Car­go Carts: Am An­fang war das Cha­os

Mehr In­di­vi­dua­li­tät durch Stan­dar­di­sie­rung – was auf den ers­ten Blick wi­der­sprüch­lich wirkt, ist das Er­folgs­ge­heim­nis des mitt­ler­wei­le seit 15 Jah­ren stän­dig fort­ent­wi­ckel­ten Trans­port­sys­tems Car­go Cart.

Production Partner - - Inhalt - Text: Richard Meu­sers | Fo­tos: Richard Meu­sers, La­te Night Con­cepts (1)

Teu­re, um­ständ­lich zu be­we­gen­de Flight­ca­ses – das sind im Trans­port­ge­wer­be für Ver­an­stal­tungs­tech­nik bis heu­te im­mer noch die Ver­pa­ckungs­lö­sun­gen der Wahl. Für die Be­för­de­rungs­lo­gis­ti­ker von La­te Night Con­cepts (LNC) im müns­ter­län­di­schen Wer­ne stell­te sich schon vor vie­len Jah­ren die Fra­ge, wie die Spe­di­ti­ons­auf­ga­ben der Bran­che ef­fi­zi­en­ter be­wäl­tigt wer­den könn­ten. Die üb­li­chen Trans­port­ver­pa­ckun­gen ma­chen auf­grund un­ter­schied­li­cher Ge­wich­te und Pack­ma­ße das Be­la­den schnell zu ei­nem end­lo­sen „Te­tris– Spiel“. Und so ver­geht oft ei­ne Men­ge Zeit, bis die La­de­flä­che ei­nes Trucks end­lich ge­schlos­sen wer­den kann … und dass die Mit­ar­bei­ter „Rü­cken ha­ben“. Lnc-ge­schäfts­füh­rer In­go Kai­ser war bald klar, dass er ein Trans­port­sys­tem be­nö­tig­te, mit dem er die un­ter­schied­lichs­ten Ma­te­ria­li­en ver­pa­cken und auf ein ein­heit­li­ches Pack­maß brin­gen konn­te. Auf die­se Wei­se soll­te bei der Be­la­dung ei­nes Trucks ei­ne fle­xi­ble­re La­de­rei­hen­fol­ge er­mög­licht wer­den. Das hät­te deut­li­che Ein­spa­run­gen bei Zeit- und Per­so­nal­kos­ten zur Fol­ge.

Schnel­lig­keit, Fle­xi­bi­li­tät und Kos­ten­ef­fi­zi­enz

Nach um­sich­ti­ger Ent­wick­lungs­ar­beit und ver­schie­de­nen Test­bau­rei­hen brach­te LNC 2012 ein Lo­gis­tik­sys­tem na­mens Car­go Cart zur Pa­tent­rei­fe, das ge­nau die An­sprü­che er­füllt, die in der Ver­an­stal­tungs­bran­che zu den Er­folgs­vor­aus­set­zun­gen ge­hö­ren: Schnel­lig­keit, Fle­xi­bi­li­tät und Kos­ten­ef­fi­zi­enz. Der Kern­punkt des Sys­tems ist die mo­du­la­re Bau­wei­se, die da­für sorgt, dass die Car­go Carts ei­ner­seits in­di­vi­du­ell kom­bi­nier­bar und auf den je­wei­li­gen Ein­satz­zweck hin jus­tier­bar sind, an­de­rer­seits aber stets über ein ein­heit­li­ches Pack­maß ver­fü­gen. Ob als Er­satz für Flight­ca­ses, als La­ger­mög­lich­keit oder Trans­port­box – dem Nut­zer sind

prak­tisch kei­ne Gren­zen ge­setzt. Sämt­li­che Mo­du­le be­ru­hen auf den Stan­dard­ma­ßen 120 × 145 × 80 cm B/H/T. Da­mit sind sie an die bei Trucks üb­li­chen Ma­ße der La­de­flä­chen an­ge­passt, drei Car­go Carts pas­sen ne­ben­ein­an­der, zwei über­ein­an­der. Ein 40-Ton­ner bie­tet so Platz für 66 Mo­du­le, da­mit ist die Be­rech­nung, wie viel Vo­lu­men für ei­ne Be­la­dung be­nö­tigt wird, schnell er­le­digt.

Die Car­go Carts gibt es in zwei Ver­sio­nen, ei­ner ge­schlos­se­nen und ei­ner of­fe­nen. Je nach­dem, ob un­ter­schied­lich gro­ßes Equip­ment für Ver­an­stal­tungs­tech­nik, Event- oder Mes­se­bau ver­packt und ver­la­den wer­den soll.

Car­go Cart 1.0 für Ver­an­stal­tungs­tech­nik

Das ge­schlos­se­ne „Car­go Cart 1.0“eig­net sich zum Trans­port von Ver­an­stal­tungs­tech­nik und bie­tet viel­fäl­ti­ge Mög­lich­kei­ten zur si­che­ren Ver­wah­rung von Klein­tei­len wie Elek­tro­ge­rä­te, Ka­bel, Rig­ging­zu­be­hör und di­ver­sen Zu­be­hör­tei­len. Zum Ver­pa­cken von Be­leuch­tung, Sys­tem­ver­ka­be­lung, Be-

schal­lungs-oder Av-tech­nik kön­nen ent­spre­chen­de Mo­du­le in­te­griert wer­den. Auch Spe­zia­le­quip­ment lässt sich so oh­ne teu­re Son­der­ver­pa­ckun­gen trans­por­tie­ren. An­ders als her­kömm­li­che Flight­ca­ses wer­den die Car­go Carts beim Trans­port nicht ge­tippt. Durch in­te­grier­te Aus­spa­run­gen für die Rol­len las­sen sich im­mer zwei Carts im Truck über­ein­an­der­sta­peln, so bleibt kein wert­vol­ler La­de­raum un­ge­nutzt. Auch vor­ver­ka­bel­te Sys­te­me kön­nen auf die­se Wei­se schnell und ein­fach trans­por­tiert wer­den und sind in kür­zes­ter Zeit wie­der be­triebs­be­reit.

Car­go Cart 2.0 für Mes­se- und Event­bau

Im Set-, Event- und Mes­se­bau müs­sen oft­mals sper­ri­ge Ma­te­ria­li­en trans­por­tiert wer­den. Ent­spre­chen­de Ma­te­ria­li­en wer­den üb­li­cher­wei­se für den Trans­port auf Pa­let­ten fest­ge­zurrt. Die Nach­tei­le die­ser Ver­pa­ckungs­me­tho­de lie­gen auf der Hand: Kein Schutz ge­gen Trans­port­schä­den des Ma­te­ri­als und un­ab­wend­ba­rer Ver­lust wert­vol­len Stau­raums, da die Pa­let­ten sich nur be­dingt sta­peln las­sen und oh­ne Hub­wa­gen auch nicht mo­bil sind. Durch die Ver­pa­ckung im of­fe­nen Car­go Cart 2.0 und die Mög­lich­keit meh­re­re Carts an­ein­an­der­zu­kop­peln, kann auf ein­fa­che Art und Wei­se auch Sper­rund Lang­gut auf Pack­maß ge­bracht wer­den. Tra­ver­sen oder lan­ge Pro­fi­le la­gern dann si­cher in ei­ner Mo­dul­rei­he. Zu­dem wird der In­halt durch den Stahl­rah­men des Carts ge­gen Be­schä­di­gun­gen ge­schützt. An­sons­ten er­folgt das Öff­nen und Schlie­ßen der Car­go Carts werk­zeug­frei, die Holz­wän­de bei Ver­si­on 1.0 sind stirn­sei­tig als Schie­be­tü­ren mit Ein­rast­funk­ti­on ge­stal­tet. Die Mo­du­le kön­nen Las­ten bis zu 900 kg (dy­na­misch) oder 1.200 kg (sta­tisch) auf­neh­men. Für LNC hat sich der Ein­satz des Car­go-cart-sys­tems längst be­zahlt ge­macht. So konn­ten die La­de­pha­sen ver­kürzt und Auf- und Ab­bau ver­ein­facht wer­den, es wur­den Per­so­nal­kos­ten ein­ge­spart und die kör­per­li­che Be­an­spru­chung der Mit­ar­bei­ter beim Be­la­de­pro­zess re­du­ziert. Au­ßer­dem gab es bei den Kos­ten für die Ver­pa­ckung des Ma­te­ri­als er­heb­li­che Ein­spa­run­gen. In­go Kai­ser führt das am Bei­spiel ei­nes 40Ton­ners aus. Für ei­ne Be­la­dung mit her­kömm­li­chen Flight Ca­ses brau­chen sechs Mann im Schnitt zwei St­un­den. Mit dem fle­xi­blen Car­go-cart-sys­tem ist die glei­che Leis­tung mit drei Mann in 30 Mi­nu­ten zu schaf­fen.

Ro­bust und fle­xi­bel

Die sta­bi­le Bau­wei­se mit Stahl­rah­men macht die Car­go Carts sehr lang­le­big, die da­mit im­mer wie­der ver­wen­det wer­den kön­nen. Da sie ro­bust und zugleich fle­xi­bel sind, eig­nen sie sich be­son­ders für Ein­sät­ze mit ho­hem An­for­de­rungs- und Ver­schleiß­po­ten­zi­al. Wenn et­wa bei Road­shows Equip­ment und Büh­nen­ele­men­te in kur­zer Zeit wie­der­holt in­stal­liert, wie­der ab­ge­baut und zum nächs­ten Ort ge­schafft wer­den müs­sen, kann das Fracht­gut mit Car­go Carts sehr viel bes­ser ge­schützt wer­den. Das ist im Sin­ne von Kos­ten­er­spar­nis und Nach­hal­tig­keit für al­le Be­tei­lig­ten ein wich­ti­ger Aspekt.

Nach den gu­ten Er­fah­run­gen, die LNC über meh­re­re Jah­re mit sei­ner Ei­gen­ent­wick­lung ge­macht hat­te, ent­schloss sich Kai­ser, die Pro­duk­te auch ex­ter­nen In­ter­es­sen­ten an­zu­bie­ten. Zum ers­ten Mal wur­den die Car­go Carts auf der Pro­light + Sound 2013 der Öf­fent­lich­keit vor­ge­stellt. Fir­men­chef Kai­ser sieht den ent­schei­den­den Vor­teil für po­ten­zi­el­le Kun­den

dar­in, dass LNC nicht nur als ein­fa­cher Ver­käu­fer auf­tritt, son­dern die Pro­duk­te selbst her­stellt und be­nutzt: „Wir sind zu­erst An­wen­der und wis­sen da­her ge­nau, wo­von wir spre­chen.“In­ter­es­sen­ten müs­sen Car­go Carts nicht so­fort in gro­ßen Stück­zah­len kau­fen. LNC bie­tet ne­ben Pro­bier­pa­ke­ten, in de­ren Rah­men De­mo­sets in der Pra­xis ge­tes­tet wer­den kön­nen, auch den Verleih der La­de­bo­xen an. Kun­den, die sich ei­nen be­stimm­ten Grund­be­stand an Car­go Carts zu­ge­legt ha­ben, kön­nen so auf die Schnel­le Spit­zen ab­de­cken, die durch kurz­fris­ti­ge Auf­trä­ge ent­ste­hen.

Ne­ben ih­rer Wie­der­ver­wend­bar­keit und den fle­xi­blen Ein­satz­mög­lich­kei­ten bie­ten die Car­go Carts ei­nen wei­te­ren Vor­teil – den Preis. Der liegt deut­lich un­ter dem der üb­li­cher­wei­se sonst oft ver­wen­de­ten Flight­ca­ses. Die Car­go Carts kön­nen sich durch ih­re Ein­satz­band­brei­te um­so schnel­ler amor­ti­sie­ren. In­zwi­schen läuft das Ge­schäft mit dem mo­du­la­ren Sys­tem so er­folg­reich, dass die Spar­te 2014 aus LNC aus­ge­glie­dert und am sel­ben Stand­ort in ein ei­ge­nes Un­ter­neh­men über­führt wur­de.

„Wir ver­pa­cken al­les“

An­ders als der Mes­se­bau sei der Event­bau eher lang­fris­tig und nach­hal­tig aus­ge­rich­tet, so Kai­ser. Das kom­me auch in der ei­ge­nen Werk­stät­ten zum Tra­gen, in de­nen un­ter an­de­rem Büh­nen­bil­der und Mö­bel­se­ri­en ent­ste­hen. Bei der Zu­sam­men­ar­beit mit Kon­zep­tio­nern, De­si­gnern und an­de­ren krea­ti­ven Köp­fen in Agen­tu­ren ge­he es dar­um, die für die je­wei­li­ge Idee bes­te tech­ni­sche Lö­sung zu fin­den. Grund­sätz­lich gel­te: „Wir ver­pa­cken al­les.“Da­bei hilft die Dop­pel­struk­tur LNC / Car­go Carts, ver­schie­dens­ten An­sprü­chen mög­lichst um­fas­send ge­recht zu wer­den. LNC ist eher auf den Um­gang mit ei­nem tech­nisch ge­präg­ten Kun­den­kreis an­ge­legt, hier geht es um die ge­ne­rel­le Pla­nung und Rea­li­sie­rung von Ver­an­stal­tungs­pro­jek­ten wie Prä­sen­ta­tio­nen und Kick­off-mee­tings, Kon­gres­sen und Ta­gun­gen, Jah­res­haupt­ver­samm­lun­gen, Mes­sen und Aus­stel­lun­gen oder auch Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen. Im Be­reich Car­go Carts ge­hö­ren ne­ben Di­enst­leis­tern auch Agen­tu­ren und De­si­gner zu den An­spre­chund Ko­ope­ra­ti­ons­part­nern. Für sie spie­le vor al­lem die Fra­ge ei­ne Rol­le: „Wie kommt mein De­sign von ei­nem Ort zum an­de­ren – oder so­gar meh­re­ren – und bleibt schön?“

Mit sei­ner 20-jäh­ri­gen Un­ter­neh­mens­er­fah­rung im Hin­ter­grund kann LNC ei­ne Pla­nung und Di­enst­leis­tung aus ei­nem Guss an­bie­ten. Ge­ra­de die stan­dar­di­sier­ten Mo­du­le der Car­go Carts er­mög­li­chen durch ih­re An­wen­der­freund­lich­keit und Ef­fi­zi­enz ei­ne sehr weit­ge­hen­de An­pas­sung an die je­wei­li­gen, in­di­vi­du­el­len Kun­den­wün­sche. Das be­deu­tet schon beim Ent­wurf von Büh­nen­ele­men­ten auf de­ren mög­lichst ef­fi­zi­en­te Ver­pack­bar­keit hin zu pla­nen. Die ein­zel­nen Be­stand­tei­le ei­ner De­ko­ra­ti­on be­sit­zen dann Ma­ße, mit de­nen sie op­ti­mal in den Car­go Carts ver­packt und trans­por­tiert wer­den kön­nen. Das zeig­te sich et­wa bei ei­ner Ta­gung, die 2016 in Pe­king, Xi’an und Shang­hai ab­ge­hal­ten wur­de. Dem von LNC ge­fer­tig­ten Büh­nen­bild sieht der Be­trach­ter nicht an, dass sei­ne ein­zel­nen Ele­men­te auf „Ver­pa­ckungs­maß“ge­ar­bei­tet wur­den. In­zwi­schen konn­ten im­mer mehr Ak­teu­re im Be­reich Ver­an­stal­tungs­tech­nik von den Vor­tei­len des Car­go-cart-sys­tems über­zeugt wer­den. Die Re­fe­ren­zen­lis­te ent­hält mitt­ler­wei­le von PRG, scho­ko­pro oder der Lang AG bis zu Ne­u­mann&mül­ler vie­le gu­te Na­men. Geht es nach In­go Kai­ser, soll die­se Lis­te noch viel län­ger wer­den.

Die Car­go-carts-grö­ßen ent­spre­chen den Ma­ßen von Lkw-la­de­flä­chen

Auch sper­ri­ge Gü­ter wie Tra­ver­sen kön­nen pro­blem­los und schnell ver­staut wer­den In­go Kai­ser Chef von La­te Night Con­cepts

La­ger­re­ga­le wer­den durch Car­go Carts er­setzt

Auch Klein­tei­le und kom­ple­xes Equip­ment sind schnell ver­packt und vor Ort schnell ein­satz­be­reit

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