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Kraft gleich Mas­se mal Be­schleu­ni­gung – sze­ni­sche Be­we­gun­gen al­ler Art sind en vo­gue. Was für den un­be­darf­ten Be­trach­ter ei­ner Show oft­mals wie Zau­be­rei an­mu­tet, sind in Wirk­lich­keit hand­fes­te Er­geb­nis­se aus dem Ma­schi­nen­bau.

Production Partner - - Kinetik | Dynamische Show-elemente - Text: Hans-eber­hard Ko­the | Zeich­nung: Scho­ko­pro

Was ist Ki­ne­tik? Ge­meint sind hier al­le Be­we­gun­gen, die sze­nisch für das Pu­bli­kum sicht­bar oder auch im Off statt­fin­den. Im Thea­ter wird dies mit dem et­was mys­ti­fi­zie­ren­dem Be­griff „Ver­wand­lung“be­zeich­net; hier sol­len je­doch mo­bi­le An­wen­dun­gen im Vor­der­grund ste­hen.

Be­we­gun­gen im Raum

Üb­li­cher­wei­se ste­hen be­stimm­te Vor­stel­lun­gen am An­fang ei­nes sol­chen Ein­sat­zes: Ein Raum soll ver­grö­ßert oder ver­klei­nert wer­den, Per­spek­ti­ven sol­len ver­än­dert wer­den oder be­stimm­te Din­ge – wie Re­qui­si­ten oder In­stru­men­te – wer­den auf der Büh­ne tem­po­rär ge­braucht. Raum­ver­än­de­run­gen durch das Ent­fer­nen oder Ein­brin­gen von bis da­hin be­ste­hen­den Be­gren­zun­gen, (Wän­den, Lein­wän­den oder Led­wän­den) er­öff­nen neue Per­spek­ti­ven oder er­lau­ben die dra­ma­ti­sche Ent­hül­lung von Pro­duk­ten. Ge­ra­de im Be­reich der Pro­dukt­prä­sen­ta­ti­on von Fahr­zeu­gen wird die­se Mög­lich­keit ger­ne ge­nutzt, um ei­ne dy­na­mi­sche Ins­ze­nie­rung zu er­rei­chen und das Pro­dukt emo­tio­nal auf­zu­la­den.

Na­tur­ge­mäß ist es be­ein­dru­cken­der, in gro­ßen Hal­len auch gro­ße Be­we­gun­gen durch­zu­füh­ren: Das Ein­schwe­ben ei­nes

Au­to­mo­bils auf sei­ne Prä­sen­ta­ti­ons­flä­che ist spek­ta­ku­lä­rer, als das ei­nes Scho­ko­rie­gels in Ori­gi­nal­for­mat. Aber nicht nur die ver­ti­ka­le Be­we­gung ist hier von In­ter­es­se, son­dern auch die ho­ri­zon­ta­le Ver­fah­rung er­öff­net Mög­lich­kei­ten der Ins­ze­nie­rung. Led-wän­de kön­nen sich an Schie­nen hän­gend oder auf dem Bo­den roll­bar tei­len und Auf­tritts­mög­lich­kei­ten frei­ge­ben, De­ko­ra­ti­ons­ele­men­te oder In­stru­men­te kön­nen nach Be­darf in den Ak­ti­ons­be­reich ge­fah­ren wer­den und auch für die Fahr­zeug­prä­sen­ta­ti­on bie­tet ein ex­ter­ner An­trieb die Mög­lich­keit (un­ter Um­ge­hung der Pro­ble­ma­tik mit mög­li­cher­wei­se brand­schutz­re­le­van­ten Ei­gen­an­trie­ben durch Ver­bren­nungs­mo­to­ren und Ähn­li­chem) ein Au­to­mo­bil dy­na­misch zu prä­sen­tie­ren – mit dem wei­te­ren Vor­teil des Aus­schlus­ses der mensch­li­chen Feh­ler­quel­le durch Fehl­be­die­nung ei­nes Fah­rers auf en­gen Büh­nen.

Ne­ben aus dem Bo­den her­aus­fahr­ba­ren Mi­kro­fon­sta­ti­ven, de­ren Roh­r­ele­men­te te­le­sko­pier­bar sein kön­nen und die so mit ei­ner Ein­bau­tie­fe von 60 Zen­ti­me­tern aus­kom­men, er­öff­nen im Büh­nen­bo­den ein­ge­bau­te Per­so­nen­ver­sen­k­ein­rich­tun­gen über­ra­schen­de Auf- und Ab­tritts­mög­lich­kei­ten für Ak­teu­re. Lauf­bän­der er­mög­li­chen Dy­na­mik oh­ne Orts­ver­än­de­rung und auch das Öff­nen und Schlie­ßen ei­nes Vor­hangs ge­hört im wei­te­ren Sin­ne zu ki­ne­ti­schen Ef­fek­ten. Ei­ne spek­ta­ku­lä­re Art der Vor­han­g­öff­nung ist si­cher­lich der Ka­bu­ki­vor-

hang, der me­cha­nisch aus­ge­löst zu Bo­den fällt. Rol­len­sys­te­me las­sen Lein­wän­de oder auch Vor­hän­ge durch Ab­wick­lung ent­ste­hen und wie­der ver­schwin­den – durch­ge­hen­de Bild­brei­ten von bis zu 30 Me­tern wur­den schon rea­li­siert.

Wei­te­re Mög­lich­kei­ten ne­ben den Be­we­gun­gen in den drei Rau­mach­sen X, Y und Z sind auch die Ro­ta­ti­on um die­se Ach­sen mit Kip­pen und Dre­hen. Dreh­büh­nen für kom­ple­xe An­wen­dun­gen wer­den von Ki­ne­tik­fir­men her­ge­stellt oder be­ste­hen­de Dreh­büh­nen mo­di­fi­ziert, wenn be­son­de­re Be­we­gun­gen oder Be­we­gungs­ab­fol­gen (Än­de­rung von Dreh­rich­tung oder Ge­schwin­dig­keit, be­stimm­te Stopps oder Starts mit Er­rei­chen von fest­ge­leg­ten Po­si­tio­nen) ge­for­dert wer­den. Auch Son­der­an­fer­ti­gun­gen auf Kun­den­wunsch sind mög­lich. Für ei­nen Au­to­mo­bil­her­stel­ler wur­de be­reits vor ei­ni­gen Jah­ren ein Hex­a­pod ge­baut, wel­ches mit sechs über Ku­ge­l­um­lauf­spin­deln an­ge­trie­be­nen Sta­bach­sen in al­len Ach­sen und mit ho­her Dy­na­mik be­wegt wur­de. Auf die­sem Po­dest konn­te das Pu­bli­kum der Ein­füh­rungs­ver­an­stal­tung des neus­ten Fahr­zeugs Platz neh­men und als „Grup­pen­fahr­si­mu­la­tor“die Be­we­gun­gen ei­ner Fahrt in dem Fahr­zeug er­le­ben, die auf ei­ner gro­ßen Lein­wand als Film dar­ge­stellt wur­de. Ein ak­tua­li­sier­ter Ein­satz wür­de heu­te un­ter Ver­wen­dung von Vir­tu­al-rea­li­ty-bril­len neue Di­men­sio­nen des Er­le­bens er­mög­li­chen.

Bei al­len be­weg­ten Ele­men­ten sind Über­le­gun­gen zur si­che­ren Lei­tungs­füh­rung an­zu­stel­len, um ei­ne Be­schä­di­gung von Lei­tun­gen zu ver­hin­dern – so­wohl de­ren zum ei­gent­li­chen Be­we­gungs­be­trieb als auch der, die die be­weg­ten Ele­men­te, wie zum Bei­spiel Led-wän­de mit Ener­gie und Si­gnal ver­sor­gen. Per­ma­nen­te Be­we­gun­gen, wie das an­dau­ern­de Dre­hen ei­ner Dreh­büh­ne, stel­len be­son­de­re Her­aus­for­de­run­gen dar, wenn et­was auf der Dreh­büh­ne ver­ka­belt wer­den muss. Not­wen­dig für auf­wän­di­ge­re Be­we­gungs­ab­läu­fe ist ei­ne ent­spre­chend si­che­re Steue­rung, die mit Ele­men­ten

für Ge­schwin­dig­keits- und Po­si­ti­ons­er­fas­sung prä­zi­se und wie­der­hol­ba­re Vor­gän­ge er­mög­licht. Die Wei­ter­ga­be von Si­gna­len wie Schalt­im­pul­sen und Po­si­ti­ons­da­ten er­mög­licht die An­bin­dung an wei­te­re Me­dien­steue­run­gen wie zum Bei­spiel für ein 3D-map­ping mit­tels Me­dien­ser­ver.

„Ki­ne­tik zum Selbst­zweck, zum Bei­spiel die Be­we­gung ei­ner Tra­ver­se als dy­na­mi­sches Ele­ment ei­ner Show, ist nur klei­ner Teil der Ar­beit“sagt Mi­ke Brock­mann vom Pla­nungs­bü­ro rgb. „Oft soll et­was prä­sen­tiert oder ein Raum ver­än­dert wer­den. Als Ers­tes wird ei­ne Krea­ti­v­idee, ei­ne Ge­schich­te be­nö­tigt, dann kommt die Fra­ge der Um­set­zung. Im Be­reich Ki­ne­tik wird viel mehr cust­om ma­de ge­ar­bei­tet als zum Bei­spiel in der Licht­tech­nik, wo fer­ti­ge Kom­po­nen­ten zu ei­nem Sys­tem zu­sam­men­ge­setzt wer­den. Da­her wer­den bei Aus­schrei­bun­gen die ent­spre­chen­den An­for­de­run­gen in ei­nem Leis­tungs­ver­zeich­nis eher funk­tio­nal mit ent­spre­chen­den Pa­ra­me­tern wie zum Bei­spiel Be­las­tung, Ge­schwin­dig­keit, Laut­stär­ke und ma­xi­ma­le Grö­ße der Un­ter­kon­struk­ti­on be­schrie­ben.“

Möch­te man Mas­se be­we­gen, be­nö­tigt man Kraft. Je grö­ßer die Mas­se ist, um­so mehr Kraft be­nö­tigt man. Durch den Ein­satz von Aus­gleichs­ge­wich­ten kann die not­wen­di­ge Kraft deut­lich ver­rin­gert wer­den – wie im Thea­ter, wo an die fes­t­in­stal­lier­ten hand­be­dien­ba­ren Seil­zü­ge Ge­gen­ge­wich­te ge­hängt wer­den, die dem Ge­wicht an der Last­stan­ge ent­spre­chen und die dann sehr leicht hän­disch be­wegt wer­den kön­nen. Ei­ne Um­set­zung von sze­ni­scher Ve­rän­de­run­gen durch Mus­kel­kraft ist si­cher­lich auch heu­te noch manch­mal das rich­ti­ge Mit­tel – ab­hän­gig von Kom­ple­xi­tät, Zu­ver­läs­sig­keit durch not­wen­di­ge Prä­zi­si­on und Wie­der­hol­ge­nau­ig­keit so­wie un­ter Be­rück­sich­ti­gung von Si­cher­heits­as­pek­ten wird in vie­len Fäl­len je­doch die Wahl auf tech­ni­sche Hilfs­sys­te­me fal­len. Bei al­len Be­we­gun­gen – un­er­heb­lich wie an­ge­trie­ben – sind al­ler­dings nicht nur Über­le­gun­gen not­wen­dig, wie die Mas­se in Be­we­gung ver­setzt wer­den kann, son­dern auch, wie man die­se wie­der zum ge­wünsch­ten Still­stand be­kommt. Da­bei müs­sen al­le Pha­sen von Be­schleu­ni­gung, Fahrt, Brem­sung und Ru­he in ei­nem si­che­ren und kon­trol­lier­ba­ren Zu­stand sein. Le­sen Sie mehr über die ver­schie­de­nen An­trie­be im fol­gen­den Ar­ti­kel.

Fo­to: Jor­rit Lous­berg

Hex­a­pod Für ei­nen Au­to­mo­bil­her­stel­ler wur­de be­reits vor ei­ni­gen Jah­ren ein Hex­a­pod ge­baut, wel­ches mit sechs über Ku­ge­l­um­lauf­spin­deln an­ge­trie­be­nen Sta­bach­sen in al­len Ach­sen und ho­her Dy­na­mik be­wegt wur­de

Auf­wän­di­ge­re Be­we­gungs­ab­läu­fe not­wen­dig da­für ist ei­ne ent­spre­chen­de si­che­re Steue­rung, die mit Ele­men­ten für Ge­schwin­dig­keits- und Po­si­ti­ons­er­fas­sung prä­zi­se und wie­der­hol­ba­re Vor­gän­ge er­mög­licht Fo­to: Whi­te­vo­id

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