen Fes­ti­val- und Cam­ping-/park­ge­län­de zu­gu­te kommt, zu Ar­beits­zei­ten (Schicht­sys­tem und elek­tro­ni­sches Ein- und Au­sche­cken re­geln die­se), zu Laut­stär­ke und dem Um­gang mit An­woh­ner- und Be­su­cher­schutz, zu Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht und Ar­beits­schutz. Wich­tig wa­ren im­mer wie­der die Hin­wei­se auf gül­ti­ge Ge­set­ze und Ver­ord­nun­gen und de­ren Wis­sen dar­um. Halb­wis­sen schützt im Zwei­fels­fall nicht. Erst ei­ne aus­rei­chen­de In­for­ma­ti­on, die Aus­ein­an­der­set­zung mit Vor­schrif­ten und ei­ne aus­führ­li­che Do­ku­men­ta­ti­on schaf­fen Si­cher­heit und gleich­zei­tig auch Spiel­räu­me.

» Mit der fes­ten Stel­le für die Flie­gen­den Bau­ten kommt das Fes­ti­val ei­ner Über­las­tung der Be­hör­den und des ört­li­chen Per­so­nals ent­ge­gen«

Ver­an­stal­ter und Re­fe­ren­ten Mar­cus Pohl, Hol­ger Hüb­ner, Jen­ny Pohl, Mer­ten Wa­gnitz, Bas­ty Du­ell­mann, Björn Pa­pen­dick, Su­san­ne Fritzsch, Sebastian Dau­me, An­dy Barth, Fal­co Za­ni­ni

Su­san­ne Fritzsch und Mar­cus Pohl vom ISDV

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