Neue Au­to­ma­ti­ons­mög­lich­kei­ten für Fol­low-spots

Der klas­si­sche Ver­fol­ger war lan­ge Zeit nur ein not­wen­di­ges, zu­dem oft kos­ten- und ar­beits­in­ten­si­ves Übel. In mo­der­nen, um Steue­run­gen er­wei­ter­ten Va­ri­an­ten – die wir hier vor­stel­len – er­lebt er der­zeit ge­ra­de­zu ei­ne Re­nais­sance.

Production Partner - - Inhalt - Text: Stefan Jun­ker | Fo­tos: Stefan Jun­ker, Mar­cel Courth (1)

Egal ob es dar­um geht, mons­trö­se Ca­ses mit enor­mem Ge­wicht in Are­na-rän­ge zu schlep­pen oder sie mit schwe­rem Ge­rät auf die obers­ten Eta­gen der Fes­ti­val-foh-to­wer zu he­ben, ganz zu schwei­gen von Truss-fol­lows, in de­ren Sit­zen ar­me Tech­ni­ker oft ab dem Ein­lass­be­ginn dar­auf hof­fen, nicht vor dem Show­en­de auf die Toi­let­te zu müs­sen – der Fol­low­s­pot dürf­te in der Licht­tech­nik si­cher­lich un­ter den Top 10 der un­be­lieb­tes­ten Auf­ga­ben ran­ken. Ge­ra­de die zu­letzt ge­nann­ten (ge­flo­ge­nen) Sys­te­me sor­gen kos­ten-, per­so­nal-

und si­cher­heits­sei­tig oft bei al­len Be­tei­lig­ten für Kopf­schmer­zen. Ein auf den ers­ten Blick ver­wun­der­li­cher Um­stand: Wer­den doch im Show­be­reich be­reits seit lan­ger Zeit ex­trem leis­tungs­star­ke Mo­ving Lights in gro­ßen Stück­zah­len aus der Fer­ne kon­trol­liert und ver­wal­tet, per­so­na­li­sier­tes Füh­rungs­licht aber im­mer noch sehr stief­müt­ter­lich mit der Hand an der Leuch­te ge­steu­ert.

Ei­ne Er­klä­rung da­für fin­det sich in den An­for­de­run­gen, die bei ei­ner Licht­kon­so­le pri­mär in kom­ple­xen Se­t­up- und Pro­gram­mier­mög­lich­kei­ten lie­gen, beim Re­mo­te-fol­low eher in ei­ner smoo­then „Echt­zeit-kon­trol­le“vor­wie­gend der Pa­ra­me­ter für Pan und Tilt, wie sie mit Wash­light im Rigg und Ope­ra­tor-hand auf dem Track­ball des Pul­tes auf kei­nen Fall pro­fes­sio­nell rea­li­sier­bar ist. Was al­so lan­ge Zeit fehl­te, wa­ren we­der leis­tungs­star­ke Schein­wer­fer noch die dem­ent­spre­chen­de Re­mo­te­fä­hig­keit – son­dern ge­eig­ne­te In­ter­faces zur „ge­fühls­ech­ten“Kon­trol­le. Doch so lang­sam kommt sprich­wört­lich Be­we­gung in das The­ma, wenn auch mit ver­schie­dens­ten Lö­sungs­an­sät­zen. Wir ge­ben hier da­her ei­nen Über­blick über ak­tu­ell an­ge­bo­te­ne Hard- und Soft­ware für ma­nu­ell ge­führ­te Fol­low-re­mo­te-sys­te­me.

Fol­low-up­grade von Ro­bert Ju­li­at

Äu­ßerst über­ra­schend war auf der Pro­light + Sound 2017 vor al­lem der re­nom­mier­te Ver­fol­ger-her­stel­ler Ro­bert Ju­li­at mit ei­nem ei­ge­nen Fol­low-up­grade-kit ver­tre­ten: „Spot­me“soll aus ver­ständ­li­chen Grün­den den klas­si­schen Fol­low al­ler­dings nicht er­set­zen, son­dern le­dig­lich er­gän­zen, bei­spiels­wei­se mit au­to­ma­tisch fol­gen­den Spitz­lich­tern. Zu die­sem Zweck wird der Füh­rungs-fol­low auf ei­nem spe­zi­el­len, mit di­ver­sen Sen­so­ren für Dreh- und Kipp­be­we­gun­gen aus­ge­stat­te­ten Sta­tiv mon­tiert. In Kom­bi­na­ti­on mit dem vor­ab mit Hil­fe ei­nes La­ser­me­ters er­mit­tel­ten Stand­ort des Fol­lows in Be­zug zur Sze­nen­flä­che er­rech­net nun ein Ser­ver die ge­naue Po­si­ti­on der an­vi­sier­ten „Ziel­per­son“und gibt die­se per Po­sis­ta­ge­net-da­ten (PSN) an ge­eig­ne­te Emp­fän­ger wei­ter. PSN ist ein of­fe­nes Pro­to­koll zum Er­fas­sen, Tra­cken und Wei­ter­ge­ben von Po­si­ti­ons­da­ten be­weg­li­cher Ob­jek­te auf Büh­nen und wur­de haupt­säch­lich als Ko­ope­ra­ti­on des ka­na­di­schen Me­dien­spe­zia­lis­ten VYV mit dem deut­schen Kon­so­len­her­stel­ler MA Light­ing ent­wi­ckelt. Fol­ge­rich­tig sind auch die grand­ma2-kon­so­len denk- und dank­ba­re Emp­fän­ger der Ps­nda­ten und kön­nen die­se mit in­ter­nen, se­pa­rat im Se­t­up zu patchen­den Sta­ge-mar­kern ver­knüp­fen. Auf die­se Wei­se las­sen sich nun – wenn nö­tig so­gar Cue-by-cue – die je­weils ge­wünsch­ten Schein­wer­fer in be­lie­bi­ger Stück­zahl den je­wei­li­gen Mar­kern als Re­fe­renz­punkt zu­ord­nen, um die­sen an­schlie­ßend völ­lig au­to­ma­tisch und höchst prä­zi­se zu fol­gen – vor­aus­ge­setzt, die Xyz-da­ten für die an­ge­leg­ten Schein­wer­fer ent­spre­chen der Rea­li­tät.

Die Vor­tei­le lie­gen klar auf der Hand: Ab­ge­se­hen von der Po­si­ti­ons­be­stim­mung des Fol­lows be­nö­tigt das Sys­tem kein wei­te­res Ein­mes­sen, kei­ne Ka­me­ra

und kei­ne Sen­so­ren im Rigg – al­ler­dings nach wie vor ein ge­eig­ne­tes Plätz­chen für den Ver­fol­ger, idea­ler­wei­se auch dem­ent­spre­chend er­höht, um nicht nur die X-ach­se, son­dern auch die Y-ach­se – und da­mit die Büh­nen­tie­fe – er­fas­sen zu kön­nen.

Fol­low-split von PRG

Ei­nen kom­plett kon­trä­ren An­satz ver­folgt PRG mit sei­nem Ground Con­trol Sys­tem: Hier soll der klas­si­sche Fol­low nicht nur er­gänzt, son­dern voll­stän­dig durch ei­ne mo­der­ne, re­mo­te-ge­stütz­te Va­ri­an­te er­setzt wer­den. Da­bei geht es nicht dar­um, vor­han­de­ne Mo­ving Lights aus dem Rigg zu ver­wen­den oder gar meh­re­re Schein­wer­fer syn­chron ei­nem Ziel zu­zu­ord­nen. Hier soll pri­mär der Ope­ra­tor räum­lich vom Schein­wer­fer ge­trennt wer­den, um ins­be­son­de­re prak­ti­ka­ble­re Truss-fol­low-lö­sun­gen an­bie­ten zu kön­nen. Als Schein­wer­fer fun­gie­ren bei die­sem pro­prie­tä­ren Sys­tem je nach Dis­tanz und Ein­satz­zweck ein PRG GC Bad Boy, GC Best Boy oder der neue GC Long Throw mit je­weils in­te­grier­ten Hd-sdi-ka­me­ras, die mit- tels Glas­fa­ser mit dem ex­ter­nen Be­dien­teil, der „Ground Con­trol Unit“, ver­bun­den sind.

Auf­grund von De­sign und Hap­tik die­ser Re­mo­te­steue­rung lässt sich das Sys­tem ana­log ei­nes nor­ma­len Ver­fol­gers nut­zen und be­darf so­mit auch kei­ner­lei Sen­so­ren oder Ka­li­brie­run­gen. Der Fol­low-fah­rer zielt le­dig­lich mit­tels Bild­schirm auf sein Ob­jekt, darf da­für aber auch be­quem „clo­se-to-ca­te­ring“sit­zen, an­statt meh­re­re St­un­den durch­ge­hend un­ter ei­ner Tra­ver­se zu kle­ben.

Zwei Soft­ware­lö­sun­gen

Als kom­plett ei­gen­stän­di­ge, rech­ner­ge­stütz­te Sys­te­me prä­sen­tie­ren sich „Spo­track“aus Ir­land so­wie „Fol­low-me“aus den Nie­der­lan­den. Bei­de Sys­te­me un­ter­stüt­zen Ver­fol­gungs­fahr­ten mit mul­ti­plen Schein­wer­fern na­he­zu al­ler Her­stel­ler, müs­sen die­se aber vor­ab im drei­di­men­sio­na­len Raum

über Mess­punk­te ka­li­brie­ren. An­schlie­ßend kön­nen die ge­wünsch­ten Mo­ving Lights mit­tels Maus oder Stift auf das Ziel aus­ge­rich­tet und syn­chron be­wegt wer­den.

Die Un­ter­hal­tung zwi­schen Re­mo­te-sys­tem und Schein­wer­fer ba­siert da­bei auf DMX be­zie­hungs­wei­se Art­net, wo­durch ei­ne sehr ein­fa­che In­te­gra­ti­on in be­ste­hen­de Licht­sys­te­me mög­lich ist. Wei­ter­hin ist so auch die Über­nah­me der vol­len Kon­trol­le mit­tels Licht­kon­so­len zu je­der Zeit mög­lich, um Schein­wer­fer bei­spiels­wei­se im In­tro als Show­licht, spä­ter dann als Fol­low zu ver­wen­den. Als Be­son­der­heit las­sen sich bei „Fol­low-me“mit nur ei­nem Sys­tem meh­re­re Zie­le de­fi­nie­ren und gleich­zei­tig ver­fol­gen so­wie die Be­we­gun­gen als Psn-da­ten aus­ge­ben, um die­se in ei­ner Licht­kon­so­le wei­ter zu ver­ar­bei­ten.

Tri­pod-re­mo­te

Ei­ne Hard­ware­lö­sung bie­tet „Spot­dri­ve“des dä­ni­schen Her­stel­lers Li­te­com. Hier­bei han­delt es sich im We­sent­li­chen um ei­ne Art Ka­me­ra­tri­pod-sta­tiv oh­ne Ka­me­ra, da­für aber mit zwei Kon­troll­ein­hei­ten an den Hand­grif­fen, ei­nem Bild­schirm zur Über­tra­gung des First-per­son­views der „Fol­low-ka­me­ra“so­wie ei­nem Dmx-um­set­zer zur Wand­lung und Aus­ga­be der Da­ten­si­gna­le von Sta­tiv und Con­trol­ler. Die Be­we­gung des Sta­tivs ist da­bei ex­trem weich und ru­ckel­frei, was dem Ope­ra­tor ein sehr si­che­res und di­rek­tes Feed­back bei der Fern­steue­rung des Fol­low-schein­wer­fers gibt. Die Aus­ga­be per DMX er­mög­licht die di­rek­te Steue­rung ei­nes ein­zel­nen Schein­wer­fers oder aber auch die Steue­rung

Ro­bert Ju­li­at „Spot­me“soll aus ver­ständ­li­chen Grün­den den klas­si­schen Fol­low nicht er­set­zen, son­dern le­dig­lich er­gän­zen. Zu die­sem Zweck wird der Füh­rungs-fol­low auf ei­nem spe­zi­el­len, mit di­ver­sen Sen­so­ren für Dreh- und Kipp­be­we­gun­gen aus­ge­stat­te­ten Sta­tiv mon­tiert und gibt die­se per Po­sis­ta­ge­net-da­ten an ge­eig­ne­te Emp­fän­ger wei­ter

Ground Con­trol Sys­tem von PRG er­setzt den klas­si­schen Fol­low voll­stän­dig durch ei­ne mo­der­ne, re­mo­te-ge­stütz­te Va­ri­an­te

Aut­ar­ke Sys­te­me mit „Spo­track“aus Ir­land

Eben­falls kom­plett ei­gen­stän­dig, rech­ner­ge­stützt „Fol­low-me“aus den Nie­der­lan­den

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